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«Senslerdeutsch geht nicht unter»

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«Gang ga ggùgge» heisst das neue Buch des Sensler Autors Christian Schmutz, und es ist, wie der Titel schon sagt, ein Aufruf, auf die Senslerinnen und Sensler zuzugehen und sie Schritt für Schritt besser kennenzulernen. Nach den historischen Romanen «Als die Nachtvögel kreisten» (2007) und «Bachab – Falli Hölli verschwindet» (2012) sowie der Mundarterzählung «D Seisler hiis böös» (2017) ist das neue Buch eine Sammlung von Anek­doten, Fakten und Geschichten mit einer gehörigen Portion Humor. Im Gespräch mit den FN erklärt Christian Schmutz, wie die Sensler ticken, warum die übrige Schweiz mehr über den Sensebezirk erfahren sollte und warum er als Sensler gerne Witze über die Sensler macht.

Christian Schmutz, «Senslerdeutsch endlich verstehen», das verspricht Ihr neues Buch im Untertitel. Im Buch geht es aber nicht nur um den Dialekt, sondern auch um das Wesen und die Identität der Sensler. Wie sehr hängt das zusammen?

Ich glaube tatsächlich, dass man ein bisschen Senslerdeutsch verstehen muss, um die Sensler zu verstehen. Und ich glaube, dass Nichtsensler, die diesen Schritt machen, viel darüber herausfinden werden, wie die Sensler ticken und wa­rum sie so anders sind oder zumindest anders scheinen.

Was ist denn zum Beispiel so eine typische Sensler Eigenheit?

Im Buch ist ein ganzes Kapitel dem Thema Missverständnisse gewidmet, seien es Missverständnisse mit anderen Dialekten oder mit den französischsprachigen Nachbarn. Das ist nicht nur lustig, sondern auch hoch interessant, wenn man schaut, wie man in solchen Situationen reagiert: Man kann Missverständnisse einfach hinnehmen und darüber lachen, oder man kann versuchen, sie zu vermeiden. Die Sensler sind Spezialisten im Vermeiden. Positiv formuliert, sind wir flexibel und anpassungsfähig, negativ betrachtet, könnte man auch sagen, wir vermeiden Konflikte, indem wir uns vorauseilend anpassen.

«Anpasserkönige» heisst ein Kapitel des Buchs. Warum passen sich die Sensler so schnell an?

Eine gewisse Zurückhaltung fällt ausländischen Besuchern in der Schweiz ja generell auf, das ist nicht nur typisch senslerisch. Aber vielleicht ist diese Haltung im Sensebezirk besonders ausgeprägt: Senslerinnen und Sensler wollen nicht auffallen und anecken, sie wollen immer höflich bleiben, und sie machen im Zweifelsfall lieber einen Schritt zurück.

Sie zitieren im Buch sogar einen Sensler, der sich «fremdschäme», wenn er Fernseh- oder Radiowerbung auf Senslerdeutsch höre. Sind die Sensler zu wenig stolz auf ihren Dialekt?

Doch, die Sensler sind schon stolz auf ihre Sprache und auf ihre Region, und sie zeigen das auch gern. Aber je weiter sie sich vom Sensebezirk entfernen, umso mehr «verbrösmelet» dieser Stolz. Das fängt ja schon in der Stadt Freiburg an: Wir alle kennen die Situation, in der zwei Deutschsprachige, die miteinander ins Gespräch kommen, automatisch Französisch sprechen und dabei bleiben, weil keiner sich traut, als Erster in den Dialekt zu wechseln … Genau aus diesem Grund will ich mit dem neuen Buch den Sensebezirk verlassen und die Leute ausserhalb der Region ansprechen.

Warum ist es Ihnen denn so wichtig, dass die übrige Schweiz den Sensebezirk versteht?

Die Mundartkultur war noch nie so stark wie heute, darum ist es ein guter Zeitpunkt, um Randdialekte bekannter zu machen. Die Beliebtheit des Dia­lekts zeigt sich auch darin, dass die Menschen heute viel mehr in Mundart schreiben als früher. Das Schreiben beziehungsweise Chatten im Dialekt ersetzt teilweise den mündlichen Dialog. Das trägt aber auch dazu bei, dass die Eigenheiten der verschiedenen Dialekte verschwinden und verwässern. Umso mehr reagieren viele Leute entzückt, wenn sie etwa Bündner- oder Walliserdeutsch hören, nach dem Motto: «Ist doch schön, dass es das noch gibt.» Manche denken wohl bei diesen Dialekten an Ferien in diesen Gegenden. Dieser Effekt spielt bei Senslerdeutsch nicht. Darum sollten wir Senslerinnen und Sensler mehr rausgehen mit unserer Sprache und Kultur, damit wir wahrgenommen werden. Tun wir das nicht, können andere unseren Dialekt ja gar nicht kennenlernen – und wir sollten ihnen die Schönheiten des Senslerdeutschen nicht vorenthalten!

Ihr Buch richtet sich also ebenso sehr an die Senslerinnen und Sensler wie an die Auswärtigen. Sie schreiben auch, Sie wollten die Sensler «für ihre Kultur zum Glühen bringen». Ist das denn nötig?

Ich glaube, die Sensler sind schon offen für Kontakte und für das Hinaustragen ihrer Kultur. Aber man muss ihnen manchmal bewusst machen, dass sie einen Trumpf besitzen, der andere interessiert. Schliesslich hat man die Wahl, ob man sich als Minderheit in der Opferrolle sehen will oder ob man die Chancen sieht, die die Situation bietet. Ich bin immer für die positive Sichtweise. Darum will ich mit positiven Beispielen zeigen, dass man gemeinsam viel erreichen kann – und dass man mehr zusammen lachen sollte über das, was nicht funktioniert.

Der Humor spielt in Ihrem Buch ja eine grosse Rolle …

Ja, ich wollte auf keinen Fall ein trockenes Sachbuch schreiben. Die Mischung aus Fakten und Geschichten ist etwas, das mir liegt. Ich sauge mir nicht irgendetwas aus den Fingern, sondern gehe von Tatsachen aus, die sich verselbstständigen – und manchmal geht dabei die Fantasie mit mir durch! Ich will aber niemanden lächerlich machen – weder die Sensler noch die anderen. Mein Humor zielt auf Situationen, nicht auf Menschen.

Sie spielen dabei bewusst mit Klischees und Vorurteilen. Haben Sie keine Angst, die Sensler dadurch genau in jene Ecke zu drängen, in die sie eben nicht gehören?

Das Risiko war mir schon bewusst. Allerdings habe ich den grossen Vorteil, dass ich einst das «Senslerdeutsche Wörterbuch» geschrieben habe. Viele Leute kennen mich und verstehen, wie ich etwas meine. Das ist mein Sicherheitsnetz; ich darf mir dadurch vielleicht mehr erlauben und angriffiger sein als andere.

Der Sensler, der Witze über die Sensler machen darf …

Ja, unbedingt! Man soll ja auch über sich selber lachen. Das mache ich im Übrigen auch, wenn ich als «Slämsler» auftrete. Die Reaktionen des Publikums zeigen, dass es funktioniert, dass ein Interesse da ist und dass die Leute, auch Auswärtige, mehr über den Sensebezirk und das Senslerdeutsche erfahren wollen.

Gute Aussichten also für das Senslerdeutsche?

Genau. Das Senslerdeutsche wird so schnell nicht untergehen, auch wenn es sich verändert. Dass Sprachen und Dialekte sich entwickeln, ist normal. Sprache ist ein Abbild der Gesellschaft. Wenn die Gesellschaft sich verändert, muss auch die Sprache sich verändern, damit wir über die Welt sprechen können. Ich freue mich natürlich immer, wenn ich höre, dass jemand alte Mundartausdrücke braucht, aber schlussendlich müssen Dialekte alltagstauglich sein. Und ich bin sicher, dass wir Sensler auch in fünfzig Jahren noch anders reden werden als die Berner. Schliesslich schmeisst man nicht einfach so weg, was man gern hat.

«Manchmal muss man den Senslern bewusst machen, dass sie einen Trumpf besitzen, der andere interessiert.»

«Wir sollten den anderen die Schönheiten des Senslerdeutschen nicht vorenthalten.»

«Senslerinnen und Sensler wollen nicht auffallen und immer höflich bleiben.»

Das Buch

Eine Geschichtensammlung zwischen Fiktion und Realität

Als «Geschichtenbuch mit echten Fakten und Sachbuch mit fiktiven Geschichten» bezeichnet Christian Schmutz selbst sein Buch «Gang ga ggùgge». Er habe Lust gehabt, verschiedene Ideen, Gedanken und Anekdoten rund ums Senslerdeutsche in einem Buch zu verpacken, ohne aber ein reines Sachbuch zu schreiben, erklärt der 49-Jährige, der unter anderem als Abschlussredaktor bei den FN arbeitet. Die Lösung brachte eine Rahmengeschichte, die das Ganze zusammenhält: Ein Universitätsprofessor widmet ein Seminar der Suche nach der seltenen Spezies der Sensler – einer Suche, die bald weit über die Universität hinaus ihre Kreise zieht. Die Idee sei in enger Zusammenarbeit mit dem Zytglogge-Verlag entstanden, erklärt Christian Schmutz. Zum Gesamtpaket gehört auch eine Internet-Site mit Verständnishilfen, Video- und Audiobeiträgen und weiteren Informationen, die laufend ergänzt wird.

cs

Das Buch «Gang ga ggùgge – Senslerdeutsch endlich verstehen» (133 Seiten) ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (26 Franken).

Vernissage: Di., 5. November, um 20 Uhr im Nouveau Monde in Freiburg.

Lesung bei «Wier Seisler»: Do., 5. Dezember, um 20 Uhr im Gasthof St. Martin in Tafers.

Homepage: www.gang-ga-ggugge.ch

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