Freiburg 16.09.2016

Zwei musikalische Welten kollidieren

Der Auftritt von The Burden Remains und den «Horns of the Seventh Seal» verspricht ein Klangerlebnis der besonderen Art.
Bild Corinne Aeberhard
Harte Gitarrenriffs und erhabene Fanfarenklänge: Wenn die Sensler Thrash-Metal-Band The Burden Remains dieses Wochenende auf ein 50-köpfiges Blasorchester trifft, verschmelzen musikalische Welten zu neuen Klangerlebnissen.

Kreischende Gitarrensaiten, ein Schlagzeuggewitter, gutturaler Gesang, fliegende Mähnen: Betreten die vier Sensler von The Burden Remains die Bühne, dann geht Liebhabern harter Musik das Herz auf. Dass sie dereinst mit einem 50-köpfigen Blasorchester gemeinsam eine Bühne teilen würden, hätten sich die Musiker der Thrash-Metal-Band wohl selbst in ihren kühnsten Träumen kaum ausmalen können. Dieses Wochenende ist es aber tatsächlich so weit: Im Fri-Son in Freiburg treffen zwei musikalische Welten aufeinander, die – zumindest auf den ersten Blick – unterschiedlicher kaum sein könnten.

Ein Flair für Riesenprojekte

Angestossen wurde das ungewöhnliche Stelldichein von einem jungen Sensler Dirigenten und Komponisten: Manfred Jungo. Seit fünf Jahren leitet der Düdinger die Dorfmusik von St. Antoni und versucht sich mit seinen Musikantinnen und Musikanten auch immer wieder an unkonventionellen Projekten.

Vor zwei Jahren traf die Dorfmusik im Rahmen ihres Jahreskonzertes etwa auf die Rockband Circle. «Das Ergebnis wusste Band und Orchester zu überzeugen», erinnert sich Jungo, «und mich hat die Idee, dieses genreübergreifende Experiment auf einer höheren Stufe zu wiederholen, seither nicht mehr losgelassen.»

Eine Band, die sich dem ambitionierten Projekt anzunehmen bereit war, war schnell gefunden. «Ich kannte die Wünnewiler von The Burden Remains von früher. Mir gefiel ihre Musik, also ging ich einfach auf sie zu», erzählt Jungo. «Wir sind eine Band, die ein Flair für überbordende Riesenprojekte hat», erklärt Bandgitarrist Thomas Jenny mit einem Schmunzeln: «Mäni hat sich mit seiner Idee also genau an die Richtigen gewandt.»

Dabei setzte sich die Band selbst hohe Ansprüche: «Wir sagten uns, wenn wir das machen, dann machen wir es so richtig gross: Mit neuen Songs und einem Gig im Fri-Son.»

In Zusammenarbeit mit Jungo schrieb die Band in der Folge sieben neue Stücke, für die der Düdinger Dirigent insgesamt über 60 Minuten Orchestermusik komponierte. Im nächsten Jahr soll das musikalische Resultat als Konzeptalbum vorliegen.

Auch für Nicht-Metal-Ohren

«Letztendlich sind so rund 800 Seiten Partitur entstanden», sagt Jungo und lässt damit durchblicken, wie viel Zeit und Mühen der Schreibprozess alle Beteiligten gekostet haben muss. Um die beiden Musikstile zusammenbringen zu können, musste die Band zudem von gewohnten Schemata abrücken. «Das Projekt lehrte uns, noch mehr mit Motiven zu arbeiten und dafür etwas vom Strophen-Refrain-Denken und unseren Riffs wegzukommen», sagt Jenny. Und auch das Notenschreiben habe die Band für das neue Projekt wiederentdecken dürfen, sagt der Gitarrist und muss dabei laut lachen: «Wir haben in den fast 15 Jahren, in denen wir nun zusammenspielen, doch nie auch nur eine einzige Note geschrieben. Jetzt können wir selbst das.»

Bei der Suche nach Orchestermusikern konnte Jungo auf die Hilfe des Sensler Bezirksmusikverbandes zählen. «Wir organisierten ein Ü20-Musiklager und fanden im Sensebezirk so alle unsere Musikerinnen und Musiker.» Trompeten, Flöten, Saxofone, Klarinetten, Posaunen und Perkussionsinstrumente umfasst das 50-köpfige Ad-hoc-Orchester, welches am Samstag und Sonntag unter dem klingenden Namen «The Horns of the Seventh Seal» aufspielen wird.

Das Ziel des Dirigenten: Die 50 Orchester- und die vier Bandmusiker zu einem grossen Ganzen verschmelzen zu lassen: «Ich hoffe, dass es möglichst viele dieser magischen Momente geben wird, in denen das Publikum keinen Unterschied mehr zwischen den beiden Klangwelten ausmachen kann.» Er empfiehlt die Konzerte denn auch allen, für die der Metal bisher unbekannte Gefilde bedeutete: «Das Resultat unserer Arbeit dürfte auch für Nicht-Metal-Ohren ganz interessant und bekömmlich sein.»

Fri-Son,

Freiburg. Sa., 17. Sept., 22 Uhr; So., 18. Sept., ab 17.30 Uhr. 
Weitere Infos: www.fri-son.ch oder www.theburdenremains.com

Zur Band

Thrash Metal ohne 
Berührungsängste

2003 hoben die vier Jugendfreunde Tommy Schweizer (Gesang/Bass), Philippe Aebischer (Gitarre), Silvan Mangold (Drums) und Thomas Jenny (Gitarre) die Thrash-Metal-Band Cideraid aus der Taufe. 2011 verpasste sich die Band aus dem Sensebezirk einen neuen Namen: The Burden Remains. Für die Alben «The Downfall of Man» und «Fragments» erhielt die Band, die sich bereits mit Genregrössen wie Megadeth die Bühne teilte, in Fachkreisen viele gute Kritiken.

mz