Sozialdienst Sense-Unterland 16.04.2018

Mietzins spaltet die Gemeinden

Der Sozialdienst Sense-Unterland soll seine Büros im Bahnhofbuffet Düdingen einrichten.
Die Trägergemeinden sind sich einig, dass Düdingen der richtige Standort für den regionalen Sozialdienst Sense-Unterland ist. Doch der Mietpreis sorgt für Diskussionen. Bis zum Herbst müssen sie einen Konsens finden, der auch dem Düdinger Generalrat passt.

Die Gemeinden Bösingen, Düdingen, Schmitten, Ueberstorf und Wünnewil-Flamatt wollen ihre Sozialdienste zusammenlegen. Im vergangenen Herbst haben sich die Trägergemeinden für die Räumlichkeiten im Hotel Bahnhof als künftigen Standort dieses neuen Sozialdienstes entschieden (die FN berichteten). Doch der Düdinger Generalrat wies das Geschäft im Dezember zurück, weil eine Mehrheit des Gemeindeparlaments unter anderem den Mietpreis von 150 Franken pro Quadratmeter zu tief fand (siehe Kasten). Der Gemeinderat von Düdingen hat deshalb den Trägergemeinden ein neues Angebot unterbreitet, nun mit einem Mietzins von 172 Franken pro Quadratmeter. Doch damit ist der Gemeinderat von Wünnewil-Flamatt nicht einverstanden: Der Mietzins sei zu hoch, sagt Andreas Freiburghaus, Ammann von Wünnewil-Flamatt, gegenüber den FN. Sein Argument: Im Gemeindehaus seiner Gemeinde koste der Quadratmeter 120 Franken und in Bösingen an der Laupenstrasse 118 Franken.

Anderer Standort in Düdingen?

«Der zu hohe Mietzins hat zudem einen Nebeneffekt», sagt Freiburghaus. «Wir müssten nämlich auch den heutigen Mietzins der Berufsbeistandschaft erhöhen, die in Schmitten eingemietet ist und 150 Franken pro Quadratmeter bezahlt.» Da die Berufsbeistandschaft künftig die Trägerschaft des regionalen Sozialdienstes übernimmt, haben sich die fünf Gemeinden auf den gleichen Mietzins für beide Dienste geeinigt. Für seine Gemeinde sei Düdingen als Standort unumstritten, betont Freiburghaus. Doch frage er sich, ob die Büros unbedingt beim Bahnhof sein müssen. «An einem weniger prominenten Ort wäre der Mietpreis wahrscheinlich tiefer. Wenn aber für die Gemeinde Düdingen nur das Bahnhofbuffet infrage kommt, muss sie auch bereit sein, den zugrunde gelegten Mietzins zu akzeptieren.»

Der Gemeindepräsident von Ueberstorf, Hans Jörg Liechti, ist enttäuscht, dass der Generalrat Düdingen den Anträgen des Gemeinderats nicht gefolgt ist. Er ist der Meinung, dass Düdingen als Sitzgemeinde, die entsprechende Standortvorteile habe, dazu bereit sein müsse, mehr zu zahlen, wenn sie auf das Bahnhofbuffet als Standort bestehe. In Bezug auf die Mietzinserhöhung der Berufsbeistandschaft stimme er Freiburghaus zu. Der Ueberstorfer Gemeinderat werde erst nach der Informationssitzung am 14. Juni 2018 einen definitiven Beschluss fällen, an dem die Gemeinde Düdingen über das neue Angebot informiere, sagt Liechti. Ueberstorf und Wünnewil-Flamatt hätten bereits einen gut funktionierenden Sozialdienst. Sollte das Projekt scheitern, liege es nicht an seiner Gemeinde, sagt Liechti.

Im Zentrum ist das Projekt

Die Gemeinde Düdingen halte am Standort Bahnhofbuffet fest, sagt Düdinger Ammann Kuno Philipona, da zurzeit keine Alternativen bestehen würden. Die Lage biete diverse Vorteile, wie die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Deshalb sei die Differenz des Mietpreises gerechtfertigt. «Ich bin überzeugt, dass man den Mietpreis am Standort Bahnhof Düdingen verlangen kann», sagt Philipona.

Der Gemeinderat von Bösingen habe, wenn auch zähneknirschend, dem höheren Mietzins zugestimmt, sagt Louis Casali, Ammann der vierten Trägergemeinde. «Wir wollten das Projekt nicht zum Scheitern bringen.» Düdingen sei der ideale Ort für den regionalen Sozialdienst Sense-Unterland – besonders für seine Gemeinde, die eine direkte Busverbindung nach Düdingen habe. In Bezug auf die Entscheidungsmacht der Gemeinde Düdingen müsse beachtet werden, dass diese ihre Anträge an einen Generalrat stellen müsse und nicht an einer Gemeindeversammlung vorbringen könne, so Casali. «Es ist viel politischer. Wenn der Generalrat etwas entscheidet, ist das beschlossene Sache.» Es sei nun an allen Trägergemeinden, einen Kompromiss zu finden. «Wenn wir dabei aber nur auf den Franken schauen, wird es schwierig.»

Etwas entspannter sieht es der Schmittner Ammann Hubert Schafer: Die Erhöhung des Mietzinses um 22 Franken würde seiner Meinung nach nicht gross ins Gewicht fallen, da die Kosten nach einem Verteilschlüssel berechnet werden, sagt er auf Anfrage. Der Standort Düdingen sei auch deshalb wichtig für das Projekt, da der Entscheid der kantonalen Behörden immer noch ausstehe, ob es pro Bezirk in absehbarer Zukunft nur einen Sozialdienst geben dürfe. «Sollte das eintreffen, wäre Düdingen als Standort für den ganzen Bezirk ideal,» so der Schmittner Ammann.

Chronologie

Sozialdienst im unteren Sensebezirk

Die Gemeinden Bösingen, Düdingen, Schmitten, Ueberstorf und Wünnewil-Flamatt arbeiten gemeinsam an der Gründung eines regionalen Sozialdienstes Sense-Unterland. Als Standort haben sich die Gemeinden im Herbst 2017 für das Bahnhofbuffet in Düdingen ausgesprochen; dies wegen der guten Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Hotelzimmer im zweiten und die Personalzimmer im dritten Obergeschoss sollen zu diesem Zweck in Büros umgebaut werden. Der Generalrat Düdingen hat an seiner Sitzung vom Dezember 2017 das Geschäft und den Kredit von 2,15 Millionen Franken zurückgewiesen. Der Standort Düdingen war zwar unbestritten, nicht aber der mit den anderen Gemeinden vereinbarte Mietzins von 150 Franken pro Quadratmeter, den die Generalräte als zu tief ansahen. Die fünf Gemeinden aus dem Sense-Unterland haben sich aber auf den maximalen Mietpreis von 150 Franken geeinigt, weil die Gemeinde Schmitten für die Lokalitäten der Berufsbeistandschaft, die zukünftig die Trägerschaft des Sozialdienstes sein wird, den gleichen Preis verrechnet. Die Gemeinde Düdingen hat nun ein neues Angebot mit einem Mietzins von 172 Franken pro Quadratmeter – wie vom Generalrat vorgeschlagen – den anderen Gemeinden unterbreitet. Im Juni 2018 treffen sich die fünf Trägergemeinden zu einer Informationsveranstaltung, um über die Zukunft des Standortes für den Sozialdienst zu diskutieren.

jp