Ueberstorf 09.02.2019

Freiburger Fichten kämpfen mit Buchdrucker

Die Wälder im Kanton Freiburg waren im letzten Jahr von den Stürmen im Frühling und der Trockenheit im Sommer geschwächt – ein gefundenes Fressen für Borkenkäfer. Besonders der Buchdrucker macht in Freiburg Probleme.

Die freiburgischen Wälder waren für Borkenkäfer im letzten Jahr der Himmel auf Erden. Vom Sturm umgelegte Bäume boten sich als gute Brutplätze für Larven an, aber auch in gesunden, wegen der Hitze jedoch trockenen Bäumen tobte sich das Geziefer aus. Im Kanton Freiburg ist es besonders der Buchdrucker. Er befällt Fichten, die wichtigste Baumart der Schweiz, die rund 40 Prozent der Wälder ausmacht.

19 000 Kubikmeter Schadholz

Im vergangenen Jahr fielen dem Buchdrucker im Gebiet Sense- und Seebezirk rund 5000 Kubikmeter Holz zum Opfer, im gesamten Kanton waren es 19 000 Kubikmeter – Holz, das die Wirtschaft nicht mehr verwerten kann. Seit den letzten grösseren Stürmen in den Jahren 2003 und 2004 sei diese Menge an käferbefallenen Fichten die höchste, sagte Anton Egger, Revierförster von Sense West, auf Anfrage.

Der Buchdrucker bereite der Freiburger Forstwirtschaft grosse Sorgen, sagte Egger. Das Problematische an dieser Art Käfer sei, dass er in Baumrinden und im Boden überwintern könne. «Eine Räumung der umgefallenen Bäume über den Winter bringt also nicht viel. Der Käfer sucht sich vom Boden aus einen neuen geschwächten Baum», meinte der Förster.

Ab Mitte April, wenn die Temperaturen erstmals auf rund 18 Grad steigen, fliegen die Käfer schon aus, um sich einen Baum auszusuchen. Das Männchen lockt Weibchen durch Duftstoffe an, die Larven werden in die Rinde gelegt. Dadurch entstehen sogenannte Larvengänge: Um zu reifen, fressen sich die Larven durch die Rinde. Bei warmem Wetter seien die Käfer ab sieben Wochen zum Ausflug bereit, bei kühlerem ab zwölf Wochen, sagte Egger.

Ausbreitung und Wertverlust

An der Generalversammlung des Waldbauvereins Sense vom Donnerstagabend (siehe Kasten) appellierte Egger an die Waldbesitzer: «Beobachtet eure Bäume gut. Je schneller wir reagieren, desto weniger Schäden haben wir.» Eine schnelle Reaktion ist ratsam, denn ein Weibchen kann innerhalb eines Jahres bis zu 100 000 Larven legen. Bei hohen Temperaturen kann es in einem Jahr bis zu drei Generationen der Käferart geben. «Das gibt verheerende Schäden», betonte Egger.

Es müsse das Ziel erreicht werden, durch schnelles Reagieren die Ausbreitung zu verhindern und den Wertverlust zu mindern, sagte der Revierförster zu den Waldbesitzern. «Sobald das Holz blau ist, fällt der Preis rasant», führte er aus. Er empfahl den Anwesenden, nicht nur auf die Krone einer Fichte zu schauen, denn daran erkenne man nicht, ob der Baum von Käfern befallen sei. «Er kann noch lange grün bleiben.» Anzeichen eines Käferbefalls seien Spechteinschläge oder Bohrmehl. Bohrmehl werfen die Elterntiere beim Bohren aus; es sammelt sich an Rindenschuppen, Ästen, Spinnweben oder an der Bodenvegetation.

«Im Zweifelsfall ist es auch gut, den Revierförster zu benachrichtigen, um gemeinsam mit ihm die Lage zu beurteilen. Liegt ein Käferbefall vor, müssen wir den Baum sofort fällen und so schnell wie möglich aus dem Wald herausschaffen, damit sich der Käfer nicht weiter ausbreiten kann», erklärte Anton Egger. Wenn ein Baum aber bereits ohne Rinde dastehe, sei es zu spät: Dann sei der Käfer schon weggeflogen.

Generalversammlung

Zehn Projekte verschoben wegen Sturm Burglind

Stürme wie Burglind, Eva und Friederike, gefolgt von Trockenheit, als Folge Käferbefall: Diese Themen seien für die Waldbesitzer im letzten Jahr ständig aktuell geblieben, sagte der Präsident des Waldbauvereins Sense, Martin Zbinden, an der 14. Generalversammlung in Ueberstorf. Noch heute seien wegen des Sturms Burglind rund zehn Projekte der koordinierten Holznutzung offen, die der Verein verschieben musste, erzählte Mario Inglin, Revierförster von Sense Nord. Unter koordinierter Holznutzung verstehen sich Holzschläge, die der Waldbauverein Sense zusammen mit den Revierförstern des zweiten Forstkreises Sense-See seit zehn Jahren organisiert.

Die ersten Ehrenmitglieder

Die 51 anwesenden Waldbesitzer und Förster genehmigten an der Versammlung zudem die neuen Statuten, die der Vorstand neu strukturiert und modernisiert hat. Nun ist es dem Verein erlaubt, Ehrenmitglieder zu wählen. Die Versammlung wählte per Akklamation Fritz Burkhalter als Ehrenmitgliedspräsident sowie Oswald Baeriswyl als Ehrenmitglied. Des Weiteren wählten die Waldbesitzer Rainer Zaugg als neuen Revisor, er folgt auf den abtretenden ­Martin Jenny.

jp