Schmitten 07.11.2018

Ein Saal bewegt Schmitten

Wichtig für das Schmittner Dorfleben: das Hotel zum Weissen Kreuz mit seinem Saal.
Das Hotel zum Weissen Kreuz in Schmitten wird abgebrochen und neu gebaut – und mit ihm der Saal, der für die Vereine im Dorf wichtig ist. So wichtig, dass die Gemeinde sich finanziell einbringen will. Das war an einem Informationsabend aber umstritten.

«Jetzt wissen wir, weshalb es einen neuen Saal braucht», sagte ein Besucher des Informationsanlasses zum Neubau des Hotel und Restaurants zum Weissen Kreuz in Schmitten lachend. Ein anderer entgegnete: «So viele Leute habe ich hier drin in 25 Jahren nie gesehen.» Tatsächlich war der Saal des Restaurants am Montagabend rappelvoll: Zusätzliche Stühle wurden hereingetragen, zahlreiche Besucherinnen und Besucher standen. Jung und Alt wollte sich über die Zukunft des einzigen Restaurants im Schmittner Dorfkern informieren.

Keine ähnlichen Räume

Denn gerade der Saal des Weissen Kreuzes ist wichtig für das Dorfleben. Die rund 40 Schmittner Vereine nutzen ihn rege, aber auch Private halten hier ihre Anlässe ab. Vergleichbare Räumlichkeiten an ähnlicher Lage in Schmitten fehlen, wie Gemeindepräsident Hubert Schafer zu Beginn des Informationsabends festhielt. Er sei sehr froh, dass die Eigentümer des Restaurants, David Kaeser und Kyra Reichmuth, den Gemeinderat in das Projekt einbezogen hätten. «Zuerst war kein Saal geplant», erzählte er. «Der Gemeinderat hat dann angeregt, einen solchen in den Neubau zu integrieren. Denn ein Dorf mit mehr als 4000 Einwohnern kann es sich nicht leisten, diesen Saal zu verlieren.»

Eigentümer und Gemeinderat hätten intensiv diskutiert und seien schliesslich auf die nun präsentierte Lösung gekommen, sagte Schafer weiter. Die Gemeinde wolle sich mit einem zinslosen Darlehen über 650 000 Franken am Bau des Saals beteiligen (siehe Kasten). Die Gemeindeversammlung wird am 30. November darüber abstimmen. Im Gegenzug sollen die Dorfvereine Vorteile erhalten: Sie sollen den Saal einmal pro Jahr gratis benutzen dürfen; zusammen mit der Gemeinde Vorrang bei Terminwünschen haben und spezielle Mietbedingungen erhalten, wenn sie den Saal mehrmals pro Jahr nutzen möchten. Sie sollen entweder auf das Gastroangebot des Restaurants zurückgreifen können, oder auch unabhängig davon selber Essen und Trinken organisieren. All dies werde in einer Nutzungsvereinbarung festgehalten, sagte Schafer.

«Diese Art der Kooperation von Privaten und Gemeinde für einen Saal gibt es in der Region nirgends sonst», sagte der Syndic. Er glaube, dass es die ideale Lösung für Schmitten sei. Jene Gemeinden, die er kenne, die selbst einen ähnlichen Saal besässen und verwalteten, wollten diesen wieder abstossen. Und wenn die Eigentümer den Bau selbst finanzierten, wären die Betriebskosten für die Gemeinde viel höher. Wirtin Kyra Reichmuth kennt ähnliche Kooperationsmodelle aus ihrer Heimat Schwyz. «Davon haben wir uns inspirieren lassen», sagte sie.

Skepsis und Gratulation

Bei einigen Besuchern stiess das zinslose Darlehen der Gemeinde aber auf Skepsis. «Warum gewährt die Gemeinde einem Gewerbler einen solchen Vorteil? Andere hätten das auch nötig», sagte ein Anwesender. «Es geht nicht um einen Vorteil für einen Gewerbler, sondern darum, dass wir als Gemeinde diesen Saal im Dorfzentrum nicht verlieren», sagte Gemeindepräsident Schafer dazu. «Wenn wir als Gemeinderat diese Chance jetzt nicht ergreifen, würde uns das später sicher vorgeworfen.»

Ein anderer fragte, ob die Bedürfnisse der Vereine abgeklärt worden seien – und ob ein neuer Saal ausreiche. Schafer bejahte Ersteres: Mit den grösseren Vereinen sei gesprochen worden. Zusätzlich plane die Gemeinde einen Neubau im Gwatt, der weitere Bedürfnisse abdecken solle. Weitere Infos dazu folgten später.

Was passiert, wenn es einen Besitzerwechsel gibt oder die Eigentümer Konkurs gehen? Das wollte ein weiterer Besucher wissen. «Bei einem Eigentümerwechsel gelten die Nutzungsbedingungen weiter», sagte Syndic Schafer. Zudem sichere sich die Gemeinde mit einem Schuldbrief auf den Saal ab.

Es gab auch mehrere positive Rückmeldungen. «Ich möchte den mutigen jungen Leuten zu diesem Projekt gratulieren», sagte ein Anwesender. «Es braucht diesen Saal mitten im Dorf», sagte ein anderer und erntete dafür Applaus. Viel Interesse gab es für das Bauprojekt allgemein; einige Besucher beschwerten sich über die knappe Vorstellung. David Kaeser reichte daraufhin Pläne und Karten herum.

Ob das Projekt überzeugt, wird sich an der Gemeindeversammlung Ende Monat zeigen. Sagt eine Mehrheit Ja zum Darlehen, wird im Anschluss das Baugesuch aufgelegt.

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Zahlen und Fakten

Wohnungen, Saal und Hotelzimmer

Die Eigentümer des Hotels und Restaurants zum Weissen Kreuz in Schmitten, David Kaeser und Kyra Reichmuth, planen einen kompletten Neubau. «Die Bausubstanz des bestehenden Hauses ist nicht gut genug, um das Gebäude zu erhalten», sagte Kaeser am Informationsanlass zum Neubau vom Montagabend. Erhalten bleiben solle der grosse Schriftzug, und aus den Bäumen auf der Terrasse würden Tische für das Restaurant gemacht. Architekt Steve Ducret präsentierte das Neubauprojekt: ein modernes Gebäude mit Dachwohnungen mit zwei bis drei Zimmern zuoberst. Im mittleren Teil sind Hotelzimmer vorgesehen, im Erdgeschoss das Restaurant und der Saal. Im Untergeschoss ist eine Einstellhalle mit rund 50 Parkplätzen geplant. Der Saal soll rund 161 Quadratmeter gross sein und Platz für rund 150 Personen bieten, wie Kaeser sagte. Es werde Wert gelegt auf eine gute Akustik, um Konzerte zu ermöglichen. Dafür gibt es auch eine mobile Bühne. Mit einer Trennwand soll der Saal unterteilt werden können, so dass ihn zwei Gruppen gleichzeitig nutzen können. Die Gemeinde will sich mit einem zinslosen Darlehen von 650 000 Franken an den Erstellungskosten und der Einrichtung des Saals beteiligen. Das solle so weit möglich aus Eigenmitteln finanziert werden, sagte Syndic Hubert Schafer. Es sei über 25 Jahre rückzahlbar. Die jährlichen Betriebskosten für den Saal betrügen 15 000 Franken, die Gemeinde übernehme davon einen Drittel, also 5000 Franken.

nas