Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Sozialarbeit ist keine exakte Wissenschaft»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Nächste Woche geht der erste Sozialarbeiter des Sensebezirks in Pension. Vor 23 Jahren hat Hansueli Krummen bei der Gemeinde Düdingen die Stelle angetreten, der erste öffentliche Sozialdienst im Bezirk war geschaffen. «Die Gemeinde wuchs, es zogen aber nicht nur reiche Leute nach Düdingen, sondern auch hilfsbedürftige», sagt Krummen.

In den vergangenen Jahren hat sich der Sozialdienst in Düdingen verändert: War Krummen bis zum Jahr 2000 alleine für die Fälle zuständig, wurde dann eine zweite Person Teilzeit angestellt. Heute zählt das Sozialamt zwei Sozialarbeiter, einen Jugendarbeiter und eine kaufmännische Angestellte.

Der Sozialarbeiter hat Pionierarbeit geleistet–doch darüber spricht er nicht gross, vielmehr liegen ihm die aktuellen Themen der Sozialarbeit am Herzen.

Komplexere Fälle

«Die Sozialfälle haben massiv zugenommen», sagt Hansueli Krummen. Die Art der Fälle habe sich seit den Anfängen nicht verändert, jedoch deren Komplexität. «Heute kommen meistens mehrere Faktoren zusammen. Zum Beispiel eine Scheidung, ein Alkoholproblem und dazu noch ein Arbeitsstellenverlust.» Zugenommen hätten ausserdem die Zahl der Klienten mit psychischen Problemen. «Da stossen wir an unsere Grenzen und müssen die Menschen oft weiterleiten», sagt Krummen.

Doch obwohl der Sozialarbeiter seine Klienten nicht therapieren kann, tut er mehr, als nur Geld verteilen. «Sonst könnten wir ihnen auch einfach eine Karte für den Bancomat in die Hand drücken», sagt Krummen. «Sozialhilfe hat nicht nur mit Geld zu tun, sondern vor allem mit Menschenwürde.» Die allermeisten wären lieber nicht auf den Sozialdienst angewiesen, sagt er. «Wer Sozialhilfebezüger als Profiteure bezeichnet, tut vielen Unrecht.» Ihm sei es wichtig gewesen, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.

Pauschalverurteilungen

Gegen die Vorurteile gegenüber Sozialhilfebezügern musste sich Krummen oft wehren–am Stammtisch, aber auch in der Politik. Die Pauschalverurteilungen der Medien würden abfärben und niemandem helfen, sagt der Sozialarbeiter. «Viele haben das Gefühl, dass alle Arbeit finden, wenn sie es nur wollen. Aber das ist schlicht nicht wahr.» In letzter Zeit habe sich beispielsweise die Situation der Arbeitslosen über 50 verschärft. «Sie finden häufig nichts mehr, das ist wahnsinnig erniedrigend.»

Doch auch Schulabgänger hätten es nicht immer einfach. «Wenn jemand den Einstieg verpasst, wird es schwierig.» Krummen hält fest, dass der Sozialdienst die letzte Hilfe sei. Niemand komme direkt zum Sozialdienst, sondern erst, nachdem die Arbeitslosenversicherung oder eine andere Hilfe ausgeschöpft sei. «Wir sind das letzte Auffangnetz, wir müssen helfen.»

Hansueli Krummen kann nicht verstehen, dass Sozialhilfeempfänger ihre Bezüge zurückzahlen müssen. «Krankenkassenverbilligungen, Stipendien oder Ergänzungsleistungen sind auch existenzsichernde Leistungen, die muss niemand zurückzahlen.»

Gegenleistung gefordert

Bei gewissen Klienten habe Krummen manchmal das Gefühl gehabt, sie schütteln zu müssen, um sie aus ihrer Lethargie zu holen. «Es war nicht allen klar, dass sie das Geld nicht einfach so bekommen, sondern etwas dafür tun müssen.» Die Gegenleistung erfolgt gemäss Krummen in dem Ausmass, in dem es ihnen möglich ist. Einige müssen beispielsweise eine gewisse Anzahl Bewerbungen schreiben oder sich aktiv um eine bestimmte Arbeitsstelle bemühen. «Es war nicht immer einfach einzuschätzen, was die Leute verstehen und auch umzusetzen vermögen.»

Für seine Arbeit seien Pragmatismus und gesunder Menschenverstand notwendig gewesen. «Sozialarbeit ist keine exakte Wissenschaft, und viele Probleme lassen sich nicht einfach wie eine Mathematikaufgabe lösen.» Auch sei es wichtig, sich an kleinen Verbesserungen zu erfreuen. «Wenn die Situation eines Klienten stabil bleibt, ist das ein Erfolg.» Und es gebe durchaus Menschen, die es aus der Randständigkeit hinaus schafften. «Je kürzer die Dauer eines Sozialhilfebezugs, umso grösser die Chance, dass die Leute wieder hinausfinden.»

 «Mein Traumberuf»

Krummen wohnt in Düdingen und ist dort auch Mitglied in Dorfvereinen. Es sei für ihn nie ein Problem gewesen, wenn er Klienten in der Freizeit getroffen habe. «Es kam in den 23 Jahren zweimal vor, dass Klienten am Wochenende bei mir zu Hause auftauchten.» Grundsätzlich hätten die Klienten seine Privatsphäre aber gut respektiert.

Er habe meistens gut abschalten können, sagt Hansueli Krummen. Gelegentlich habe er eine schlaflose Nacht gehabt. «Vor allem als ich noch alleine auf dem Sozialdienst war, war es nicht immer einfach, weil ich mit niemandem sprechen konnte.» Trotz gelegentlichen Schwierigkeiten: «Ich hatte mit der Stelle in Düdingen meinen Traumberuf gefunden.» Die Vernetzung mit anderen Gemeindediensten und die Abwechslung habe ihm gut gefallen. Und er sei sehr kontaktfreudig. Mit seinen Klienten musste er sich in verschiedensten Sprachen verständigen. «Ich habe Sprachen gesprochen, von denen ich nicht wusste, dass ich sie beherrsche.»

Zur Person

Als Primarlehrer und im Strafvollzug gearbeitet

Der heute 63-jährige Hansueli Krummen ist ursprünglich Primarlehrer. Nach siebenjähriger Unterrichtstätigkeit arbeitete er während zwei Jahren im Strafvollzug im Berner Gefängnis Witzwil. Danach war er während zehn Jahren bei der reformierten Pfarrei in Freiburg tätig und liess sich berufsbegleitend zum Sozialarbeiter ausbilden. 1990 trat er die Stelle in der Gemeinde Düdingen an. Zu Beginn nahm er neben seiner Tätigkeit als Sozialarbeiter auch noch Aufgaben im kulturellen Bereich wahr und war stellvertretender Zivilstandsbeamter. Auch war das Arbeitsamt eine Zeit lang noch dem Sozialamt angegliedert. Als das Düdinger Sozialamt personell erweitert wurde, übernahm Hansueli Krummen dessen Leitung. Zu den Aufgaben des Sozialamtes gehört auch die sogenannte Gemeinwesensarbeit. Dort initiierte Krummen etwa ein Altersleitbild, war bei der Umsetzung eines Konzepts für die ausserschulische Betreuung engagiert oder half bei der Entwicklung eines Angebots für arbeitslose Jugendliche mit.mir

Meistgelesen

Mehr zum Thema