düdingen 06.11.2019

Kirche hat sich als Kulturlokal etabliert

Die reformierte Kirche in Düdingen öffnet sechs Mal im Jahr die Türen für Kleinkunst.
Von Franz Hohler und Emil Steinberger zu unbekannteren Namen: Die reformierte Kirche in Düdingen bietet seit 20 Jahren neben Gottesdiensten auch Platz für Kleinkunst. Am Sonntag startet die neue Saison.

«Unsere neue Kirche soll ein Ort der Begegnung und als Raum vielfältig benutz- und erlebbar sein.» Das steht im ersten Programmheft von Kultur in der Kirche in Düdingen aus dem Jahr 2000. Auch diesen Sonntag startet ein vielfältiges Kulturprogramm traditionell mit einer musikalischen Matinee. Das Duo Praxedis eröffnet die zwanzigste Saison (siehe Kasten). Das langjährige Konzept zeigt: In einer Kirche hat es neben dem Gebet auch Raum für Kabarett.

Kultur für alle

«Wenn wir schon eine reformierte Kirche bauten, wollten wir diese häufiger brauchen als nur alle zwei Wochen für einen Gottesdienst», erinnert sich Mitinitiant Jürg Antener an die Anfänge. Er tat sich mit fünf anderen zusammen und gründete Kultur in der Kirche. Damit wollten sie den Raum auch Katholiken und Konfessionslosen zur Verfügung stellen und allen etwas Kulturelles bieten. «Wir hatten keine Erfahrung in der Organisation von Veranstaltungen», erzählt er heute. Sie hätten einfach ausprobiert. Aller Anfang war auch bei ihnen schwer. Doch mit der Zeit etablierte sich die Kirche als neues Kulturlokal. «Die Düdinger haben entdeckt, dass es interessant und amüsant ist», sagt Antener.

Arbeit im Team

Nach wie vor führt das Team, bestehend aus sechs freiwilligen Mitgliedern, im Winterhalbjahr jeweils sechs Veranstaltungen durch. «Pro Ausgabe ist jeweils eine Person hauptverantwortlich», erklärt er das Organisationskonzept. Wünsche und Vorschläge könne aber jeder einbringen. Die Erfahrung der letzten 20 Jahren helfe bei der Entscheidung, welche Künstler angefragt werden sollen. Dennoch scheint das ausschlaggebende Erfolgsrezept simpel: «Primär muss es uns sechs gefallen, dann gefällt es oft auch dem Publikum.» Als Zweites sei bei ihrem Budget dann die Frage nach der Gage relevant.

Das Vorgehen beim Buchen der Künstler ist unterschiedlich. Manchmal scheinen etwas Mut und Geduld zu reichen. So habe Antener Emil Steinberger direkt einen Brief geschrieben. «Seine Frau antwortete mir, dass der Brief oben auf dem Stapel liege», erzählt er. Es dauerte einige Jahre, bis der Stapel angeschaut wurde. Doch die Geduld zahlte sich aus: Emil Steinberger sagte für einen Auftritt zu. «Ich denke, er wollte ausprobieren, wie sein Programm beim Publikum ankommt», sagt Antener bescheiden.

Mehr Erfolge als Misserfolge

Für grosse Namen – es finden sich neben Franz Hohler viele – brauche es keine grosse Werbung. Noch immer bedauert es Antener, dass er bei Frölein Da Capo einige Besucher aus Platzmangel wieder nach Hause schicken musste. Bei weniger bekannten Künstlern ziehen die Organisatoren verschiedene Register wie das Aufhängen von rund 40 Plakaten allein in Düdingen oder das persönliche Anschreiben per E-Mail. So wurden in den letzten Jahren die 140 Plätze in der Kirche eher mehr als weniger gut gefüllt. «Es gab auch Pleiten», gibt Antener zu. So hatten sie einmal nur rund 20  Besucher für eine Lesung von Lukas Hartmann. «Wir dachten, dass er als Ehemann von Bundesrätin Sommaruga bekannt sei.» Der Organisator glaubt auch, dass die Besucherinnen und Besucher etwas Unterhaltsames, Lockeres einer Lesung vorziehen würden.

Auf Unterstützung angewiesen

Egal ob bekannt oder nicht, der Ticketpreis liegt immer bei 25 Franken. Unterstützt wird Kultur in der Kirche von Sponsoren, Gönnern und der Kirchgemeinde. «Wir sind in der ­privilegierten Lage, dass wir keine Lokalkosten haben.» Die reformierte Kirchengemeinde Düdingen hat keinen Einfluss auf das Programm. Die Zukunft hänge daher auch etwas vom Entgegenkommen der Kirchgemeinde ab. Antener hofft, dass in den nächsten Jahren auch vermehrt junge Künstlerinnen und Künstler aus der Kleinkunstszene ­gewonnen werden können. «Unser Publikum ist im Schnitt zwischen 55 und 70  Jahre alt.» Auch ein jüngeres Publikum anzusprechen, sei sein einziger Wunsch. Ansonsten dürfe es auch die nächsten 20 Jahre so weitergehen wie in den letzten zwei Jahrzehnten.

Vorschau

Harfe und Klavier zur Saisoneröffnung

Das Duo Praxedis zeigt, dass das Zusammenspiel von Harfe und Klavier – eine beliebte Kombination aus der Frühklassik – auch heute noch funktioniert. Am Sonntag spielen Mutter Praxedis Hug-Rütti und Tochter Praxedis Geneviève Hug amerikanische Folksongs unter anderem von Leonard Bernstein und Darius Milhaud. Am 29. November tritt in der reformierten Kirche Düdingen Ferruccio Cainero mit seinem Programm «Tic Tac» auf. Im neuen Jahr stehen zudem Flurin Caviezel, Dakar Produktion, Birgit Süss sowie Muheim und Channa auf der Bühne.

sf

Reformierte Kirche, Düdingen. So., 10. November, 10 Uhr. Weitere Informationen: kulturinderkirche.ch