Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Sie waren entschlossen, ihn zu schlagen»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Sie sind schuldig des Amtsmissbrauchs»: Polizeirichter Nicolas Ayer verurteilte gestern zwei Polizisten zu 120 beziehungsweise 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit mit einer Bewährungsfrist von zwei Jahren. Der 29-Jährige, der zur höheren Strafe verurteilt wurde, muss vier Fünftel der Verfahrenskosten übernehmen, der 26-Jährige einen Fünftel.

Die beiden Kantonspolizisten hatten in der Nacht auf den 27. September 2013 auf dem Georges-Python-Platz in Freiburg einen stark alkoholisierten Libyer angehalten, der ein Rayonverbot hatte (FN von gestern). Der Mann wehrte sich und versuchte im Polizeiauto, den 29-jährigen Polizisten zu treten. Er beschimpfte und bedrohte die beiden.

«Schläge hingenommen»

Im Interventionszentrum in Granges-Paccot zertrümmerte er in einer Verhörzelle einen Stuhl. «Er wollte sich mit einem Stück Stuhlbein selber verletzen», sagte Polizeirichter Ayer. «Da haben ihn drei Beamte überwältigt und ihm die Hände mit Handschellen auf den Rücken gefesselt.» Die Beamten führten ihn zu einer Gummizelle. «Dort gingen Sie als Erster in die Zelle», sagte Ayer zum älteren der beiden Polizisten. Die beiden anderen Beamten stiessen den Mann in die Zelle–und der Polizist begann, ihn zu treten und zu schlagen. Dies zeigt ein Film. «Indem Sie vor dem Festgenommenen die Zelle betraten, zeigen Sie, dass Sie entschlossen waren, ihn zu schlagen», sagte Nicolas Ayer.

Der Mann habe die Hände auf dem Rücken gehabt und Handschellen getragen. «Während der Zeit, in der Sie ihn schlagen, zeigte sich der Mann in keinem Moment aggressiv», fügte der Richter an. «Er hat die Schläge hingenommen.»

Bevor der Mann in die Gummizelle gestossen worden sei, hätten ihn zwei Beamte–darunter der zweite verurteilte Polizist–festgehalten. «Sie beugten seinen Oberkörper nach vorne, seine Hände waren gefesselt; er war völlig unter Kontrolle», sagte der Richter. «Es hätte gereicht, ihn in die Gummizelle zu stossen und die Türe hinter ihm zu schliessen.» Hätte sich der Mann danach Verletzungen zufügen wollen, wäre es immer noch früh genug gewesen, um zu reagieren. «Auch wenn das Verhalten des Mannes abscheulich war, gab es keinen Grund, mit ihm in die Zelle zu treten.»

«Schutzbehauptungen»

«Sie wollten ihm zeigen, wer der Stärkere ist», sagte der Richter zum älteren der Polizisten. Am Montag hatten die beiden betont, sie hätten nur sich selbst schützen und den Inhaftierten davor bewahren wollen, sich selber zu verletzten. «Das waren Schutzbehauptungen, die Sie nach dem Vorfall erfanden, um sich zu verteidigen.»

Der Polizeirichter verurteilte den 29-Jährigen zu einer höheren Strafe, weil er als Erster zugeschlagen und auch die meisten Schläge ausgeteilt hatte. «Aber auch Sie sind deutlich über das Erlaubte hinaus gegangen», sagte Ayer zum 26-Jährigen. Dass die beiden in keiner Weise einen Fehler eingestanden, habe er beim Festsetzen der Strafe berücksichtigt.

Generalstaatsanwalt Fabian Gasser hob nach dem Urteil hervor, dass sich der Polizeikommandant beispielhaft verhalten habe, indem er den Film der Staatsanwaltschaft übergeben habe. «Das zeigt, dass die Polizei nicht wegschaut, wenn es zu einer Entgleisung kommt.»

Rekurs ist wahrscheinlich

Die Verurteilten hatten während dem Prozess beteuert, sie hätten keinen Fehler begangen. Nach der Urteilsverkündung verschwanden sie sehr rasch. David Aïoutz, der Verteidiger des Polizisten mit der höheren Strafe, meinte im Weggehen, dass ein Rekurs «sehr gut möglich» sei.

Kantonspolizei: «Das ist nicht tolerierbar»

S olche Vorfälle machen uns keine Freude»: Gallus Risse, Sprecher der Kantonspolizei Freiburg, war es gestern nach dem Urteilsspruch (siehe Haupttext) nicht zum Lachen zumute. Die Polizei sei verpflichtet, solche Vorfälle dem Justizdirektor und der Staatsanwaltschaft zu melden. «Das gewährleistet, dass die Sache sauber abgewickelt wird.» Doch verstünden dies nicht alle im Polizeikorps: «Einige haben Mühe damit, dass wir unsere eigenen Leute an die Staatsanwaltschaft übergeben», sagt Risse den FN. «Dieser Prozess gab Anlass zu einigen Diskussionen.»

«Eine klare Linie»

Doch in einem Rechtsstaat sei es wichtig, dass auch Vergehen und Übertretungen von Polizisten untersucht würden. «Es ist klar: Wir tolerieren keinen Amtsmissbrauch.» Die Schläge der beiden Polizisten «sind eindeutig zu weit gegangen; das ist nicht tolerierbar». Darum sei es richtig, wenn die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde. «Wir brauchen eine klare Linie.»

Zum Urteil selber will Risse nichts sagen, da es noch nicht rechtskräftig ist. Er weiss auch noch nicht, wie es mit den Verurteilten weitergeht. Die beiden wurden intern versetzt, «damit sie nicht mehr in Kontakt mit Drittpersonen kommen». Gegen sie wurde eine Administrativuntersuchung eröffnet, doch wird sie erst wirklich laufen, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Der Ältere der beiden hat auf Ende August gekündigt. njb

Mehr zum Thema