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«Sie sind quasi menschliche Drucker»

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Der 39-jährige ­Raja und der 53-jährige Shankar sind mit wenig Gepäck aus Indien angereist. «Sie brachten einen dünnen, einen mittel­dicken und einen breiten Pin- sel mit» erklärt Ashvin Raja­gopalan, der Manager der beiden indischen Maler. «Mehr brauchen sie nicht für ihr Werk.»

Nashorn aus Indien

Seit fast einer Woche bemalen die beiden Künstler in einem Freiburger Atelier fünf Meter hohe und zwei bis sechs Meter breite Leinwände. Die Malereien im Bollywoodstil werden als Kulissen für die neue Ausstellung «Rhinostar» des Naturhistorischen Museums der Stadt Freiburg dienen. «In der neuen Ausstellung zeigen wir das frisch restaurierte Nashorn unseres Museums», erklärt der Direktor Peter Wandeler. Die Idee, das Nashorn in einer Zirkuskulisse zu präsentieren, sei von der Bühnenbildnerin Charlotte Walker gekommen. «Das Nashorn wird oft in Zirkussen gebraucht. Zudem kam dieses Exemplar schon 1888 nach Freiburg – was für die Leute damals ein grosses Spektakel gewesen sein muss», sagt Walker. Auf die indischen Maler kam man dann, weil das Nashorn ursprünglich auch aus Indien stammt.

Bei Museumsdirektor Wandeler stiess der Vorschlag auf offene Ohren. «Allerdings hat die Idee mit den Indern unser Budget ein wenig strapaziert», so Wandeler. «Doch glücklicherweise konnten wir auf die finanzielle Unterstützung unseres Fördervereins «Freunde des Museums» zählen.»

Perfekte Kopien

Für die Kulissenmalerei wird von den eingeflogenen Künstlern keine Kreativität verlangt. Im Gegenteil, sollen sie doch genau das kopieren, was ihnen gezeigt wird. «Sie sind quasi menschliche Drucker», sagt Rajagopalan. So entwarf Walker zuerst das Design der Kulissen und projizierte es auf die grosse Leinwand. Die Aufgabe der Maler ist es nun, diese Wände farblich möglichst realitätsnah zu bemalen. Dafür halten die beiden eine Kopie des Originalbildes in ihren Händen. «Sie malen einfach genau das, was sie sehen», erklärt Rajagopalan.

Horizont erweitern

Raja und Shankar waren schon 2004 einmal in Freiburg zum Malen – damals für das Bollwerk-Festival. «Eigentlich wusste ich also schon, dass sie sehr talentiert sind», sagt Walker. Trotzdem sei die Bühnenbildnerin vor der ersten fertiggestellten Leinwand ein wenig nervös gewesen. «Mittlerweile vertraue ich den Indern aber voll und ganz. Sie machen das superschön. Es sieht so echt aus.» Auch Wandeler ist von der bisherigen Arbeit der Maler begeistert: «Es hat so viel Leben in den Bildern.» Zudem findet er die Kombination zwischen Wissenschaft, Kultur und Kunst an der neuen Ausstellung besonders spannend. «Wir wollen ein innovatives Museum sein», so der Direktor. «Es ist wichtig, manchmal ein bisschen den eigenen Horizont zu erweitern; und das tun wir mit dieser Zusammenarbeit.»

Die Ausstellung «Rhinostar» wird am 14. Oktober eröffnet.

Kunst

Das ausgestorbene Geschick des Plakatemalens

Die Kunst des Plakatemalens hat ihre Anfänge in den 1930er-Jahren. Inspiriert von Tempelmalereien und Theaterkulissen wurden die riesigen Werbeplakate der indischen Bollywoodfilmindustrie von Hand geschaffen, da es damals weder Drucker noch Computer gab. Der Auftrag der Maler war es, eine Filmszene möglichst schnell und authentisch auf grosser Fläche abzubilden. 1999 kam dann das erste digital produzierte Plakat auf die Strasse. Die Werbeplakatmaler, obschon an sehr schnelles Arbeiten gewöhnt, konnten mit der Produktivität des digitalen Drucks nicht mithalten. Zudem war die neue Technik günstiger. So wurde das traditionelle Handwerk mehr und mehr zerstört. Heute gibt es in Indien kaum mehr traditionelle Plakatmaler.

sl

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