Brünisried 13.01.2021

Ortsplanung kostete Zeit und Nerven

Bild Aldo Ellena
Die kleinste Sensler Gemeinde hat eine bewegte Legislatur hinter sich. Am meisten Arbeit hat der Gemeinderat Brünisried in die Revision der Ortsplanung gesteckt. Sorgen macht dem Ammann die bisher erfolglose Suche nach Gemeinderatskandidaten.
«Es war eine sehr arbeitsintensive Legislatur, wir hatten viel zu erledigen», sagt der Brünisrieder Ammann Walter Marti im Rückblick. Das umfangreichste, aber auch das komplizierteste Dossier war die Ortsplanungsrevision. Ende November 2020 bekam der Gemeinderat den Bescheid, dass diese nach acht Jahren endlich genehmigt sei. 
 
Die Gemeinde hat mit 35 000 Quadratmetern insgesamt fast die Hälfte ihrer bisherigen Bauzone ausgezont. «Wir haben mit jedem Betroffenen Vereinbarungen getroffen», so der Syndic. Er und Gemeinderat Peter Rotzetter hätten sehr viele Gespräche geführt. Die meisten hätten Verständnis gehabt. Viele der bisherigen Bauparzellen seien seit den 1970er-Jahren unbebaut geblieben und hätten schon bei der letzten Revision ausgezont werden können. 
 
Ärger über Kantonsentscheid
Am meisten geärgert hat ihn, dass die kantonalen Behörden dem Gemeinderat einen Strich durch die Rechnung machten bei den Plänen für eine verdichtete Bauweise. «Sie wurden abgelehnt, weil wir die Kriterien für die Busanbindung nicht erfüllen konnten», erklärt er. Morgens, mittags und abends seien genug Verbindungen vorhanden, aber nicht durchgehend von 8 bis 22 Uhr. 
 
Dieser Entscheid wirkt sich auf die Ausbaupläne des einzigen grösseren Gewerbebetriebs von Brünisried aus. Das Malergeschäft Gruber muss den geplanten grösseren Ausbau nun redimensionieren. «Damit gehen Brünisried 15 Arbeitsplätze verloren, die bei einem Vollausbau neu geschaffen worden wären.» Auch das Fernheizungsprojekt im Zentrum kann aus dem gleichen Grund nicht umgesetzt werden. «Das ist frustrierend», so Walter Marti. Der Entscheid verstosse gegen alle Ziele einer guten Raumplanung. So könne die Gemeinde weder zusätzlich Land sparen noch die Bauzonen besser ausnutzen noch das Gewerbe fördern.
 
Infrastruktur erneuert
Zu einem guten Abschluss ist das Projekt Oberi Matta gekommen. Die Gemeinde hat in diesem Quartier die Infrastruktur komplett erneuert und dafür 1,3 Millionen Franken in die Hand genommen. Das Projekt wurde mit Beteiligung der privaten Anstösser umgesetzt. Bei den Abwasserkanälen ist das Trennsystem eingeführt worden, und Strassen sind neu gebaut worden. Zum Projekt gehörte auch ein vom Kanton gefordertes Retentionsbecken. 
 
Neuer Spielplatz 
Brünisried, das mit 658 Einwohnern zum Schulkreis Plaffeien gehört, hat als einzige Schule im Bezirk noch eine sogenannte Basisklasse, in der die beiden Kindergarten- sowie die erste und die zweite Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Für diese Struktur hat die Gemeinde einige Räumlichkeiten im Schulhaus umgebaut und für die Kinder einen neuen Spielplatz eingerichtet. 
 
Zudem hat die Gemeinde eine neue Stelle für einen Werkhofangestellten geschaffen sowie die Sanierung der Hofzufahrten und die Walderschliessung Oberholz und die Erneuerung des Informatiksystems in der Verwaltung abgeschlossen. Regional war Brünisried an den Vorbereitungen für die Fusion der Pflegeheime Bachmatte und Ärgera beteiligt. 
 
Walter Marti bedauert, dass die Idee für einen Wasserverbund Oberland nicht weitergekommen ist. Einzelne Gemeinden hätten dessen Notwendigkeit noch nicht eingesehen. Der Verbund gäbe den Gemeinden die Garantie, immer genügend Wasser zu haben. «Das ist im Interesse von allen.» 
Ein Thema, das der nächste Gemeinderat zu Ende bringen muss, ist die Einführung der Tempo-30-Zone im Dorf. Zwar hat die Gemeindeversammlung das Geschäft genehmigt. Doch Walter Marti macht sich keine Illusionen, wonach die Bewilligung in den nächsten Monaten eintreffen könnte. 
Im Quartier Oberi Matta hat die Gemeinde die Infrastruktur komplett erneuert.
 
Gemeindewahlen

Brünisried sucht noch drei Kandidaten

Während der ganzen Legislatur gab es im Gemeinderat von Brünisried keinen Wechsel. Dass der Gemeinderat seine Arbeit so gut erledigen konnte, führt der Syndic auch auf die gut eingespielte Verwaltung zurück. Wie der neue Gemeinderat aussieht, weiss Walter Marti nicht. 
 
Zwei bleiben, drei gehen
Zwei Mitglieder – Marti selbst und Alexander Weber – stellen sich noch einmal zur Verfügung, drei hören auf. «Bis jetzt haben wir noch keine feste Zusage von Kandidaten», sagt er. An die Wahlveranstaltung, für die 500 persönliche Einladungen verschickt wurden, kamen gerade mal neun Personen. Die potenziellen Kandidierenden darunter hätten mittlerweile alle wieder abgesagt. «Das ist im Moment mein Problem Nummer eins», so der Syndic. 
Die Angefragten können wegen familiärer Verpflichtungen nicht, das Amt kollidiert mit anderen Freizeitaktivitäten oder kommt aus beruflichen Gründen nicht infrage. Im Gegensatz zu früher sei nicht mehr jeder Arbeitgeber daran interessiert, jemanden im Betrieb zu haben, der sich in der Gemeinde engagiere. 
 
Es nehme halt schon viel Zeit in Anspruch, sagt Walter Marti. Er selbst könne all die Termine und Sitzungen als Pensionierter gut wahrnehmen. Besondere Fachkenntnisse seien für ein Amt aber nicht unbedingt Voraussetzung. «Man kommt mit der Zeit in ein Ressort hinein.» Als er und seine Frau 1987 nach Brünisried gekommen seien, hätten sie bewusst Anschluss gesucht. «Wir wollten uns integrieren», sagt er. So kam er zur Feuerwehr, zum Fussballklub, dann in Kommissionen und schliesslich in den Gemeinderat. Für ihn sei ein solches Engagement kein Müssen, deshalb stelle er sich gerne noch einmal zur Verfügung. «Ich bin nach wie vor motiviert.» Er verhehlt jedoch nicht, dass es ihn sehr freuen würde, wenn sich zehn Kandidierende um seinen Posten streiten würden. «Das ist leider nicht so. Wir stehen wieder an der gleichen Stelle wie vor fünf Jahren.»
 
Fusion wieder ein Thema?
Schon vor fünf Jahren hatte Brünisried Mühe, Kandidaten zu finden. Eine Fusion mit Plaffeien, Oberschrot und Zumholz hat eine Mehrheit der Bevölkerung im März 2015 abgelehnt. Angesichts der jetzigen Probleme, die Kandidatenliste zu füllen, kommt dieses Thema zwangsweise wieder aufs Tapet. «Fusion ist immer ein Thema. Ich persönlich bin der Meinung, dass der Alleingang für Brünisried langfristig gesehen unmöglich ist, wenn sich in den Köpfen der Leute nicht etwas ändert.»
 
«Wir sind wieder in der gleichen Situation wie vor fünf Jahren», sagt der Syndic. Sie sei sogar noch schwieriger, denn wegen der Covid-Pandemie sei es schwieriger, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und sie, etwa bei einem Bier, zu überzeugen. 
 
Auch sein Appell im letzten Gemeinde-Infoblatt hat bisher nicht gefruchtet. Ein wenig Hoffnung hat er noch, zwei oder drei Personen will er noch ansprechen. Wenn die Fünferliste voll werde, dann stehe das Thema Fusion wohl für die nächste Legislatur eher nicht zur Debatte. «Wenn wir kämpfen müssen, dann vielleicht schon.»im