Plaffeien 12.03.2019

Pferdezüchter schliessen Mitglied aus

Die Sensler Züchter von Freibergerpferden durchleben unruhige Zeiten.
Die Pferdezuchtgenossenschaft des Sensebezirks hat erstmals ein Mitglied ausgeschlossen. Der Vorstand bezeichnete den Mann als «Drahtzieher» bei einer Hengstmiete, die entgegen dem Pflichtenheft der ehemaligen Hengststation in Brünisried erfolgt ist.

Es herrschte dicke Luft am Samstagvormittag bei den Sensler Freibergerpferdezüchtern: Der traktandierte Ausschluss eines Mitglieds führte an der Generalversammlung der Pferdezuchtgenossenschaft des Sensebezirks (siehe Kasten) zu zahlreichen Wortmeldungen und hitzigen Diskussionen. 42 von 62 anwesenden Züchterinnen und Züchtern stimmten in einer geheimen Abstimmung in Plaffeien für den Ausschluss eines Mitgliedes; 16 waren dagegen und fünf enthielten sich der Stimme. Eine anwesende Züchterin bezeichnete die vorangehende Diskussion als eine «Schlammschlacht».

Hand im Spiel bei Hengstmiete

«Seit Jahren hat er den Vorstand immer wieder kritisiert, beschimpft und erniedrigt», sagte der Präsident Reto Rietmann an der Versammlung über das ausgeschlossene Mitglied. Zudem beschuldigt der Vorstand den Mann, bei der ehemaligen Hengststation in Brünisried seine Finger im Spiel gehabt zu haben. Die Station befindet sich seit Mitte Februar nicht mehr in Brünisried, sondern in St. Ursen. Der Wechsel erfolgte, weil der damalige Betreiber Hans-Peter Piller entgegen dem Pflichtenheft der Pferdezuchtgenossenschaft gehandelt hatte: Er hatte neben den zwei Freibergerhengsten Calypso du Padoc und Hoby-Wan vom Nationalgestüt in Avenches einen weiteren Zuchthengst in der Station gehalten und damit die Genossenschaft konkurrenziert (FN vom 18. Februar). Nachdem sich herausstellte, dass das nun ausgeschlossene Mitglied auch der «Drahtzieher» für die Miete des zusätzlichen Hengstes Edoras war, habe es den Vorstandsmitgliedern gereicht, sagte der Präsident Reto Rietmann an der Generalversammlung.

Der Vorstand berief sich auf Artikel 5 der Statuten, der den Ausschluss von Mitgliedern vorsieht, wenn diese nicht die Interessen der Pferdezuchtgenossenschaft vertreten und dieser mit ihrem Vorgehen Schaden zufügen. Mit einem Schreiben am 15. Fe­bruar 2019 hatte der Vorstand dem betreffenden Mitglied eröffnet, dass er an der nächsten Generalversammlung den Ausschluss beantragen werde.

«Frechheit und Verleumdung»

Die Antwort des Züchters hatte nicht lange auf sich warten lassen: Am 25. Februar forderte er schriftlich die Rücktritte des Präsidenten und des Geschäftsführers der Pferdezuchtgenossenschaft Sense. Als Grund gab er den aus seiner Sicht falschen Entscheid der Delegation des Vorstands an, den diese am Marché-Concours in Saigne­légier getroffen haben soll: Sie hatte für den Zuchtwettbewerb eine vierjährige Stute der Kategorie  C statt der Kategorie  B ausgewählt, und dies widerspreche dem Reglement des Wettbewerbes, gab der ausgeschlossene Züchter an.

Präsident Reto Rietmann wies die Forderung, dass er und der Geschäftsführer zurücktreten sollen, zurück: Sie sei nicht statutengemäss. Die Generalversammlung war nach der schriftlichen Forderung bereits einberufen worden, weshalb die Abstimmung für die zwei Rücktritte nicht mehr hatte traktandiert werden können. Der ausgeschlossene Züchter hätte mit der Teilnahme von neun weiteren Mitgliedern eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen lassen können, doch hat er dies unterlassen.

An der Generalversammlung bezeichnete das ausgeschlossene Mitglied das Vorgehen des Vorstands «als Frechheit und Verleumdung» und bestritt alle Anschuldigungen. Er ist nun nicht mehr Genossenschafter. Er hat somit kein Anrecht mehr auf die Halteprämie des Bundes von 500  Franken je Zuchtstute mit einem identifizierten Fohlen. Es stehe ihm frei, sich einer anderen Genossenschaft anzuschliessen, erklärte der Sekretär und Kassier Hans Bielmann auf Anfrage.

«Seit Jahren hat er den Vorstand immer wieder kritisiert, beschimpft und erniedrigt.»

Reto Rietmann

Präsident der Pferdezuchtgenossenschaft des Sensebezirks

Generalversammlung

Calypso und Hoby-Wan deckten 74 Stuten

Die Pferdezuchtgenossenschaft des Sensebezirks blickte an ihrer Generalversammlung in Plaffeien auf den Marché-Concours in Saignelégier zurück: Er war im vergangenen Jahr das Hauptereignis, an dem die Pferdezüchter bei Vorführungen und am grossen Umzug mitgewirkt haben. An der Pferdeschau vom 8. September wurden 66  Stuten und 67 Fohlen präsentiert. «Es war eine hervorragende Schau», freute sich Präsident Reto Rietmann. 40,9  Prozent der startenden Fohlen erreichten den Rappel mit 22 Punkten und mehr. Die Genossenschaft schaute auch auf eine gute Decksaison zurück: Der Zuchthengst Hoby-Wan deckte 38  Stuten, Calypso 36. Rietmann dankte Hans- Peter Piller für seine langjährige Arbeit auf der Deckstation in Brünisried, die nun neu in St. Ursen ist. Er kündigte an, dass der Fuchs-Hengst Nesty (Never BW-Helix-Cajoleur) ab 2020 Calypso du Padoc ersetzen werde. Für seine seit 20  Jahren ausgeführten Arbeiten als Sekretär und Kassier der Schauen, Feldtests und Freibergertage nahm Hans Bielmann den Dank der Versammlung entgegen. Bei einem Umsatz von 151 284 Franken schliesst die Rechnung mit einem kleinen Gewinn von 691  Franken. Peter Thalmann aus Schwarzsee folgt auf das abtretende Vorstandsmitglied Andreas Hostettler, Sangernboden.

Im Anschluss an die GV der Pferdezuchtgenossenschaft fand die GV der Pferdeversicherung Sense statt. Wie die neue Geschäftsführerin Sarah Overney in ihrem Bericht ausführte, mussten elf Schadenfälle entschädigt werden. Die Entschädigungen für diese Pferde beliefen sich auf 43 700  Franken. Fünf von den 62 versicherten Fohlen mussten mit 4800 Franken vergütet werden.

ju