Plaffeien 17.05.2019

Kleine Schritte für eine bessere Welt

Engagiert zeigen die OS-Jugendlichen, dass ihnen die Zukunft der Erde nicht egal ist.
Palmöl vermeiden, saisongerecht kochen, Reste verwerten, Verpackungen vermeiden: Schüler der OS Plaffeien haben sich im Hauswirtschaftsunterricht Gedanken gemacht, was sie gegen den Klimawandel tun können.

«Wenn wir den menschengemachten Temperaturanstieg stoppen wollen, müssen wir jetzt handeln. Jeder Einzelne ist gefragt.» Konzentriert trägt Cédric Marti seinen kleinen Vortrag vor. Er ist einer von 30 Schülern aus einer Förder- und zwei Sekundarschulklassen der OS Plaffeien, die sich im Hauswirtschaftsunterricht während des ganzen Schuljahres Gedanken zum Klimawandel gemacht haben. «Die Nachhaltigkeit war schon immer ein wichtiger Bestandteil unseres Unterrichts. Durch die aktuelle Situation hat sie an Bedeutung gewonnen», sagt Hauswirtschaftslehrerin Christina Bürgisser.

Schüler sensibilisieren

Aus einer langen Themenliste haben sie in kleinen Gruppen eines ausgewählt, vertieft und die Resultate in Form von Lernplakaten dargestellt. «Es ist ihr ganz persönliches Thema. Sie haben es nicht gewählt, um mir eine Freude zu machen, sondern, weil es ihnen am Herzen liegt.» Ihr sei wichtig, die Jugendlichen zu sensibilisieren, aber nicht zu moralisieren. «Sie müssen verstehen, dass es durchaus Dinge gibt, die sie selber und direkt beeinflussen können, zum Beispiel, wenn sie Kleider online bestellen, Kosmetika kaufen oder sich überlegen, was mit dem ausgedienten Handy geschieht.»

Auf der anderen Seite gebe es auch Bereiche, auf die sie nicht direkt Einfluss hätten, etwa, wenn es das Familienbudget nicht erlaube, den Preis aus­ser Acht zu lassen. «Wir Hauswirtschaftslehrerinnen wollen auch nicht mit Verboten arbeiten. Die Jugendlichen sollen aber lernen, abzuwägen, was für sie persönlich drin liegt und was ihnen am ehesten entspricht», sagt Christina Bürgisser. Sie habe eine Riesenfreude über die grosse Motivation der Schülerinnen und Schüler. «Es zeigt, dass sie sich wirklich Gedanken machen und widerlegt die Vorbehalte, dass vielen Jugendlichen die Zukunft völlig egal ist.» So haben die Schüler denn auch jeden ihrer Vorträge mit einer persönlichen Antwort auf die Frage «Was tust Du im Kampf gegen den Klimawandel?» abgeschlossen.

Lange Wege, billig produziert

Die Jugendlichen haben Dutzende von Fakten und Überlegungen zusammengetragen, zum Beispiel zu Transportwegen, Importen und Billigprodukten: Unzählige Lebensmittel werden nicht in den ursprünglichen Herkunftsländern produziert, sondern dort, wo es billiger ist. Meist erhalten die Produzenten für ihre Arbeit kaum einen Mindestlohn und arbeiten unter widrigen Bedingungen. «Die Kinder in Entwicklungsländern arbeiten in Fabriken in einem Alter, in dem wir noch im Sandkasten gespielt haben», hält Julie fest.

«Im Bauch eines Schiffs oder an Bord eines Flugzeugs reisen importierte Früchte viele Kilometer zu uns», erzählt Elio. «Wenn sie im Geschäft angekommen sind, haben sie eine negativen CO2-Bilanz und bereits einen Teil ihrer Lebenskraft eingebüsst.» Darum müsse das Motto «Erste Wahl regional» heissen. Jeans sind auch ein Beispiel für unsinnige Transportwege, wie Yann, Leandro und Besart aufzeigten: Bis das Ausgangsmaterial Baumwolle gepflückt, verarbeitet, gefärbt und zusammengenäht ist, reist es mehr als einmal um die Welt.

Zwei Drittkürsler haben sich überlegt, was sie ändern müssten, um nachhaltig zu backen. «Es ist gar nicht so einfach, den ökologischen Fussabdruck im Alltag zu verkleinern», sagte Selina Cotting. Man komme nicht immer um fertig verpackte Lebensmittel herum. Ihre Kollegin Joana Marques gab hilfreiche Tipps: Bezugsquellen gezielt auswählen, in loser Form einkaufen, eigene Behälter mitbringen, je nach Saison backen, Milch und Joghurt in Mehrwegbehältern kaufen.

Auch Foodwaste ist ein Thema, dabei wäre es so einfach, diesen Berg an verschwendeten Lebensmitteln zu verringern, wie Loreline und Lara aufzeigen: Reste aufbewahren, übrig Gebliebenes einfrieren und genau unterscheiden zwischen Verfalldatum und Mindesthaltbarkeitsdatum. Weil die Werbung viel verspreche, vergesse man oft, die Produkte genau anzuschauen, sagten Jana und Alicia. «Wir schauen auf den Preis und kaufen Produkte, die zwar billig sind, aber schlechte Inhaltsstoffe haben.»

Spannend war die Arbeit von Dan und Nicolas, die der Frage nachgegangen sind, was in einem Burger steckt. Sie haben die Zutaten analysiert und festgestellt, dass es für deren Anbau und Verarbeitung enorm viel Wasser braucht, nämlich 2453 Liter. Es braucht auch Energie für den Transport und die Kühlung. «Für uns Konsumenten ist es schwierig, das zu erkennen. Denn keine Unternehmung ist verpflichtet, all die Informationen anzugeben. Es ist deshalb wichtig, sich über die Ökobilanz eines Produkts zu informieren.»

Auch die junge schwedische Klimaschützerin Greta Thunberg war Thema eines Vortrags. Ihrem Beispiel folgend hielt Schülerin Anne Piller fest: «Wenn wir nur eine Sache durchsetzen, macht es die Welt zu einem besseren Ort.»

«Kinder arbeiten in Fabriken in einem Alter, in dem wir noch im Sandkasten gespielt haben.»

Information

Nachhaltigkeit im Unterricht

Verschiedene Plattformen unterstützen Schulen im Bestreben, die Kinder nachhaltig zu unterrichten. Eine davon heisst «éducation21». Das ist ein nationales Kompetenz- und Dienstleistungszentrum für Bildung und für nachhaltige Entwicklung in der Schweiz. Es unterstützt Lehrpersonen und Schulleitungen mit pädagogisch geprüften Lernmedien, orientiert und berät und gibt auch Finanzhilfen für Schul- und Klassen­projekte.

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www.education21.ch

Inhaltsstoffe

Palmöl zu umgehen hat seinen Preis

Extra für die Präsentation ihrer Arbeiten zum Thema Klimaschutz haben die Schülerinnen und Schüler drei Proben von Mousse au Chocolat zubereitet. Eine mit Nutella, zwei mit einer Nusscreme von Lindt. Das Glas Nutella ist zwar am günstigsten, enthält jedoch das problematische Palmöl, von dem jährlich viele Tausend Tonnen importiert werden. Es ist günstig, aber ökologisch sehr fragwürdig, da für seinen Anbau Torfböden ausgetrocknet, Regenwälder gerodet und Monokulturen angelegt werden. Alternativen dazu gibt es nicht viele und wenn – so zeigt das Beispiel der Hauswirtschaftsschüler – dann sind sie um einiges teurer. Die Schüler haben auch gleich einen Tipp parat, wie man versteckten Inhaltsstoffen auf die Schliche kommt: Mit der App CodeCheck kann man kritische Inhaltsstoffe checken. Übrigens: Ein Unterschied zwischen dem Mousse mit oder ohne Palmöl ist beim Degustieren nicht herauszuschmecken.

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