Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Sie schweben lautlos durch die Nacht

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Sie schweben lautlos durch die Nacht

Autor: Anton Jungo

Ihre nächtliche Lebensweise und ihre unheimlichen Rufe durch die Dunkelheit lassen niemanden unbeeindruckt. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass Eulen und Käuze je nach Kulturkreis für geheimnisvolle Glücksbringer oder Vorboten des Unheils gehalten werden. Sie werden verehrt und verfolgt. Adrian Aebischer widmet dieser besonderen Tierart ein 250-seitiges Werk.

Der Untertitel ihres Buches lautet «Auf den Spuren der nächtlichen Jäger». Woher stammt Ihre Begeisterung für einen Vogel, den man kaum zu Gesicht bekommt?

Gerade weil Eulen und Käuze ein so heimliches Leben führen, sind sie faszinierend und geheimnisvoll. Ich kenne mehrere Leute, die nach ihrer ersten nächtlichen Begegnung mit einer Eule für immer von dieser Vogelgruppe fasziniert blieben. Mir ging es auch so. Bestimmt hängt dies auch damit zusammen, dass nächtliche Spaziergänge immer ein besonderes Erlebnis sind, auch wenn man keine Eulen hört.

Wie viele Eulen-Arten gibt es europa- und weltweit?

In Europa brüten 13 verschiedene Arten. Auf der ganzen Erde dürften es etwa 220 Arten sein, doch weiss dies niemand genau. In den letzten Jahren wurden vor allem in den Tropen noch neue Arten entdeckt, und bei manchen Formen weiss man noch nicht, ob es sich um unterschiedliche Arten oder lediglich um Unterarten oder um zwei Farbvarianten derselben Art handelt.

Wie geht der Biologe vor, um die Lebensweise dieses scheuen Vogels zu erforschen?

Je nachdem, was man herausfinden will, wendet man unterschiedliche Methoden an. Eine sehr einfache Methode ist das Horchen nach Eulengesang in der Dämmerung oder in der Nacht. Dadurch können Arten nachgewiesen und die Anzahl Reviere in einem Gebiet erfasst werden.

Will man den Bruterfolg kennen, muss man die Nester der Eulen finden. Will man das genaue Nahrungsspektrum kennen, kann man die sogenannten Gewölle (unverdaute Nahrung, die wieder ausgespien wird) untersuchen. Die darin enthaltenen Knochen, Federn und Haare geben Auskunft über die Beute.

Präziser wird die Analyse, wenn man mit Infrarotkameras Eulennester während der ganzen Nacht filmt. Um die Reviergrössen oder den Lebensraum, in dem Eulen ihre Nahrung suchen, zu ermitteln, kann man Eulen mit kleinen Radiosendern versehen und sie Nacht für Nacht auf ihren Streifzügen orten.

Welche Merkmale sind allen Eulen gemeinsam ?

Fast alle Eulenarten haben einen breiten, rundlichen Kopf mit grossen, nach vorn gerichteten Augen und ein ausgezeichnetes Gehör. Typisch ist zudem der «Schleier», ein trichterförmiger Kranz aus starren Federchen, die rund um die Augen angeordnet sind. Weitere charakteristische Merkmale der Eulen sind kräftige Füsse mit scharfen Krallen, ein Hakenschnabel und ein oftmals bräunliches Gefieder.

Haben Sie bei Ihren Forschungen Dinge entdeckt, die bislang nicht bekannt waren?

Die Anwendung von kleinen Radiosendern erlaubte es z. B. für den Uhu die wichtigste Todesursache (Stromstoss auf Freileitungsmasten) herauszufinden und so gezielte Schutzmassnahmen einzuleiten. Mit Hilfe von Satelliten fanden wir heraus, dass junge Uhus nach dem Verlassen ihrer Eltern riesige Strecken zurücklegen, bevor sie sich irgendwo ansiedelten. Manchmal flogen sie nach monatelangem Umherstreifen zurück in die Nähe ihres Geburtsorts.

Gibt es eine Eulenart, die es Ihnen besonders angetan hat?

Eigentlich hat jede Eulenart ihre Besonderheiten und ist so auf ihre Weise bemerkenswert. Unsere intensiven Untersuchungen am Uhu führten natürlich dazu, dass ich ein besonderer Fan von dieser Art bin. Sehr gerne mag ich auch den Sperlingskauz, denn die Suche nach dieser unserer kleinsten Eulenart im winterlichen Bergwald führt immer auch zu Begegnungen mit anderen interessanten Tieren.

Ein Höhepunkt meiner Erlebnisse mit Eulen war die Begegnung mit Schneeeulen in Grönland vor vier Jahren. Seitdem kehre ich jeden Sommer nach Grönland zurück.

Wie hoch ist der Eulenbestand in der Schweiz?

In der Schweiz brüten acht Eulenarten, wobei die Zwergohreule mit weniger als zehn Brutpaaren und der einst häufige Steinkauz mit nur noch etwa 60 Paaren vom Aussterben bedroht sind. Die häufigste Art ist der Waldkauz mit wohl über 5000 Paaren, aber auch die Waldohreule, der Raufusskauz, die Schleiereule und der Sperlingskauz sind mit etwa 1000 bis 3000 Paaren vertreten. Der Uhubestand ist auf unter 100 Paare geschrumpft.

Wie kann dieser Bestand erhalten werden ?

Eulen benötigen geeignete Brutstätten sowie genügend Nahrung. Vor allem den in Höhlen brütenden Arten Waldkauz, Raufusskauz und Sperlingskauz kann man helfen, indem man im Wald möglichst viele alte Bäume und insbesondere Höhlenbäume stehen lässt. Schleiereulen und Steinkäuze nehmen gerne Nistkästen an.

Eine möglichst extensive Landwirtschaft mit vielen ökologischen Ausgleichsflächen, aber auch möglichst naturnahe Wälder mit viel Totholz fördern das Nahrungsangebot für die meisten Eulenarten. Beim Uhu ist es wichtig, dass möglichst schnell die gefährlichen Strommasten-Typen unschädlich gemacht werden.

Wie bekommt man den scheuen Nachtvogel am ehesten zu Gesicht?

Meist hört man Eulen und Käuze, bevor man sie sieht. Wenn man zwischen Mitte Februar und Mitte April in der Abenddämmerung an einem Waldrand abwartet und horcht, stehen die Chancen gut, dass man einen Waldkauz oder eine Waldohreule hört.

Ende Mai oder im Juni hört man vielleicht rufende Jungvögel, denn auch nach dem Verlassen der Nester betteln junge Eulen noch wochenlang. Kennt man einen von Schleiereulen bewohnten Nistkasten an einem Bauernhof, kann man aus sicherer Entfernung jeweils den abendlichen Abflug beobachten.

Mehr zum Thema