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«Sie gehören zu den besten Schülern»

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Beat Renz ist vor rund einem Monat aus Tibet zurückgekehrt. Es war schon seine zweite Reise im November. «Es ist immer wieder eindrücklich», sagt der 53-Jährige im Hotel Murten bei einer Tasse Tee. Seit zehn Jahren arbeitet Renz ehrenamtlich bei der Stiftung Tadra, welche sich für tibetische Strassen- und Waisenkinder einsetzt. Seit einem Jahr engagiert sich Renz vollamtlich für Tadra: Um für seinen Lebensunterhalt zu sorgen, verkaufte er die Anteile der Büromaterial-Firma, die er mitbegründet hatte.

Kein Visum für Gründer

Zu Tadra stiess Renz nach einer Tibet-Reise vor zwölf Jahren. Eine Stunde vor seiner Rückreise sei er einer Gruppe von Strassenkindern begegnet. «Daraufhin fasste ich den Entschluss, zu helfen.» Im Anschluss sei der Kontakt zu Tadra-Gründer Palden Tawo entstanden. Er und seine Frau waren selber in einem Pestalozzi-Kinderdorf in Deutschland aufgewachsen und gründeten nach diesem Vorbild zwei Kinderdörfer in Osttibet.

Was vor zwölf Jahren begann, prägt Beat Renz’ Leben seither: Schon rund 25 Mal besuchte er mittlerweile das Gebiet. Er sei der Einzige bei Tadra, der regelmässig nach Tibet reise, erzählt er. «Das Gründerehepaar erhält seit 2008 kein Visum mehr.» Zur politischen Situation in Tibet will sich Renz nicht äussern.

Jedes Mal besucht Renz die beiden Dörfer, in denen «seine» Kinder leben, wie er sie liebevoll nennt. Über 500 Schüler wohnen in Tawo/Golok und Dawu. Die meisten sind Waisen oder Halbwaisen und stammen aus Nomadenfamilien. Diese Familien ziehen in kleinen Verbänden durch die weitläufigen Hochebenen, die auf 4500 Meter über Meer liegen. Im Winter wird es bis zu minus 30 Grad kalt: Das macht das Leben schwierig. «Man hört dort nichts, nur Stille», so Renz. «Die medizinische Versorgung fehlt fast komplett.» Auch gebe es nahezu kei- ne Fortbewegungsmittel. «Die Menschen sterben oft jung an Krankheiten und Verletzungen, welche in westlichen Ländern selten tödlich verlaufen.»

Am Strick angebunden

Viele der Kinder haben Traumatisches erlebt. Renz erzählt die Geschichte des Mädchens Kelsang Choedon: Ihr Vater verliess die sechsköpfige Familie, die Mutter starb an der Geburt der heute Sechsjährigen. Die Grossmutter starb ebenfalls, so dass die Älteste, damals 14 Jahre alt, die Verantwortung übernehmen musste. Die Geschwister waren gezwungen, betteln zu gehen; das Baby blieb allein im Nomadenzelt. Damit Kelsang nicht weglaufen und sich in Gefahr bringen konnte, banden sie das Mädchen wie einen Hund mit einem Strick fest. «Die Kinder kommen jeweils mit versteinerten Mienen im Kinderdorf an», so Renz. «Es ist eine Motivation, ihre Verwandlung zu sehen.» Heute sei Kelsang ein aufgestelltes, lebensfrohes Kind: Renz hat ein Foto von ihr mitgebracht–und eine Zeichnung. «Die Kinder können selten mit Buntstiften malen.» Er bringt ihnen jeweils welche mit. Gerade mal zwei Franken pro Tag kostet der Lebensunterhalt eines Kindes im Kinderdorf inklusive Schulgeld.

Hohe Sozialkompetenz

«Mich fasziniert immer wieder die hohe Sozialkompetenz der Kinder», sagt Renz. Er habe noch nie Kinder miteinander streiten gesehen. «Im Gegenteil: Die Kinder helfen einander. Etwa die Grösseren den Kleineren.» Die Kinder sähen sich alle als Geschwister an. Wichtig sei auch der Austausch. Die Kinder erzählten sich von ihren Schicksalen und traumatischen Erlebnissen. «Dies ist ihnen eine grosse Hilfe.» Einen wichtigen Stellenwert habe die Schule. «Die Kinder sind alle sehr fleissig und gehören zu den besten Schülern», so Renz. «Sie wissen, dass ihre Zukunft davon abhängt.» Fast alle strebten ein Studium in der Stadt an: Sie möchten Lehrerin oder Lehrer werden. 2500 Franken kostet ein Studienjahr Tadra. Finanziert wird die Stiftung vor allem von Kleinspenden. «In der Schweiz sind wir besonders im Kanton Freiburg bekannt, etwa in Murten», so Renz.

Renz hat in den letzten zehn Jahren viele Eindrücke gesammelt. Sein nächstes Ziel ist es, ein Buch über seine Erfahrungen zu schreiben und mit einer Multimediashow durch die Schweiz zu touren. Der Titel steht schon: «Plötzlich Vater von 500 Kindern.»

Stiftung Tadra: Nach Vorbild der Pestalozzi-Dörfer

D ie beiden Kinderdörfer Dawu und Tawo/ Golok der Stiftung Tadra bieten über 500 Kindern und Jugendlichen ein Zuhause. Nach dem Vorbild der Pestalozzi-Kinderdörfer wurden sie 1995 und 2006 von zwei Tibetern gegrün- det, welche selber in einem Kinderdorf in der Nähe des Bodensees aufgewachsen sind. Ziel der Stiftung Tadra ist es, den Mädchen und Knaben Zukunftsperspektiven zu geben: Etwa durch eine Lehre in einem traditionellen Gewerbe, wie dem Teppichknüpfen, oder durch ein Studium. Tadra finanziert sich ausschliesslich durch Spenden. ea

Mehr Informationen: www.tadra.ch

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