Durban/Düdingen 08.07.2019

In Südafrika fürs Schützenfest punkten

Keine Buvette: Auf dieser «Shooting Range» im östlichen Bergland Südafrikas trainieren die Sportschützen des Swiss Club Natal.
Am Freiburger Kantonal-Schützenfest nehmen auch ausländische Clubs teil, so etwa der Swiss Club Natal aus dem südafrikanischen Durban. Dessen Mitglied Hanspeter Graber erzählt vom Hochhalten der Schützentradition auf der Südhalbkugel.

Von einem Schiessstand an seinem Wohnort mit topmoderner Ausrüstung und einer gemütlichen Buvette kann Hanspeter Graber nur träumen. Um zum Schiessstand seines Schützenclubs zu kommen, muss er rund 160 Kilometer durch das Bergland der süd­afrikanischen Provinz Natal fahren. Auf 1600 Meter über Meer liegt die private «Shooting Range», auf der die Mitglieder des Swiss Club Natal einmal monatlich trainieren. Es gibt einige Scheiben, und dreihundert Meter entfernt legen sich die Schützen neben einem kleinen See auf ein Tuch in die Wiese. Fertig ist der Schiessstand – keine Spur von Hightech. Wenn es regnet, dann fällt das Training aus.

Dieser einfache Schiessstand gehört auch ein bisschen zum Kantonalen Schützenfest – auch wenn er mehr als 10 000 Kilometer südlich vom Festzentrum in Düdingen liegt. Denn die Schützen vom Swiss Club Natal haben am Kranzstich teilgenommen, ebenso wie einige andere ausländische Clubs.

«Ehrliche Sache»

«Die Clubs übermitteln uns die Resultate und erhalten von uns dann die Auszeichnungen», erklärt Andreas von Känel, der sich am Kantonalen Schützenfest um die ausländischen Clubs kümmert. Die Medaillen schickt er den Clubs direkt zu – oder im Falle des Swiss Club Natal an die Schweizer Adresse eines Mitglieds, das regelmässig von Südafrika in die Schweiz reist. «Die Teilnahme der ausländischen Clubs funktioniert gut, das ist eine ehrliche Sache», sagt von Känel. Neben dem Club aus Durban machten auch Clubs aus dem kanadischen Calgary und aus Minnea­polis in den USA mit, sowie Clubs aus Buxtehude und München in Deutschland. Schützen aus Paris und Lyon sind sogar eigens in den Sensebezirk gereist.

Für ein Kantonales Schützenfest in die Schweiz zu reisen, liegt für die Südafrikaner nicht drin, wie Hanspeter Graber im Telefongespräch mit den FN sagt. «Das wäre zu teuer und zu aufwendig.» Darum schiesse man aus Südafrika mit. Gleich bei drei Kantonalen Schützenfesten hat sich der Club angemeldet: Neben dem Freiburger auch am Basler und am Schwyzer. «Wir hoffen zudem, dass wir nächstes Jahr für das Eidgenössische Schützenfest nach Luzern reisen können.»

Grosse Motivation

Für die Schützen sei die Teilnahme an den Schützenfesten eine grosse Motivation, sagt Hanspeter Graber. Rund zwölf Aktive zählt die Schützensektion des Swiss Club Natal. Darunter sind Auslandschweizer, aber auch Südafrikaner. «Wir sind offen für alle.» Der Swiss Club bietet auch andere Aktivitäten an: Etwa Jassabende, eine 1.-August-Feier oder einfach nur gemütliches Beisammensein.

Gegründet wurde er 1954 als Swiss Rifle Club Durban, also als reiner Schützenverein von Auslandschweizern, später wurde er jedoch geöffnet für andere Aktivitäten. Insgesamt zählt der Club heute rund 160 Mitglieder. Hanspeter Graber stiess 1985 zu den aktiven Schützen des Clubs. Der nun pensionierte Ingenieur kam in den 1970er-Jahren aus Bern ins südliche Afrika und arbeitete bei verschiedenen Bauprojekten in den Ländern der Region. Später gründete er seine eigene Firma. Heute bietet er Rundfahrten für Touristen an. Obwohl er schon so lange in Afrika lebt, findet er es wichtig, die Schweizer Schützentradition aufrechtzuerhalten. «Ich schätze es sehr, dass wir von Süd­afrika aus an den Kantonalschützenfesten teilnehmen können», sagt er.

Früher organisierten der Swiss Club Natal zusammen mit den Schweizer Schützenvereinen aus Johannisburg und Kapstadt Schützenfeste in Südafrika, wie Graber erzählt. «Die Clubs haben aber immer weniger Mitglieder, und die Organisation der Feste ist kompliziert geworden», sagt er.

Viele Vorschriften

Eine vergleichbare Schützentradition existiere in Süd­afrika nicht. Zwar gebe es auch dort Sportschützen, die jedoch auf andere Distanzen und mit anderen Geräten schiessen würden. Die Schützen des Swiss Club Natal schiessen mit dem Karabiner 31 und dem Sturmgewehr 57; die Gewehre und die Munition stammen aus der Schweiz.

Den Schiesssport auszuüben sei in den letzten Jahren komplizierter geworden, sagt Graber, denn die südafrikanischen Waffengesetze seien schärfer geworden. Es brauche verschiedene Bewilligungen; von der Schweiz und von Südafrika.

Er ist auch deshalb froh, dass die Organisatoren des Kantonalschützenfests den ausländischen Clubs bei der Organisation etwas entgegenkommen. So müssen die ausländischen Clubs das Startgeld nicht im Voraus zahlen. Nachdem sie ihre Punkte übermittelt haben, zahlen sie nur die Differenz zwischen dem Startgeld und der Auszeichnung.

Nun warten die Südafrikaner auf ihre Medaillen. Geschossen haben sie den Kranz nämlich schon vor Beginn des Kantonalen Schützenfests; auf ihrem Schiessstand im östlichen Hochland Südafrikas.

Kantonales Schützenfest

«Die Grösse des Fests zeugt von der Begeisterung der Leute»

«Petrus scheint kein Schütze zu sein», sagte OK-Präsident Ruedi Vonlan­then in der Kirche Tafers zu Beginn des Festakts zum Kantonalen Schützenfest am Samstag. Zuvor war nämlich der Umzug durch das Dorf zünftig verregnet worden. Das tat der Begeisterung Vonlanthens aber keinen Abbruch, als er in seiner Rede von den mehr als 7000 Schützinnen und Schützen sprach, die sich am Fest «im sportlichen Wettkampf messen und aufeinander Acht geben».

Wenig später nahm Vonlan­then in einer feierlichen Zeremonie die Fahne des Kantonalschützenfests vom Organisationskomitee des letzten Fests im Greyerzbezirk entgegen. Sie wird nun bis zum nächsten Kantonalen Schützenfest im Sensebezirk bleiben, das voraussichtlich in fünf Jahren im Broyebezirk stattfindet.

Staatsrat Jean-Pierre Siggen lobte den grossen Effort der Organisatoren und der Schützenvereine des Sensebezirks. «Die Grösse dieses Schützenfests zeugt von einer echten Begeisterung der Bevölkerung.» Divisionär Yvon Langel betonte die Wichtigkeit der Schützentradition für die Milizarmee.

Luca Filippini, Präsident des Schweizerischen Schützenverbands, Ruedi Vonlanthen und auch Fritz Herren, Präsident des Freiburger Kantonalschützenvereins, bedauerten das Ja zur Umsetzung der EU-Waffenrichtlinie. «Wir müssen nun schauen, wie wir mit dieser neuen Situation zurechtkommen», sagte Filippini. Alt-Bundesrat Samuel Schmid sagte zum Schluss dazu versöhnlich: «Ein Kampf ist auch gut, wenn er verloren geht.»

nas

Das Kantonale Schützenfest findet noch bis zum 14. Juli statt. Infos: www.fr19.ch