Plaffeien 09.09.2019

«Zucht ist immer auch Glückssache»

Die Freiberger-Fohlen werden an der Schau nach Ausdruck, Körperbau und Bewegung bewertet.
An der diesjährigen Pferdeschau in Plaffeien erhielten weniger Fohlen als letztes Jahr eine genügend hohe Punktzahl, um ins Finale einzuziehen. Die FN haben Richter Heinz Mägli gefragt, warum.

Als vom Richterpult das Verdikt «Rappel» kommt, jubelt die Freiberger-Züchterin, die gerade ihr Fohlen vorstellt, streichelt Stute und Fohlen und lobt sie: «Gut gemacht!» Denn Rappel bedeutet: Die Richter gaben dem Fohlen so viele Punkte, dass es den Einzug ins Fohlenchampionat schafft – und somit zu den besten Fohlen gehört, die an der Pferdeschau Plaffeien vom Samstag gezeigt wurden.

Impressionen au Plaffeien:

Dieses Jahr waren das mit 19  Fohlen nicht so viele wie 2018, als 27 Fohlen in den Rappel kamen. Hans Bielmann, Mitorganisator der Schau und Zuchtbuchführer der Pferdezuchtgenossenschaft Sensebezirk, ist trotzdem zufrieden mit der diesjährigen Schau. «Wir hatten etwas weniger Anmeldungen als letztes Jahr, das lag aber immer noch im Bereich der normalen Schwankungen.» Die Plaffeier Fohlenschau sei mit 52 angemeldeten Fohlen noch immer die grösste im Kanton.

«Streng, aber fair»

Bielmann fügt an, dass er bereits an anderen Fohlenschauen dieses Jahr vernommen habe, dass die Richter besonders streng seien. In Plaffeien habe er beobachtet, dass die Richter «streng, aber fair» seien. «Wenn alle gleich behandelt werden, ist das in Ordnung.»

Und was sagen die Richter dazu? Rasserichter Heinz Mägli wägt ab und sagt dann: «Es hat sehr viele sehr gute Fohlen hier, aber die Qualität war auch schon besser.» Er habe einige Fohlen mit Stellungsfehlern gesehen, deren Beine etwa nicht gerade seien oder die einen zu grossen Kopf hätten. Dann fügt er hinzu: «Pferdezucht ist immer auch Glücks­sache. Zwei Fohlen sind nie gleich, auch wenn sie die gleiche Mutter und den gleichen Vater haben.»

Die Freiberger-Fohlen werden an der Schau mit drei Noten bewertet: Die erste ergibt sich aus der Gesamterscheinung, die zweite aus dem Körperbau und die dritte aus den Gängen, also den Bewegungen. Die Noten werden zusammengezählt, und wenn eine gewisse Punktzahl erreicht ist, kommt das Fohlen in den Rappel. In Plaffeien ist die Messlatte höher als anderswo: Sie liegt bei 22 Punkten und nicht bei 21 wie an anderen Schauen.

Worauf achten die Richter bei der Bewertung? «Bei den Gängen ist es wichtig, dass die Fohlen schön schwebend traben, und zwar mit viel Schub aus den Hinterbeinen», erklärt Heinz Mägli. Beim Körperbau achtet der Richter besonders auf Dinge, die sich mit dem Wachstum nicht mehr verändern. «Der Rücken kann sich noch ändern, aber die Winkelung der Hinterbeine ist gegeben», sagt er. Schwerwiegende Fehler im Körperbau seien etwa, wenn die Beine nicht gerade seien oder neben der Achse stünden.

Der gelernte Hufschmied Mägli hat selber seit Jahrzehnten Pferde und betreibt einen Pensionsstall. Die jahrelange Tätigkeit als Schmied habe seinen Blick für Stellungsfehler geschult, sagt er. Der Solothurner hat zudem eine spezielle Ausbildung gemacht, um als Richter tätig sein zu können. Als solcher wird er vom Freiberger-Verband den Fohlenschauen zugeteilt. In Plaffeien ist er bereits das vierte Mal. Er lobt die Organisation und die Reitsportanlage: «Die Pferdezuchtgenossenschaft leistet hier sehr gute Arbeit.»

Resultate

Diese Fohlen kamen in den Rappel

Siegerfohlen Championat 1. Serie Januar bis März 2019, Hengstfohlen: 1. Eden (Vater Ethan), 9 (Typ)/7 (Bau)/8 (Gänge), Erich Krebs, Münchenwiler; 2. Erlan (Envol), 8/7/8, Werner Suter, Giffers; 3. Erkan (Envol), 8/7/8, Werner Suter, Giffers; 4. Cooper (Calypso du Padoc), 7/7/8, Hans Bielmann, St. Silvester. Stutfohlen: 1. Nikita (Nixon), 8/8/8, Erich Krebs, Münchenwiler; 2. Lili (Calypso du Padoc), 8/7/7, Marco Mäder, Sangernboden; 3. Daria (Calypso du Padoc), 7/7/8, Heribert Stritt, St. Ursen; 4. Ella de la Perle (Néco), 8/7/7, Esther Perler-Vonlanthen, St. Antoni. Siegerfohlen Championat 2. Serie, April bis Mai 2019, Hengstfohlen: 1. Erol (Envol), 8/7/9, Werner Suter, Giffers; 2. Hamiro (Hoby-Wan), 8/7/7, Bruno Suter, Brünisried; 3. Eloid (Envol), 8/7/7, Werner Suter, Giffers; 4. Eros SZ (Evident), 8/7/7, Franz Zumbach, Büchslen; 5. Camaro (Calypso du Padoc), 8/7/7, Bruno Suter, Brünisried; 6. Holiday La Chasse (Hoby-Wan), 8/7/7, Christian Aeschlimann, Bärfischen; 7. Hilton (Hoby-Wan), 7/7/8, Hans Bielmann, St. Silvester; 8. Halcon von der Fineta (Hoby-Wan), 7/6/9, Reto Rietmann, Cordast. Stutfohlen: 1. Samira (Hoby-Wan), 8/8/8, Hanspeter Dousse, Oberschrot; 2. Finja (Hoby-Wan), 8/7/8, Ueli Reichenbach, Lauenen; 3. Fanta (Calypso du Padoc), 8/7/7, Walter Vetter, St. Ursen.