Archiv 21.06.2010

«Die Klassenkameraden wollen gemeinsam in den Ausgang»

St. Ursen schliesst im Juli seinen Jugendtreff. Die Nachfrage war zu gering. Im Rümli in Tafers sieht das ganz anders aus.

Autor: Pascale Hofmeier

Ein «St.» im Gemeindenamen scheint kein gutes Omen für Jugendräume: Nach St. Antoni schliesst im Juli auch St. Ursen seinen Jugendraum. St. Antoni schloss mangels Betreuungspersonen, St. Ursen schliesst mangels zu betreuender Personen: «Es kamen weniger Jugendliche als erwartet», sagt der zuständige Gemeinderat Bernhard Schafer und fasst so die kurze Information aus dem Juni-Mitteilungsblatt noch kürzer zusammen. Die Schliessung habe sich seit dem Winter abgezeichnet.

Der Jugendtreff in der Mehrzweckhalle wurde im Januar 2008 eröffnet. «Die Initialzündung waren ein paar Vandalenakte in der Gemeinde. Impulse kamen auch von den Jugendlichen selber», sagt Schafer. Damit die Jugendlichen wissen, wo sie in der Freizeit hin können, habe die Gemeinde den Versuch mit dem Treff gestartet. «Wir gingen davon aus, dass etwa 20 bis 30 Jugendliche kommen würden.» Aber es waren nur etwa 15, die von dem Angebot Gebrauch machten. Im vergangenen Halbjahr kam gar niemand mehr. Auch eine Werbeaktion im vergangenen Winter vermochte die Jugendlichen nicht in den Raum in der Mehrzweckhalle zurückzubringen. Schafer geht davon aus, dass es für das mangelnde Interesse verschiedene Gründe gibt: «Viele der Jugendlichen im OS-Alter sind mobil und gehen in den Jugendraum nach Tafers oder direkt in die Stadt.»

Nur für St. Ursener

In St. Ursen geblieben seien eher die jüngeren OS-Schüler. Der Treff war denn auch ausschliesslich für Jugendliche aus der eigenen Gemeinde gedacht. «Es könnte sein, dass es nicht funktioniert hat, weil wir keine Besucher aus den Nachbargemeinden zugelassen haben», sagt Schafer. Auch die Öffnungszeiten könnten dazu beigetragen haben: Der Raum war einmal im Monat von 19 bis 23 Uhr offen. «Mehr war finanziell nicht möglich. Wir haben es aber versucht.» Schafer schliesst nicht aus, dass sich die Situation bis in ein paar Jahren ändern könnte. Falls dann das Bedürfnis bestehe, könne man eine Wiedereröffnung diskutieren.

Nicht alle dürfen ausgehen

Eine ganz andere Situation präsentiert sich in der grösseren Nachbargemeinde Tafers: Dort treffen sich im Jugendraum jeden Freitag bis zu 80 Jugendliche der umliegenden Gemeinden. «Im Prinzip haben die Taferser Vorrang. Aber die Jugendlichen gehen gemeinsam zur Schule und die Klassenkameraden wollen gemeinsam in den Ausgang», sagt Jugendarbeiter David Aebischer. Er bedauert, dass Jugendräume in den Nachbardörfern geschlossen werden: «Die Jugendarbeit muss in den einzelnen Gemeinden stattfinden können.» Dies nicht zuletzt, weil es auch Jugendliche gibt, die abends nicht in ein anderes Dorf gehen dürfen.

Der Idee, dass mehrere Gemeinden zusammen einen Raum betreiben könnten (vgl. Kasten), steht Aebischer kritisch gegenüber: Es sei die Aufgabe der Jugendarbeit, auf die Bedürfnisse der Jugendlichen einzugehen: «Es ist einfacher, eine Beziehung aufzubauen und an sie heranzukommen, wenn die Anzahl überschaubar ist», sagt Aebischer.