Plaffeien 18.07.2018

Neue Stufen für die Kaiseregg

Ein Wanderer steigt ab, während Romuald Portmann (links) und Frederic Bongard (rechts) die Stufen ausbessern.
Um den Schwarzsee spazieren oder durch den Breccaschlund wandern: Das geht nur, wenn die Wanderwege unterhalten werden. Zurzeit ist der Pfad auf die Kaiseregg dran. Die Stufen im Fels werden ausgebessert.

Sie dürften den schönsten Arbeitsplatz des Kantons haben. Frederic Bongard, Romuald Portmann und Franz Bapst arbeiten im Fels der Kaiseregg, hoch oben über dem Schwarzsee. Der Gipfel liegt in einer Wolke, doch die drei stehen knapp darunter, mit Sicht über den Schwarzsee und die Freiburger Voralpen. Viel Musse haben sie aber nicht. Portmann bearbeitet mit Kompressor und Schaufel den Fels, Bongard schleppt einen rund zwei Meter langen Holzbalken den schmalen Weg hinunter. Bapst ist derweil den Weg hinaufgestiegen, um Eisenstifte aus dem Depot weiter oben zu holen.

Unterhalt ist zentral

«Es reicht nicht, schöne neue Wanderwege einzuweihen», sagt Bruno Zbinden, Gemeinderat von Plaffeien und Präsident der dortigen Wanderwegkommission. «Man muss sie auch unterhalten.» Rund 200 Kilometer Wanderwege ziehen sich durch die Gemeinde. Sie kümmert sich um den Unterhalt der schmalen Pfade und gibt dafür jährlich zwischen 50 000 und 90 000 Franken aus, je nach den Projekten, die anstehen.

Die seit 2017 bestehende Wanderwegkommission, in der Vertreter der Gemeinde, der Forstbetriebe, von Tourismus Schwarzsee und dem kantonalen Tourismusverband sitzen, koordiniert Kontroll- und Unterhaltsarbeiten. Die Arbeiten teilen Gemeinde und Forstbetriebe unter sich auf. Der Kanton kümmert sich um die Wegweiser.

Vergangene Woche stand die Ausbesserung des Wanderwegs auf die Kaiseregg auf dem Programm. Vor allem im Bereich der Kehren im Fels unterhalb des Gipfels war er in einem schlechten Zustand. «Die Stufen sind teils sehr hoch», erklärt Portmann. «Wir ebnen den Weg aus und bringen neue Stufen an.»

Er räumt Steine weg, so dass die Fläche vor ihm einigermassen eben ist. Dann misst er die Breite des Weges mit einem Massband und überträgt das Gemessene auf den Holzbalken. Mit einer Motorsäge schneidet er ihn zu und legt ihn dann auf das ausgeebnete Stück Weg. Ein Wanderer kommt von oben. «Kann ich hier durch?», fragt er. «Ja, aber der Balken wackelt noch», sagt Portmann. Vorsichtig tastet sich der Wanderer hinab, zirkelt zwischen den Arbeitern, deren Werkzeugen und dem Rest des Holzbalkens hindurch.

Sicherheit hat Priorität

«Die Sicherheit der Gäste hat für uns Priorität», sagt Gemeinderat Zbinden. Deshalb sei es wichtig, die Wege regelmässig zu kontrollieren. Auch die Wanderer selbst meldeten häufig, wenn mit den Wegen etwas nicht stimme. «Um solche Rückmeldungen sind wir sehr froh.» Viele Reaktionen gab es in den vergangenen Jahren zum Weg vom Schwyberg nach Schwarzsee, denn er war in einem schlechten Zustand. In den vergangenen zwei Jahren wurde er saniert: Maschinen brachten neuen Schotter den Hang hinauf, Viehweiden wurden ausgezäunt und Rohre verlegt, damit das Wasser abfliessen kann.

Physische Arbeit

Auf der Kaiseregg ist derweil Franz Bapst mit den Eisenstiften bei seinen beiden Kollegen angekommen. Mit den Stiften werden die Balken fixiert. Portmann bohrt Löcher in den Fels und schlägt mit dem Hammer einen Eisenstift hinein. Es ist physische Arbeit in unwegsamem Gelände. Und nicht nur das: Auch der Arbeitsweg hat es in sich. Vom nächsten Parkplatz auf der Alp Salzmatt ist es ein Fussmarsch von rund 45 Minuten, fast 400 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Das Material – die Holzbalken, Eisenstifte, ein Generator für Strom und ein Teil des Werkzeugs – hat ein Helikopter hinaufgebracht. Frederic Bongard mag die Arbeit hier oben. «Es ist eine schöne Abwechslung», meint er. Bongard und Portmann arbeiten ansonsten vor allem im Wald, denn sie sind beim Forstbetrieb Schwyberg angestellt.

Die Arbeit dürfte ihnen so bald nicht ausgehen. Wanderwegchef Zbinden schätzt, dass die Holzbalken acht bis zehn Jahre halten werden. Die losen Steine müssten aber jedes Jahr weggeräumt werden. Schnee, Stürme, Gewitter: «Die Natur arbeitet hier oben», sagt Zbinden. Dazu komme, dass Schafe und Vieh über den Weg zur Kaisereggalp auf der anderen Seite des Hanges gelangen und den Pfad stark beanspruchen. Und natürlich die zahlreichen Wanderer: Die Route ist beliebt.

Auch an diesem sonnigen Nachmittag. Als die Arbeiter Steine unter die neuen Holzstufen schieben, um sie zu stabilisieren, kommt eine Familie samt Hund den Hang hinauf. «Können wir durch?», fragen auch sie. «Nein», sagt Portmann im Scherz. «Hier ist Schluss.» – «Ach, dann geht ab hier die Seilbahn auf den Gipfel?», fragt eine Frau. Alle lachen. Schliesslich steigt die Familie weiter auf. Der Balken wackelt nun nicht mehr unter den Wanderschuhen. Nur am Gipfel der Kaiseregg hält sich hartnäckig die Wolke.

Erweiterung

Der Rundgang um den Schwarzsee wird verlängert

«Der Rundgang um den Schwarzsee ist wohl eine der meistbegangenen Strecken im ganzen Kanton», meint der Plaffeier Gemeinderat und Wanderwegkommissions-Präsident Bruno Zbinden. Bald wird der Rundgang um ungefähr einen halben Kilometer verlängert: Die Gemeinde plant eine Erweiterung im Bereich des Campus Schwarzsee.

Statt dass die Spaziergänger auf der Strasse von Schwarzsee Bad zum Camping gelangen, sollen sie künftig näher am See flanieren können. «Die neue Strecke führt durch den Wald am Seeufer entlang, zwischen See und Campus, und danach entlang eines bestehenden Weges zwischen Campus und Campingplatz zurück zum ursprünglichen Weg», erklärt Zbinden. Er hofft, dass der neue Weg noch im Herbst fertig wird.

nas