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«Sie brechen mit dem ganzen System»

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Eines ist den obdachlosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Stadt Freiburg gemeinsam: Sie sind im Konflikt mit ihrer Familie. Ein eigentlich normales Verhalten von Teenagern – die Rebellion gegen das Elternhaus – hat sich in einen so grossen Konflikt verwandelt, dass sie fremdplatziert wurden. «Wenn sie volljährig werden und nicht mehr in einem Heim leben, landen einige bei uns», sagt Eric Mullener, Direktor der Freiburger Notschlafstelle La Tuile.

Immer mehr Jugendliche nutzen die Tuile; letztes Jahr waren es rund zehn. Die Verantwortlichen der Notschlafstelle machen den Jugendlichen klar, dass es nicht normal ist, wenn sie dort übernachten. «Hier sehen sie keine guten Vorbilder fürs Leben», sagt Mullener. Wer sich über längere Zeit in der Notschlafstelle aufhalte, eigne sich schlechte Gewohnheiten an. Auf der Strasse kümmern sich Sozialarbeiter von Reper um herumhängende Jugendliche. Die Vereinigung Reper hat sich Gesundheitspromotion auf die Flagge geschrieben und arbeitet im Auftrag der Gesundheitsdirektion. Letzten Sommer beobachtete Jean-Charles Beaud, wie Jugendliche ohne Lehrstelle von Mai bis September ihre Freiheit genossen. «Im Herbst hatten sie immer noch keine Stelle; ihre Sozialhilfe wurde gekürzt.» Die Situation habe sich von Tag zu Tag zugespitzt. «Wenn alle Netze reissen, kommen sie zu uns.»

«Es gibt Obdachlose»

«Vor einigen Jahren wagte es niemand, von Obdachlosen zu reden», sagt Emmanuel Fridez von Reper. «Doch es gibt sie.» Auch wenn jemand in der Notschlafstelle Unterschlupf finde, habe er kein eigenes Dach über dem Kopf – sei also obdachlos. Obdachlose Jugendliche schliefen zu Beginn oft bei Bekannten auf dem Sofa. «Doch mit der Zeit ist das soziale Netz aufgebraucht, und sie wissen nicht mehr, wo schlafen», sagt Fridez.

Tagsüber besuchen Obdachlose das Tageszentrum Banc Public. «Vor allem seit 2008 haben wir deutlich mehr Jugendliche, die zu uns kommen», sagt Anne-Marie Schmid. Einige kämen nur während wenigen Monaten und fänden dann eine Lehrstelle. «Aber wir haben solche, die über Jahre hinweg kommen, und das beschäftigt uns sehr.» Es sei besorgniserregend, Jugendliche ohne Lehrstelle, ohne Perspektive zu sehen. Weil die Jugendlichen oftmals nicht kontrolliert werden wollten, verweigerten sie die Zusammenarbeit mit der Sozialhilfe. «Sie brechen mit dem ganzen System», sagt Schmid.

Laut Fridez gibt es heute auch mehr junge Frauen ohne fixe Wohnadresse. «Sie sind auf der Strasse noch verletzlicher als junge Männer», sagt er: So müssen sie sich mit zwielichtigen Übernachtungsangeboten auseinandersetzen.

Fehlende Perspektive

«Diesen Jugendlichen fehlt die Perspektive», sagt Beaud. Wenn sie sich wieder aufrappelten und eine Lehrstelle suchten, hätten sie Mühe, die leeren Stellen im Lebenslauf zu erklären. «Ein Jahr ohne Stelle, das geht – aber zwei bis drei Jahre sind ein Problem in der Berufswelt.» Diese Jugendlichen hätten bereits mehrere Misserfolge erlebt. «Aus Angst vor einer weiteren Enttäuschung suchen einige gar nicht mehr nach einer Stelle.»

Mullener ist es wichtig, dass die Jugendlichen «auf den Weg der Regularität» zurückfinden. Einige hätten den Anspruch, das soziale System müsse für sie aufkommen. «Es kann aber nicht sein, dass sie bereits im Jugendalter eine lebenslange Karriere als Sozialhilfebezüger beginnen.» njb

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