Archiv 02.05.2012

«Das Feuer ist immer noch da»

Ernest Ruffieux hat die Augen offen für die Formen der Natur und versteht sich als Handwerker und Künstler zugleich. Am kommenden Wochenende zeigt der Holzbildhauer und Steinmetz in einer Ausstellung in Schwarzsee einen Querschnitt seines 30-jährigen Schaffens.

Autor: Imelda Ruffieux

Die Liebe zum Holz ist Ernest Ruffieux in die Wiege gelegt worden, sein Vater war Schreiner von Beruf. «Ich habe schon als Kind gerne gezeichnet», sagt er. Seine kreative Ader hätte aus ihm auch einen Architekten machen können. Am Ende habe er zwischen Bauzeichner und Bildhauer wählen müssen. Die Entscheidung war nicht einfach, erinnert er sich. Ihm sei bewusst gewesen, dass es mit einer künstlerischen Tätigkeit schwierig werden könnte, ein Auskommen zu finden.

Holz und Stein

Schon recht bald nach der vierjährigen Lehre an der Bildhauerschule in Brienz hat der Plasselber eine Zusatzlehre als Steinmetz gemacht. Die Frage, ob er lieber mit Holz oder mit Stein arbeitet, mag er nicht beantworten. «Beides sind natürliche Materialien», sagt er.

Viele seiner Figuren entstehen aus Lindenholz, weil dieses sich gut schnitzen lässt. «Aber jede Holzart hat ihre Eigenart und macht es spannend, damit zu arbeiten.» Nussbaum zum Beispiel habe eine schöne Struktur und beim Kirschbaum gefalle ihm die Maserung. «Diese natürlichen Eigenschaften eröffnen einem Bildhauer viele Möglichkeiten, ein Bild oder eine Skulptur zu gestalten», sagt Ernest Ruffieux. Das Gleiche gelte für den Stein. «Je nachdem, wie das Resultat aussehen soll, wähle ich einen Stein mit einer bestimmten Zeichnung.» Für ihn spiele es keine Rolle, ob er eine Skulptur aus eigenen Entwürfen kreiere oder den Auftrag eines Kunden ausführe, sagt Ernest Ruffieux. «Wenn wir im Gespräch gemeinsam eine Idee entwickeln und das Werk am Ende beiden gefällt, dann stimmt das für mich.» Er stecke genauso viel Herzblut in eine Auftrags- wie in eine eigene Arbeit.

Er stört ihn deshalb auch nicht, wenn er als Handwerker und nicht als Künstler bezeichnet wird. «Die Abgrenzung ist nicht leicht.» Beides sei wichtig: die Details einer Gämse oder die Bewegung eines Sportlers naturgetreu wiedergeben zu können und dabei den künstlerischen Aspekt nicht zu vernachlässigen. Er hoffe, dass sich die Qualität seiner Arbeit immer von jener eines Hobbykünstlers unterscheide. «Ein guter Bildhauer hat die Augen offen für die Formen der Natur», sagt er. «Diese in Holz oder Stein realistisch wiederzugeben, macht meine Arbeit interessant und spannend.» Das Feuer für seine Tätigkeit sei auch nach 30 Jahren nicht erloschen, sagt er, der seine Werke am Wochenende in einer Ausstellung zeigt.

Vor allem Handarbeit

In den 30 Jahren hat sich die Art und Weise zu arbeiten nur wenig entwickelt. «Der grösste Teil ist immer noch Handarbeit», sagt der 55-Jährige. Von Computer gesteuerten Maschinen, die Skulpturen in Massenproduktion herstellen können, hält er wenig. «Jedes meiner Werke ist ein Einzelstück oder höchstens Teil einer kleinen Serie.»

Das Arbeiten mit Holz oder Stein lasse keine Hast zu. «Das Material weist mir den Weg; treffe ich auf eine Maserung, muss ich mich anpassen. Das kann spannend sein oder auch zu einer Enttäuschung führen.» Wie bei einem Piloten oder einem Lokführer sei volle Konzentration nötig, um keine Fehler zu machen. Das sei ein einsamer Job, gibt er zu. «Aber das mag ich, das entspricht meiner Natur.» Das habe er auch mit seinen Lehrlingen – er hat sechs ausgebildet –, festgestellt. «Auch wenn wir zu zweit waren, war es meist sehr ruhig im Atelier.»

Ausstellung

Querschnitt der letzten 30 Jahre

In seiner Ausstellung vom kommenden Wochenende zeigt Ernest Ruffieux einen Querschnitt seines Schaffens, von den Anfangszeiten bis heute. Zu sehen sind etwa 50 Werke, darunter Krippenfiguren, Tiere, Menschenfiguren, Sportskulpturen, aber auch abstrakte Werke, das meiste davon aus Holz. Die Ausstellung findet in der Kaserne Schwarzsee statt: am Samstag, 5. Mai, von 12 bis 20 Uhr und am Sonntag, 6. Mai, von 10 bis 16 Uhr. im

Ernest Ruffieux zeigt an seiner Ausstellung einige seiner Parade-Werke.Bild Corinne Aeberhard