Giffers 09.07.2019

Ein unbekanntes Stück Sensler Geschichte

Thomas Vaucher hat vor kurzem sein neues Buch «Der General» vorgestellt.
Aufstand im Sensebezirk, die Belagerung des Schlosses Heitenried, ein Bauer als General: Im neuen Roman «Der General» greift Thomas Vaucher die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Region auf und schafft ein spannendes Lesevergnügen.

Paris, 10. August 1792: Die Schweizergarde hält die Tuilerien besetzt, um den König von Frankreich vor den Revolutionären zu beschützen. Als der König freiwillig abzieht, greift die Menge die Schweizer an, ein grausiges Schlachten beginnt. Mitten drin befindet sich der Bauer Johann Gobet aus Gerewil bei Alterschwyl, der Seite an Seite mit anderen Schweizer Soldaten um sein Leben kämpft.

Mit dieser aufwühlenden Szene beginnt der kürzlich erschienene Roman «Der General» des Sensler Autors Thomas Vaucher. Doch damit nicht genug: Während Johann Gobet in Paris um sein Leben kämpft, liegt seine Frau zu Hause in den Wehen und bringt den ersten gemeinsamen Sohn, Christoph, zur Welt.

Widerstand im Sensebezirk

Diese beiden dramatischen Szenen um Leben und Tod entsprechen historischen Fakten – genauso wie viele weitere Teile des Romans: Johann Gobet gelingt die Flucht aus Frankreich, und während der folgenden sieben Jahre arbeitet er in Ruhe als Bauer auf seinem Hof in Gerewil.

Doch dann fordert Frankreich erneut Unterstützung aus der Eidgenossenschaft – die mittlerweile zur helvetischen Republik geworden ist. Die Sensler sind empört und nicht bereit, sich erneut für Frankreich zu opfern. Mit den neuen Ideen der Republik können sie schon gar nichts anfangen. Sie formieren sich zum Widerstand und wählen Johann Gobet zu ihrem General.

Schloss belagert

Die helvetische Regierung bekämpft den Aufstand mit zwei Feldzügen, aus welchen eine Belagerung des Schlosses in Heitenried resultiert– und weist die aufmüpfigen Sensler schliesslich in ihre Schranken.

Vielen Senslerinnen und Senslern mögen diese historischen Begebenheiten unbekannt sein. Auch Thomas Vaucher stiess bei Recherchen für das Freilichtspiel zum letzten Herrscher von Heitenried zufällig auf den Stoff: «Eine Art Revolution im Sensebezirk, die Belagerung des Schlosses und ein Bauer, der zum General ernannt wird, das hat mich sofort gepackt», sagt Vaucher.

«Eine Randnotiz»

«Diese Geschichte ist eine kleine Anekdote der Weltgeschichte, eine Randnotiz», sagt der Autor. So sei es zu erklären, dass sie im hiesigen Geschichtsunterricht lange keine Erwähnung fand und weitgehend unbekannt sei. «Für unsere Region sind die Ereignisse aber natürlich spannend.»

Fakten und Fiktion

Um der Geschichte einen grösseren Rahmen zu geben, verknüpft Vaucher sie in seinem Roman mit bedeutenden Elementen der Weltgeschichte: So lässt er Johann Gobet in Paris auf Napoleon Bonaparte treffen und bringt die heilige Lanze des Longinus ins Spiel, welche ihren Besitzer in der Schlacht unbesiegbar machen soll. So verbindet Vaucher geschickt Fakten und Fiktion zu einem historischen Roman, der auch ausserhalb des Sensebezirks interessieren dürfte.

Thomas Vaucher: «Der General», Stämpfli-Verlag 2019, 180 Seiten. Erhältlich in den Freiburger Buchhandlungen und in Geschäften der Region.

Lesung: Do., 29. August, 20 Uhr. Gasthof St. Martin, Tafers.

Quellen

Recherche im Staatsarchiv und im Schloss

Für die Recherchen zu seinem insgesamt siebten Roman «Der General» stützte sich der Sensler Autor Thomas Vaucher insbesondere auf Dokumente, die im Freiburger Staatsarchiv oder der Kantons- und Universitätsbibliothek zu finden sind. Im Vergleich zu seinen früheren historischen Romanen, die im Mittelalter spielten, sei die Recherche diesmal etwas einfacher gewesen, da die Ereignisse erst 200 Jahre zurücklägen, so Vaucher. Auch habe es weniger widersprüchliche Quellen gegeben. Der ehemalige Staatsarchivar Hubert Foerster habe ihm zudem viel über das Leben Ende des 18. Jahrhunderts und die Schweizergarde erzählt. Was ihm die Arbeit ebenfalls erleichterte: Der 39-jährige Vaucher ist Primarlehrer im Schulhaus Schloss in Heitenried, Ortsbegehungen waren daher einfach. Eine Schwierigkeit war hingegen, dass viele Dokumente in altem Französisch verfasst sind.

mir