Schmitten 27.11.2020

Schmitten plant ein Mehrzweckgebäude

Die Gemeinde Schmitten hat analysiert, für welche Zwecke ihre Räume genutzt werden und wie der künftige Bedarf aussieht. Das Resultat ist ein Sechs-Phasen-Massnahmenprogramm mit zwei Neubauten und Investitionen bis zu 16 Millionen Franken.
«Gebäude- und Raumbedarfsanalyse» – hinter diesem leicht zungenbrecherischen Begriff steckt ein Abklärungsprozess, den die Gemeinde Schmitten in den letzten Monaten durchlaufen hat. Dies wurde notwendig, weil die Gemeinde in den letzten Jahren stetig gewachsen ist. Sie zählt derzeit über 4000 Einwohner und hat mehr als 50 aktive Vereine. Immer mehr Aktivitäten und Dienstleistungen, die Platz brauchen und Bedürfnisse generieren, sind im Laufe der Zeit dazugekommen. Vor einem Jahr hatten die Bürger einen Kredit von 80 000 Franken für die Analyse gesprochen.
 
Gesamtheitliche Planung
 
«Wir haben das Glück, dass wir bis jetzt so viele Räume hatten, dass wir die Belegung immer wieder optimieren konnten», sagte Ammann Hubert Schafer am Informationsabend vom Mittwoch. «Doch jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir nichts mehr zur Verfügung stellen können.» Deshalb sei der Zeitpunkt gekommen, ein Konzept zu erstellen und eine gesamtheitliche Planung für den künftigen Raumbedarf in Angriff zu nehmen. Der Gemeinderat beantragt an der Gemeindeversammlung von heute Freitag einen Planungskredit, um die erste von sechs Phasen des Massnahmenplans, der aus dieser Analyse hervorging, umzusetzen. Dies ist zugleich die aufwendigste Phase: Es geht um ein Mehrzweckgebäude mit geschätzten Kosten von bis zu sechs Millionen Franken. «Wir wollen transparent aufzeigen, welche möglichen Investitionen auf die Gemeinde zukommen», so der Ammann zum Grund für den Informationsabend.
 
Eine Arbeitsgruppe hat die Daten aller Gebäude und Räume, die von Vereinen, Schulen, Tagesstrukturen und anderen Diensten benutzt werden, aufgenommen und sie nach Alter, Nutzung, Belegung, Zustand, Risiken und Potenzial analysiert und einheitlich bewertet. «Wir haben 21 Nutzungseinheiten und 16 Gebäude miteinbezogen. Es geht um rund 13 600 Quadratmeter Nettogeschossfläche», erklärte Thomas Baeriswyl, Leiter Betrieb und Logistik. 
 
Es fehlt an Platz
 
Das Problem liege nicht beim baulichen Zustand dieser Gebäude. «Der grösste Teil unserer Gebäude ist in einem recht guten Zustand», sagte er. Ausnahmen seien die FC-Buvette, der Kindergarten Pink und der Brockelade. Es fehlt jedoch an Platz: Nur ein einziger der rund 400 Räume steht derzeit leer, das Obergeschoss des Werkhofs. Das Vereinslokal im Schulhaus Blau ist ein gutes Beispiel für einen überaus intensiv genutzten Raum: Zum Znüni, Mittagessen und Zvieri von den Tagesstrukturen, abends von der Ringerstaffel und anderen Vereinen genutzt, wird er am Wochenende oft von Privaten gemietet. Es gibt weitere ähnliche Mehrfachnutzungen, oft werden auch Schulzimmer für neue Zwecke verwendet. 
 
Schule braucht Platz
 
Wenn der Raumbedarf weiter zunimmt, wird es knapp. Und er wird zunehmen. Mit dem prognostizierten Wachstum der Bevölkerung auf bis zu 5000 Einwohner bis 2030 benötigt die Schule vier Klassenzimmer mehr, und der Kindergarten wird um eine Klasse wachsen. Auch die Tagesstrukturen werden massiv zulegen: von heute zwei Kitagruppen auf vier, die Tagesschule von aktuell 48 Plätzen auf 105. «Wir brauchen zusätzlichen Raum, insgesamt 1000 bis 1200 Quadratmeter mehr Hauptnutzungsfläche als heute», sagte Thomas Baeriswyl. 
 
Optimieren und neu bauen
 
Um diesen zu gewinnen, wird die heutige Raumaufteilung optimiert. So ist etwa vorgesehen, die Angebote der Tagesstrukturen im Schulhaus Blau zu konzentrieren und den heute auf drei Standorte verteilten Kindergarten unter einem Dach zu vereinen. Dies soll in Form eines Neubaus geschehen. Er ist am Standort des heutigen Kindergartens Pink und der Brockenstube geplant. In diesem Gebäude soll künftig auch die Schulverwaltung untergebracht werden. Die Kosten für den Neubau werden auf 4,5 bis 5,5 Millionen Franken geschätzt.
«Die Neubauten sollen möglichst flexibel und vielseitig nutzbar sein», sagte Thomas Baeriswyl. Das grösste Projekt ist ein neues Mehrzweckgebäude direkt neben der Turnhalle Gwatt und dem Fussballplatz (entlang der Tartanbahn). Hier geht die Gemeinde von Kosten von fünf bis sechs Millionen Franken aus. 
 
Bis zu 16 Millionen Franken
 
Diese zwei Neubauten sind Teil eines Sechs-Phasen-Programmes. Weiter enthält dieses den Ausbau des Obergeschosses beim Werkhof (50 000 bis 100 000 Franken), bauliche Anpassungen am sogenannten Haus 4 (50 000 bis 100 000 Franken) und am Schulhaus Blau (3 bis 4 Millionen Franken) sowie den Umbau der Räumlichkeiten in den Schulhäusern Orange und Rot (150 000 bis 200 000 Franken). 
Alles in allem würde ein Investitionsbedarf von 12 bis 16 Millionen Franken entstehen, um den errechneten Raumbedarf zu decken. Nicht enthalten ist in diesem Betrag der übrige Instandstellungs- und Erneuerungsbedarf, der etwa bei der Sporthalle Gwatt besteht. «Es ist auch eine Frage der Finanzierung», sagte Hubert Schafer auf die Frage, wie der Zeithorizont für die Realisierung aussieht. Es könnte 10 bis 15 Jahre dauern, bis alle Phasen umgesetzt seien. Schon allein die Planung und der Bau für das Mehrzweckgebäude dauere bis zu vier Jahre.
Das neue Mehrzweckgebäude soll entlang der Tartanbahn neben der Sporthalle Gwatt erstellt werden.
 

Diskussion: Niemand soll benachteiligt werden

 
 Rund 50 Bürgerinnen und Bürger haben am Informationsabend vom Mittwoch teilgenommen und mehrere Detailfragen gestellt. «Wir planen eine Einfach-Halle», sagte Thomas Baeriswyl auf die Frage nach der Grösse des Mehrzweckgebäudes. Dieses soll einen Trainingsraum und Garderoben für die Ringer enthalten sowie separate Garderoben für die Benutzer von Turnhalle und Aussensportanlagen. 
Die weiteren Details der Raumeinteilung im geplanten Mehrzweckgebäude soll eine Jury festlegen, die den genauen Bedarf definiert und dann einen Wettbewerb ausschreibt. «Wir sind noch ganz am Anfang», sagte Hubert Schafer. «Wichtig ist, dass wir ein Gebäude erstellen, das später erweiterbar ist.» 
 
Auf Fragen, welche Lokalitäten im Dorf künftig noch in welcher Form zur Verfügung stehen, hielt der Ammann fest: «Unser Ziel ist es, dass niemand benachteiligt wird.» Der Gemeinderat nahm die Anregung entgegen, bei all diesen Projekten an das verdichtete Bauen zu denken und beispielsweise den grossen Parkplatz beim Schulhaus Blau unterirdisch zu bauen, um so mehr Grünfläche für die zusätzlichen Kinder der Tagesstrukturen zu gewinnen.
 
Nicht einbezogen in die ganze Planung hat der Gemeinderat das Feuerwehrlokal. Dies, weil noch nicht klar sei, welche Anforderungen die Gebäudeversicherung inskünftig stelle und wie es mit der Ortsfeuerwehr weitergehe.  im
«Der grösste Teil unserer Gebäude ist in einem recht guten Zustand».