Tafers 29.11.2019

Maria in der Sensler Kränzlitracht

Sonja Bischofberger hat die Weihnachtsgeschichte in ihrer Glaskunst interpretiert.
Zur Adventszeit eröffnet das Sensler Museum die jährliche Krippenausstellung. Neben traditionellen Krippen stehen abstrakte Werke. Sie sind filigran oder sperrig, bunt oder düster, aus Glas, Ton oder Metall.

Am Sonntag wird in vielen Haushalten die erste Kerze am Adventskranz angezündet und die Weihnachtskrippe aufgestellt. Im Sensler Museum in Tafers sind bereits heute Abend zur Vernissage der Ausstellung «Künstler und ihre Krippen» 65 Krippen zu sehen. Sie widmen sich alle der gleichen Weihnachtsgeschichte, und doch könnten sie nicht unterschiedlicher sein.

Traditionelle Krippenfiguren mit der knienden Maria, Jesus in der Krippe und Josef stehend daneben sind zu sehen. Doch zeigt die Ausstellung auch Neuinterpretationen der Geschichte. «Die Freiburger Glasbläserin Sonja Bischofberger fertigte diese Kugeln für die Ausstellung an», sagte Myriam Meucelin Rohr, die Leiterin ad interim des Sensler Museums. Sie deutete auf fünf Glaskugeln, die von der Decke des alten Holzhauses hängen. In einigen Kugeln sind längliche, schwarze Figuren eingearbeitet, in anderen transparente. Sie umarmen sich. «Es ist die Interpretation der modernen Familie», so Myriam Meucelin Rohr auf der Führung für die Medien am Vortag der Vernissage. Auch andere Krippen greifen moderne Themen auf. Wie die Interpretation der Düdingerin Marianne Dietrich. Ihre drei Könige aus Steinzeug-Keramik heissen bei ihr Gabriel, Balthasar und Kaspar. Sie schauen durch farbige Brillengläser frech in den Raum. Neben ihnen steht eine vierte Figur: die Königin Melchiora.

Krippen als neues Projekt

«Die Künstlerinnen und Künstler sind teils renommierte Krippenhersteller, andere sind Neulinge auf diesem Gebiet», sagte Myriam Meucelin Rohr. Sie hat Künstler direkt angefragt und andere über Sammler oder die Schweizerische Vereinigung der Krippenfreunde gefunden. Die Arbeit von Künstlern, die noch nie zuvor eine Krippe hergestellt haben, zeigen sich losgelöster von traditionellen Darstellungen. Sie variieren stark, da die Künstler ihren persönlichen Stil und die Materialien, die sie gewohnt sind, in das Werk einfliessen liessen. Der Titel der Ausstellung «Künstler und ihre Krippen» unterstreicht so die Bedeutung der Schöpfer hinter jedem Werk. Auch die Arbeit von Werner und Brigitte Keist verdeutlicht, dass die Künstler durch die Anfrage auf neue Ideen kamen. Erstmals haben sie eine Partnerarbeit geschaffen. Üblicherweise macht er Metallskulpturen und sie malt. In ihrem gemeinschaftlichen, dunkeln, metallenen Werk verschmelzen die Stile.

Sensler Tradition

Besonders stolz ist die Museumsleiterin, dass sie den Besucherinnen und Besuchern zwei Krippen zeigen kann, die Maria in der Sensler Kränzlitracht und Josef in der Hochzeitstracht zeigen. «Die grössere der beiden Krippen von Lucette Pauchard wurde für den verstorbenen Düdinger Arzt Anton Merkle angefertigt», erzählte die Museumsleiterin. Die Künstlerin aus Bulle habe jedes Jahr eine neue Figur für ihn angefertigt. Eine davon zeigt den Arzt selber. «Bei einer Geburt ist es sicherlich gut, wenn ein Arzt dabei ist», schmunzelt Myriam Meucelin Rohr. Nicht zuletzt damit überrascht die Ausstellung mit kleinen Details, die trotz der jährlich wiederkehrenden Adventszeit neu sind.

Sensler Museum, Tafers. Vernissage am Fr., 29. November, um 18 Uhr. Ausstellung vom 30. November 2019 bis 12.  Januar 2020. Öffnungszeiten: Mi. und Sa. 14 bis 17 Uhr, So. 11 bis 17 Uhr.

«Die Künstler sind teils renommierte Krippenhersteller und teils Neulinge auf diesem Gebiet.»

Myriam Meucelin Rohr

Leiterin ad interim Sensler Museum

Zur Geschichte

Krippen waren schon immer vielfältig

Die Weihnachtskrippen in der Ausstellung «Künstler und ihre Krippen» des Sensler Museums demonstrieren die Vielfalt, in der Krippen gefertigt werden können. Auch früher wurden verschiedenste Materialien verwendet. «Figuren aus Wachs, Krippen aus Holz geschnitzt und bemalt, Stroh- und Maiskrippen», zählt Myriam Meucelin Rohr, Leiterin ad interim des Sensler Museums, in einem Communiqué die Materialien auf. Erst Ende des 19.  Jahrhunderts seien preiswerte Materialien wie Elastolin, Terrakotta und Papiermaché verwendet worden. Zuvor seien Krippen teure Einzelstücke gewesen, die nur von wohlhabenden Privatpersonen oder Kirchen erworben wurden.

sf