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«Sobald die Vorurteile abgebaut sind…»

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Im Durchgangszentrum in Riggisberg, das 30 Autominuten von Giffers entfernt liegt, sind die Schlagzeilen über das geplante Bundesasylzentrum in der Guglera nicht unbeachtet geblieben. «Ist ein Asylzentrum geplant, geht es immer emotional zu und her», sagt Doris Mühlemann, die zuvor schon einige andere Asylzentren geleitet hat. Auch Zentrums-Co-Leiter Martin Trachsel hat die Erfahrung gemacht, dass zuerst immer die Empörung über die Informationspolitik des Bundes gross ist, weil die Bewohner der betroffenen Gemeinde oft über die Medien von den Plänen des Bundes erfahren und erst danach das Flugblatt im Briefkasten vorfinden. «Sie möchten lieber etwas dazu sagen können oder darüber abstimmen, was halt nicht geht.»

Eine IG wurde gegründet

Auch in Riggisberg gibt es Leute, «die möchten, dass wir lieber nicht da wären», sagt Martin Trachsel. Und es gibt die IG Asylzentrum Riggisberg, die auf ihrer Website schreibt: «Seien wir ehrlich, wirklich Freude haben die wenigsten. Doch verhindern lässt sich das Ganze nicht mehr.» IG-Gründer André Perroud wohnt 15 Meter vom Asylzentrum entfernt. Nach einigen Vorfällen zu Beginn herrsche jetzt eine «herrliche Ruhe», sagt Perroud. Er könne nicht klagen. Das habe wohl auch damit zu tun, dass sich im Zentrum mittlerweile feste Strukturen gebildet hätten. Für ihn sei es wichtig gewesen, am runden Tisch als Vertreter der IG «Rahmenparameter» setzen zu können. «Kleine Dinge» seien dies gewesen, wie die Sperrung eines Quartierweges oder Ergänzungen der Hausregeln.

Daneben gibt es eine grosse Anzahl an Bürgerinnen und Bürgern, die sich in ihrer Freizeit in irgendeiner Form für das Zentrum einsetzen und mit den 150 Asylsuchenden in Kontakt treten und etwas mit ihnen unternehmen. Wie eine Sportstunde in der Turnhalle, eine Deutschlektion oder einen Kaffeenachmittag. «Ein solch grosses Engagement von Freiwilligen habe ich noch nirgends erlebt. Es sind etwa 40 Personen», sagt Doris Mühlemann.

Kinder gehen zur Schule

Die meisten Asylsuchenden, die im provisorischen Zentrum wohnen, kommen aus Eritrea und Syrien. Unter den 150 Personen sind 20 Frauen und 12 Kinder. Diese besuchen in Riggisberg die Schule. «Die Schule hatte dies sofort aufgegleist, als bekannt wurde, dass ein Asylzentrum eröffnet wird», sagt Martin Trachsel. Er freut sich über das Engagement der Lehrerschaft.

In Riggisberg kochen die Asylsuchenden selber und kaufen die Lebensmittel im Dorf ein. «Im Unterschied zu einem Bundesasylzentrum sind die Leute in Durchgangszentren viel freier», sagt Martin Trachsel, der bis im Mai 2014 im Bundesasylzentrum Les Pradières im Kanton Neuenburg gearbeitet hat, das inzwischen aufgelöst wurde.

In einem Bundesasylzentrum würden ebenfalls Animationen und Arbeitseinsätze organisiert, doch es gelte ein strengeres Regime. «Am Abend und in der Nacht sind die Asylbewerber eingeschlossen. Und wenn sie sich am Wochenende frei bewegen können, gehen sie in die Städte und bleiben nicht im Dorf», so seine Erfahrung. Sie hätten zwar weniger Freiheiten und weniger Eigenverantwortung als Asylsuchende in Durchgangszentren. «Doch die Menschen sind dieselben. Sie haben alle ein Asylgesuch gestellt und warten auf einen Entscheid. Einige können damit besser umgehen, anderen bereitet das Warten mehr Mühe und sie werden nervös.»

«Happiger Kaltstart»

Nach einem «happigen Kaltstart» mit 150 Personen, die im Sommer 2014 innerhalb eines Monats in Riggisberg aufgenommen wurden, ist Doris Mühlemann «absolut zufrieden», wie der Betrieb heute läuft. Seit der Schlägerei, die sich Anfang September im Asylzentrum zugetragen hatte und sechs Verletzte, sechs Verhaftete sowie eine schweizweite Aufruhr zur Folge hatte, sei es ruhig.

«Auseinandersetzungen sind normal, eine Schlägerei ist der Worst Case», sagt Martin Trachsel. Zwei Gruppen von Asylsuchenden seien damals aneinandergeraten. Nicht zuletzt deshalb, weil die Zentrumskultur noch zu wenig aufgebaut gewesen sei. Man habe jedoch sofort reagiert und einige Personen weggeschafft.

Für Gemeindepräsidentin Christine Bär war die Schlägerei «ein herber Moment». Doch dieser Eklat habe auch dazu geführt, dass man nochmals näher hingeschaut und unter anderem die Betreuung der Asylsuchenden intensiviert habe. Seither sei es sehr ruhig. Das sei insofern erfreulich, als die präventiven Massnahmen Wirkung gezeigt hätten, sagt Christine Bär. Der regelmässig stattfindende runde Tisch, an dem nebst den Zentrumsmitarbeitern die Vertreter von Gemeinde, Kanton, Polizei, Kirche und der IG Asylzentrum teilnehmen, habe sich sehr gut bewährt. «Das würde ich allen weiterempfehlen», sagt Bär.

Beschäftigung: Mit Händen und Füssen sprechen

G emeinnützige Arbeitseinsätze in Feld und Wald sind bei den Asylsuchenden beliebt. «Sie packen gerne mit an», sagt Martin Trachsel, Co-Leiter des Zentrums in Riggisberg. Trotzdem könne man das Bild vom «faulen Asylsuchenden» nicht verhindern. «Wenn sie nichts mehr zu tun haben, sitzen sie nun mal rum.» 60 Personen sind pro Tag mit Ämtlis beschäftigt. Bei Arbeitseinsätzen nach Unwettern habe es bei Betreuungspersonen und unterstützenden Landwirten Ängste gegeben wegen der Verständigung. «Sobald sie sich auf die Asylbewerber eingelassen hatten, ging es gut. Sie konnten sich mit Händen und Füssen und einigen Brocken Englisch verständigen», so Trachsel. Man müsse immer wieder versuchen, miteinander ins Gespräch zu kommen. «Sobald die Vorurteile abgebaut sind, können beide voneinander profitieren.» ak

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