03.12.2019

«Schläppini, Schlaarpe ù Schloorgge»

Christian Schmutz, Spezialist für Senslerdeutsch, geht in seinem neuesten Buch «Gang ga ggùgge» auf Sensler Spezialitäten in der Sprache und der Mentalität ein. Dieser Beitrag bildet den Auftakt der Artikelserie «Überraschendes Senslerdeutsch».

Alles, was die Senslerin oder der Sensler an den Füssen trägt, hat spezielle Bezeichnungen. Zu Hausschuhen, früher auch Turnschuhen, sagen die Sensler Schläppini, Schlaarpini oder auch einfach Finke. As Schläppi oder a Schlaarpi wurde denn auch gleich auf lahme Personen übertragen – vergleichbar mit Schlappe oder Halbschue in anderen Deutschschweizer Dialekten.

Bei sommerlichen Flip-Flops sind die Sensler auch kreativ. Die werden zu Zeejechlemper oder Zeeje­schläppini. Bei Zeejechlemper frage ich mich, ob das wohl eine Art Judo- oder Schwingergriff ist.

Oder: Dù büsch doch a Schloorgge! Auch das geht auf offenes Schuhwerk zurück. Schloorgge ist ein altes Wort für Holzschuhe. Es entspricht etwa den heutigen Zoggle. Manch armer Schlucker konnte sich «von» schreiben, wenn er für den kalten Winter wenigstens ein paar Schloorgge vom Armenvater bekam. Besser als z blùtte Füess. Aber genau das Lärmige und Lahme beim Gehen mit Schloorgge wird dann auch negativ auf die Träger übertragen: Wer Schloorgge hatte, war der Depp im Dorf, wer keine hatte sowieso.

Das Freiburger Schloorgge wird meist auf Patois chārka zurückgeführt. Das grosse Patois-Glossaire sagt hingegen, chārka komme vom deutschen Schlargge, Hausschuh. Schwierig, wenn alle den anderen die «Schuld» für eine Wortherkunft in die Schuhe schieben...

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