Freiburg 16.08.2017

Klimaerwärmung stresst die Bachforelle

Die Bachforelle mag kühles Wasser und muss sich deshalb neue Habitate suchen.
Der Klimawandel macht der Bachforelle schwer zu schaffen. Die steigenden Wassertemperaturen in den Fliessgewässern ­beeinträchtigen die Art sehr stark. Eine Untersuchung in der Sense soll Aufschluss darüber geben, wie dem Fisch zu helfen ist.

Die Klimaerwärmung beeinflusst nicht nur das Leben von uns Menschen. Auch Tiere leiden darunter, zum Beispiel Fische. «Wir müssen uns mit der globalen Erwärmung abfinden», sagt Jean-Daniel Wicky, kantonaler Fischereiverwalter. Sie habe im Laufe der letzten Jahre dazu geführt, dass sich die Fischbestände verändern und dass sich die Fischpopulationen in den Mittellandflüssen anders zusammensetzen. «Dagegen anzukämpfen bringt wenig, da stehen wir auf verlorenem Posten», sagt er. Doch könne man versuchen, die Arten bestmöglich zu unterstützen, damit sie sich geänderten Habitaten besser anpassen können.

Standorttreue Fische

Ein Beispiel für eine Fischart, der die Klimaerwärmung zu schaffen macht, ist die Bachforelle. Dieser einheimische Fisch ist in den Fliessgewässern im ganzen Kanton sehr häufig anzutreffen und bei Fischern sehr beliebt. Er kann bis zu 80 Zentimeter lang und maximal acht Kilogramm schwer werden.

Bachforellen sind gemäss heutigen Erkenntnissen sehr standorttreue Fische. Das heisst, sie verlassen ihre «Heimat» nur kurz, um sich fortzupflanzen, und kehren danach wieder an ihren angestammten Platz zurück. Die Bachforelle braucht sauerstoffreiches fliessendes Wasser. Sie mag kühles Wasser unter 15 Grad; kritisch wird es für sie, wenn dieser Wert über 20 Grad steigt.

Sucht kühles Wasser

«Die steigende Temperatur in den Flüssen im Mittelland zwingt die Bachforelle aber, ihr angestammtes Habitat zu verlassen», erklärt Jean-Daniel Wicky. Die Bachforelle weicht also in höhere gelegene Gegenden aus, um wieder kühleres Wasser zu finden. Sie zieht zum Beispiel in der Sense Richtung Sense-Oberland. Das geht aber nur, wenn die Fischwanderung nicht durch Hindernisse verunmöglicht wird, beispielsweise durch Stauwehre oder durch Querschwellen, mit denen Bäche zum Hochwasserschutz verbaut wurden.

Parasiten im Wasser

Wenn die Bachforelle nicht ausweichen kann, bleibt sie gezwungenermassen in den für sie unbehaglichen wärmeren Gewässern, wo aber neue Gefahren lauern. Zum Beispiel PKD (Proliferative Kidney Disease), eine Krankheit, welche die Nieren der Fische angreift. PKD wird durch einen Parasiten im Wasser hervorgerufen, der die Forelle als Wirt missbraucht. Durch Haut und Kiemen kommt er in den Körper und führt zu einer Entzündung der Nieren. «Betroffen sind vor allem Forellen im ersten Jahr. Ihr Immunsystem ist zusätzlich durch das warme Wasser geschwächt», erklärt Jean-Daniel Wicky. Für den Grossteil der betroffenen Fische endet diese Niereninfektion tödlich. Eine Behandlung gibt es nicht.

Zusammenhang untersucht

Eine Studie – eine Gemeinschaftsarbeit zwischen den Kantonen Freiburg und Bern – hat 2016 den 33 Kilometer langen Abschnitt der Sense zwischen Zollhaus und Laupen analysiert, um den Zusammenhang zwischen der sinkenden Zahl der Bachforellen und dem Temperaturanstieg zu untersuchen. Weil die Resultate so besorgniserregend ausfielen, wurde entschieden, sie um ein Jahr zu verlängern.

Dass der Bestand in den letzten Jahren zurückgegangen ist, beweisen zum Beispiel die Fangerträge der Fischer, die das Patent für diesen Abschnitt der Sense gelöst haben. Wurden bis ins Jahr 2000 noch jährlich rund 2300 Bachforellen gefangen, fiel diese Zahl bis ins Jahr 2013 auf 700 Tiere. Auch gezielte Elektroabfischungen an mehreren Standorten haben den Rückgang der Bachforelle bestätigt.

Stress in allen Lebenslagen

In einer Zwischenbilanz kommt die Studie zum Schluss, dass es insbesondere im Unterlauf des Flusses sowohl im Frühling wie auch im Sommer regelmässig starke Temperaturschwankungen gibt, die für die Bachforelle in allen Lebenslagen – also vom Ei bis zum erwachsenen Tier – Stress bedeuten. Zudem wurde an allen untersuchten Standorten ein erhöhtes Risiko für die Ausbreitung der Nierenkrankheit PKD festgestellt.

Im Gegensatz zu anderen Fischen kann sich die Bachforelle nicht so leicht diesen Temperaturschwankungen anpassen. Andere Ursachen für den Rückgang wie Gewässerverschmutzungen, fehlende Nahrung oder eine Zunahme von Fressfeinden konnten ausgeschlossen werden.

Aus den Erkenntnissen der Studie, die 2018 abgeschlossen wird, wollen die Kantone Massnahmen für die künftige Fisch-Bewirtschaftung ableiten. «Sicher wird man ein Augenmerk auf andere natürlich vorkommende Arten werfen, die der neuen Klimasituation angepasst sind», sagt Jean-Daniel Wicky. Dann stelle sich die Grundsatzdiskussion, ob Gewässer künftig mit Bachforellen wiederbevölkert werden und wenn ja, in welchem Ausmass.

«Die steigende Temperatur in den Flüssen im Mittelland zwingt die Bachforelle, ihr angestammtes Habitat zu verlassen.»

Jean-Daniel Wicky

Kantonaler Fischereiverwalter

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