Giffers/Tentlingen 07.07.2017

«Es ist gut, auch mal an die Grenzen zu gehen»

Präsident Eric Cotting (mit Brille) am Probeweekend.
Die Musikgesellschaft Giffers-Tentlingen hat für den Auftritt am Kerkrade-Festival das Jahresprogramm umgestellt.

Die Musikgesellschaft Giffers-Tentlingen ist neben der Concordia der einzige Freiburger Musikverein, der an den World Music Contest in Kerkrade reist (siehe Text zum Blasorchester Concordia). «Die Idee dazu entstand bereits vor einiger Zeit», erklärt Präsident Eric Cotting. Die Musikgesellschaft wollte eigentlich letztes Jahr nach Montreux ans Eidgenössische Musikfest, hat dann aber darauf verzichtet. Dies zugunsten eines anderen Projekts, nämlich die Filmmusik zum Stummfilmklassiker «Der Kilometerfresser» live zu spielen (die FN berichteten). «Wir haben viel dafür gearbeitet und hatten im Verlauf des Jahres einige Auftritte. Dafür wollten wir uns etwas gönnen.» Präsident Eric Cotting und Dirigent Pascal Schafer schlugen den Mitgliedern Kerkrade vor – beide hatten als Musiker des Sinfonischen Blasorchesters Bern bereits früher am renommierten Wettbewerb teilgenommen. «Es ist die Champions League der Harmoniemusik, es ist DER Blasmusikwettbewerb Europas», so Eric Cotting.

Die rund 60 Mitglieder der MG Giffers-Tentlingen waren sich einig, es zu versuchen – denn ausser in der Konzertklasse müssen sich alle Teilnehmer bewerben. «Das Niveau ist sehr hoch, und wir mussten unsere Chancen rea­listisch einschätzen, ob wir als Amateure unter all den Halbprofis und Musikstudenten überhaupt dazukommen», sagt der Präsident. Zur Freude des Vereins klappte es.

Unbelastet auftreten

Die Musikanten haben für die Reise in die Niederlande ihre Agenda umgestellt: Nach dem Jahreskonzert im Februar machten sie erst einmal zwei Monate Pause und begannen im April wieder zu proben. Sie haben sogar ihre Ferien verlegt; bis auf wenige Ausnahmen ist dies allen gelungen. Eric Cotting freut sich über den Auftritt im Ausland: «Dort kennt uns niemand. Wir sind Nobodys und können unbelastet auftreten.» Ein wenig Ehrgeiz sei schon da. Ihm als Präsident sei es aber viel wichtiger, dass auf der viertägigen Reise alles gut gehe und alle heil wieder nach Hause kämen. «Es ist cool, mit der ganzen Band zu verreisen.»

Die Sensler treten am Samstag, dem 15. Juli auf. So bleibt genügend Zeit, die Gegend und die Stimmung am Festival zu geniessen. «Es ist ein Mekka der Blasmusik, viele bekannte Komponisten der Szene sind dort», sagt Eric Cotting.

Dirigent Schafer hat die Ambiance in Kerkrade schon dreimal als Musiker miterlebt. «Es ist einfach gewaltig, was da geboten wird. Da sind etwa Fanfaren- und Marching Bands, wie es sie in der Schweiz nicht gibt.»

Versteckte Schwierigkeiten

Die MG Giffers-Tentlingen wird «Summer Dances» von Adam Gorb als Aufgabenstück aufführen. «Es ist eine spezielle, beinahe etwas heimtückische Musik», beschreibt Pascal Schafer. «Das Stück enthält versteckte Schwierigkeiten, sieht auf den ersten Blick problemlos aus, ist dann aber bei der Umsetzung doch schwerer als gedacht. Wir hatten damit zu kämpfen und haben hart daran gearbeitet.» Das Stück enthalte mehrere Teile mit Stimmungen, die nicht leicht umzusetzen seien.

Als Selbstwahlstück hat er «Spartacus» des Belgiers Jan van der Roost ausgewählt. «Das passt zur Band», erklärt er. Das Stück weise aussergewöhnliche Klangmischungen auf, die die Blechinstrumente in den Vordergrund rücken. «Es kommt massig daher, manchmal sogar fast aggressiv, um die Ambiance eines Gladiatorenkampfes zu unterstreichen.»

Die Musikantinnen und Musikaten haben viel gearbeitet. «Ich bin strenger als bei einem normalen Konzert», so Pascal Schafer. Eine solche Vorbereitung sei gut dazu, an die Grenzen zu gehen, das Beste herauszuholen. Er ist zufrieden mit der Leistung: «Das Gerüst ist da. Bei den letzten Proben müssen wir noch ein wenig daran feilen, diese verschiedenen Stile und Stimmungen besser zu vermitteln.»

Möglichst gut vorbereitet sein

Über das Abschneiden seines Vereins mag er keine Prognose abgeben. Das sei schwer einzuschätzen, und es brauche auch ein wenig Glück. Er spüre schon einen gewissen Druck. «Aber das will ich auch – schlafen kann ich trotzdem gut», sagt er mit einem Lachen. «Mein Ziel ist es, dass wir so gut wie möglich vorbereitet sind, damit alles drin liegt.» Vor Ort entscheide dann die Jury und die Tagesform.

Dieses Hinstreben auf einen solchen Auftritt bringe eine Band weiter. «Es tut uns gut, manchmal verbissen an etwas zu arbeiten und am gleichen Strang zu ziehen.» Das Resultat sei dann eigentlich zweitrangig. «Ich will einfach sagen können: Wir haben alles gegeben», betont Pascal Schafer.