Tafers 11.06.2019

Trotz 350 000 Kilometern ein Blickfang

Das Bett im Anhänger immer mit dabei.
Quer durch Asien oder bis nach Neuseeland sind die Citroën Deux Chevaux bereits gereist. Zum jährlichen Pfingsttreffen tuckerten die treuen Lenker mit den soliden und geländetauglichen Gefährten in den Kanton Freiburg. Beim «Röstigrabenessen» schwärmten sie vom Welttreffen in zwei Jahren.

Napoleon ragte im Kreisel Lamprat in Tafers übergross aus dem geöffneten Dach eines zitronengelben Citroën Deux Chevaux. Die rechte Hand im Mantel versteckt, wies er mit der linken zum alljährlichen Schweizer Nationaltreffen der unkomplizierten «Döschwo»-Liebhaber. Gelb und dazu schwarz lackiert ist auch Beat Gauchs Citroën, mit dem der Gastgeber sein Rapsöl auf den Markt fährt. Seine Wiese könnte in diesen Tagen nicht bunter sein. Nicht nur die französischen Fahrzeuge, die in allen Farben daherkommen, sondern auch die Herkunftsorte der Menschen, die sich hier eingefunden haben, sind bunt gemischt: «Freunde aus Frankreich, Belgien und Italien sind gekommen», erzählt der Chefmechaniker des 2CV-Clubs, Stefan Kuhnen, aufgeregt.

Fahrendes Bett

Während manche vorfreudig bereits am Donnerstagabend eingetroffen waren, hatte es Stefan Schmid pünktlich zur Eröffnung des Treffens am Freitagabend geschafft. Ein Zelt braucht der Nidwaldner nicht, denn sein Bett zieht er in einem selbst gebauten Anhänger mit sich. «Als 1991 unser Sohn zur Welt kam, musste mehr Platz her», und so wurde das mobile Schlafgemach, welches bisher in den Laderaum integriert war, ausgelagert. «Iban», wie Schmid in der Szene genannt wird, besass das mit Sternen bemalte Fahrzeug bereits in seinen Zwanzigern, als er noch ganz Asien bereiste: «Über 350 000 Kilometer hat die Kiste bereits zurückgelegt.»

Ein filmtaugliches Vehikel

Sogar bis nach Neuseeland hat es Tom Weilenmann mit seinem gut gefederten fahrbaren Untersatz geschafft. Wobei, nur gefahren ist der Zürcher die Strecke nicht: «Wir haben die Fahrzeuge in Rotterdam in den Container gepackt und nach Christchurch verschifft.» Nun stehen er und sein Sondermodell 007, welches 1981 anlässlich des James-Bond-Films «For Your Eyes Only» gefertigt wurde, in Tafers auf der Wiese. Wer gesehen hat, wie Roger Moore in jener Verfolgungsjagd die Bösewichte erfolgreich abhängt, weiss um die Vorteile dieses robusten Kleinwagens. Dank der grossen Bodenfreiheit, also dem Abstand zwischen dem Fahrzeug und der Fläche, auf der es steht, ist praktisch jedes Gelände befahrbar.

Keine Sprachbarrieren

Die meisten Lenker kennen sich bereits. Man freut sich auf die Begegnung mit bekannten Gesichtern. Manch ein Tüftler öffnet bei Freunden kurzerhand die Motorhaube und optimiert die technisch soliden und mechanisch einfachen Reisegefährten. 007-Fahrer Weilenmann erläutert: «Wer es nicht zu genau nimmt mit den Originalteilen, lässt sich schon einmal eine elektronische Zündung einbauen. Das ist einfach praktischer.» Praktisch veranlagt ist man auch, was die Sprachbarriere angeht. Am Samstag wurde, symbolisch für den Röstigraben, eine fünf Meter lange Dachrinne mit Rösti gefüllt, sodass von rechts und links, ob deutsch- oder französischsprachig, ob Ente oder Deux Chevaux, alle zusammen den Graben genüsslich verspeisen konnten. Es dauerte nur einige Minuten, und schon war die Sprachgrenze verschwunden. So blieb neben der Fachsimpelei als zentrales Thema das Welttreffen, das 2021 nach 30 Jahren wieder in die Schweiz kommt.

Bilanz

180 Deux Chevaux auf einen Blick

Dank Wetterglück an den ersten beiden Tagen konnten am Samstag rund 180 Deux Chevaux und Derivate auf der Wiese von Beat Gauch in Tafers gezählt werden. Damit wurden die Erwartungen «mehr als erfüllt», sagte Jacques Folly, Leiter des Organisationskomitees. Neben den Deux-Chevaux-Lenkern lockte das Pfingsttreffen auch zahlreiche Neugierige an. Wegen des Regens reisten bereits zwei Drittel der ursprünglichen Gäste am Sonntagmorgen wieder ab. Abgeschlossen wurde der Anlass mit einem gemeinsamen Frühstück am Montagmorgen.

mw