27.02.2019

Nur eine tote Birke

Birkenholz. Ich liebe Birkenholz. Sie nicht auch? Ich bin keine Konifere auf dem Gebiet, aber die Birke ist ja die Buche unter den Fichten, wenn Sie verstehen, was ich meine. Dieser seidige Glanz. Die feine Maserung. Ich schlafe in einem Bett aus Birkenholz, selbst gezimmert – und jeder Splitter, den ich mir eingefangen habe, war es wert.

Mein Nachttischchen ist aus Birkenholz, der Kleiderschrank sowieso. Dieser seidige Glanz. Dieses Spiel von Hell und Dunkel. Zur Entspannung zersäge ich Birkensperrholz mit meiner Laubsäge in immer kleinere Teile. Jetzt lass ich mir ein Parkett verlegen aus Birkenholz. Total unpraktisch, viel zu weich. Spätestens nach zwei Jahren sei das durch, sagte mein Parkettmann ungläubig, als ich ihn danach fragte. Aber genau deshalb will ich ja Birkenholzparkett. Und zwar nicht nur in der Stube, nein, auch im Gang, in der Küche, im Keller, im Bad, auf der Terrasse. Sogar auf der Zufahrtsstrasse lasse ich Birkenparkett verlegen. Und das Birkentäfer an den Wänden muss zuschauen, wenn ich das Birkenholzparkett mit Nagelschuhen trete. Denn in meinem Haus herrscht Birkenstockverbot.

Wenn ich könnte, ich ässe Birkenholz zum Frühstück. Zum Znüni. Zum Zmittag. Und Birkenrinde zum Znacht. Und selbstverständlich lodert in meinem Cheminée von Oktober bis September ein Feuer, das niemals ausgeht. Und was verbrenne ich dort? Genau. Birkenholz. Ster um Ster.

Denn nur eine tote Birke ist eine gute Birke.

Wenn ich nämlich etwas ha-ha-ha-ha-hatschi!, Tschuldigung. Wenn ich etwas hasse, dann sind es Bi-Bi-Bi-Bi-hatschi, Birkenpollen! Nur schon beim Gedanken, dass es bald wieder losgeht, läuft meine Nase. Grundsätzlich habe ich ja nichts gegen Birken, schöne Bäume. Wenn nur der Pollenflug nicht wäre. Muss es denn unbedingt Windbestäubung sein? Es ist doch nicht ehrenrührig, sich von Bienen bedienen und von Hummeln befummeln zu lassen. Oder ist sich die Birke zu fein für Blümchensex?

Ich habe die Nase voll. Aber so was von.

Hatschi! Schon wieder eine Packung Taschentücher durch. Aber vielleicht ist das ja die Lösung. Eine Papiertaschentuch-Fabrik gründen, die im grossen Stil Papiertaschentücher herstellt aus 100 Prozent frisch gefälltem Birkenholz aus garantiert nachhaltigem Raubbau. Und dann einfach wegschnäuzen, die Drecksbotanik. Baum um Baum. Befreit aufschnaufen, wenn die letzte Birke gefällt ist. Und das Abschiedstränchen wegputzen mit einem Taschentuch aus Birkenfasern.

Dann kümmere ich mich um die Gräser; noch so Kollegen, die keine Insekten ranlassen, diese Mimosen. Vielleicht kann man die ja wegrauchen?

Hatschi!