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Sowjet-Seelen in Klausur

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«Cerceau» auf der Berner Kornhausbühne

Ein Landhaus erben, Freunde für ein Wochenende einladen, essen, trinken, sich amüsieren – wer träumte nicht davon? Hähnchen (Stefan Suske) im Stück «Cerceau» des Russen Viktor Slawkin geht noch einen Schritt weiter: Er sucht seinen (utopischen) Traum von Liebe und Gemeinschaft zu verwirklichen.

Zu diesem Zweck hat Hähnchen fünf Singles auf seine frisch geerbte Datscha eingeladen; mit einer Ausnahme sind alle um die vierzig Jahre alt – höchste Zeit also für ein Experiment, das da lautet: dem Leben noch einmal Drall in Richtung Glück verleihen.

Melancholischer Blick zurück

Ausser den Gastgeber kennen die Gäste einander nicht, und so darf das Publikum einer erzählfreudigen Kennenlernphase beiwohnen: Von trübseligen und verbitterten Existenzen geht freilich die Rede. Pascha (Klaus Degenhardt) etwa, hat zwar leidenschaftlich gerne Geschichte studiert, dann aber ins einträglichere Metier des Türenpolsterers gewechselt.

Ein weiterer Gast trifft ein: Koka (Klaus Hirche), Grossonkel des Gastgebers. Seine im Haus aufbewahrten und in Séance-ähnlicher Runde vorgelesenen Liebesbriefe aus dem vorrevolutionären Russland beschwören eine (freilich geschönte) Liebesidylle herauf, die in sowjetischen Zeiten (angeblich) nicht mehr denkbar wäre.

Sowjetisches Zeitstück

Die Figuren in «Cerceau» sind noch von den bleiernen Jahren der Breschnew-Ära geprägt – Glasnost und Perestroika sind indes nicht mehr fern: Uraufgeführt wurde das Stück 1985, als Gorbatschow bereits an die Spitze der Sowjetunion gehievt worden war.

Mit «Cerceau» schrieb Slawkin ein zeitgenössisches, äusserst witziges und gescheites Stück – ist es aber seit dem Zerfall des sowjetischen Imperiums noch aktuell? Lässt es sich gar auf die gegenwärtige Schweiz münzen? Möglicher Antworten auf diese Fragen harrt man vergebens.
«Ich glaube, dass ein Theater, das so spielt, wie es lebt, ein gutes Theater ist», meinte Slawkin einmal. Von einem solch ehrgeizigen Anspruch auf authentisches Theater war man im Kornhaus am Premierenabend (noch) weit entfernt – möglich, dass damit das Ausbleiben der Antworten zu tun hat.
Oder liegt es vielmehr an den (zuweilen dürftigen) Spielmitteln, über die das unausgeglichen besetzte Ensemble verfügt, das Pathos zur Sentimentalität und beklemmende Erinnerung zur Nostalgie verkommen lässt? Urs Schaubs Schauspielerführung stellt einen in dieser Hinsicht keinesfalls zufrieden.

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