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Sozialen Firmen fehlt die Anerkennung

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Das Förderprogramm der Guglera für schwer übergewichtige Jugendliche erhält weniger finanzielle Unterstützung: Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco senkt seine Beiträge aufs neue Jahr massiv. Da zudem die Invalidenversicherung, die Sozial- und Gesundheitsdienste der Kantone oft auch nicht für die Jugendlichen bezahlen wollen, können einige Betroffene nicht am Programm teilnehmen. Die Guglera AG musste deshalb Leute entlassen, die für das Adipositas-Programm arbeiteten (FN vom 19. November).

Die Guglera mit dem Direktor Beat Fasnacht gehört zum Bereich des «Social Entrepreneurship»: Das sind Unternehmen, die zuallererst ein soziales Ziel haben; sie wollen einem sozialen Bedürfnis in der Gesellschaft nachkommen und übernehmen so oftmals Aufgaben des Staates. Beispielsweise Arbeitslose wieder in den Berufsalltag integrieren, mit ehemaligen Abhängigen arbeiten oder eben schwer übergewichtige Jugendliche fit für den Arbeitsmarkt machen. «Trotz ihres sozialen Anliegens sollten solche Institutionen unternehmerisch erfolgreich sein, also zum Beispiel ein Einkommen haben», sagt Laurent Houmard, Dozent an der Hochschule für Wirtschaft Freiburg.

 Keine klare Definition

Im Kanton Freiburg gibt es verschiedenste Institutionen, die als soziale Unternehmen bezeichnet werden können: zum Beispiel die Zig-Zag-Läden des Roten Kreuzes, Ritec, Applico, aber auch die Créperie Sucrésalé oder das Zentrum für sozioprofessionelle Integration CIS. «Das Feld ist unglaublich breit», sagt Houmard. Und das nicht nur, was die Tätigkeiten der Institutionen angeht, sondern auch, was ihre Rechtsform betrifft: Einige sind Stiftungen, andere Vereine oder Aktiengesellschaften wie die Guglera. Eine klare Definition und eine vorgegebene Rechtsform für «soziale Unternehmen» gibt es in der Schweiz nicht. In Belgien oder Frankreich beispielsweise ist das anders, dort gibt es eine spezielle Rechtsform für soziale Unternehmen.

Die Institutionen beschaffen sich auch auf unterschiedliche Art Geld: Einige leben vollständig von Subventionen, die sie von Bund oder Kanton erhalten. Andere bekommen Spenden, und einige leben wie ein klassisches Unternehmen vom Gewinn, den sie durch ihre Aktivität oder ihre Produkte erzielen–so die Créperie Sucrésalé. Und viele haben eine Mischform: Sie erzielen durch ihre Produkte Gewinn und werden gleichzeitig von aussen unterstützt.

Viele Vorurteile

Gegenüber Unternehmen mit einem sozialen Anliegen gebe es auf dem Arbeitsmarkt immer noch sehr viele Vorurteile, sagt Laurent Houmard. Ihnen würde unlauterer Wettbewerb vorgeworfen, gerade weil sie teilweise von der öffentlichen Hand unterstützt werden. «Dabei haben viele keine solche Unterstützung. Und selbst wenn, die Führung des Unternehmens ist oftmals viel komplexer.» Weil die Klientel weniger klar eingegrenzt sei, weil Mitarbeiter beispielsweise Teil eines Wiedereingliederungsprogramms seien, und so weiter.

Ein weiteres Vorurteil sei, dass den sozialen Unternehmern das gewinnorientierte Denken fehle und sie deshalb nicht gut mit den Geldern umgehen. Aber auch das stimme meist nicht: «Die grosse Mehrheit sozialer Unternehmer sind sehr innovativ und können auf dem Markt bestehen.» Houmard hält auch fest, dass soziale Unternehmensformen immer bedeutender werden, zumal sie oft Aufgaben übernehmen, die in der Gesellschaft ein Bedürfnis sind.

Beim Guglera-Programm schwindet die Unterstützung dennoch: Das Seco senkt die Beiträge, weil es sich nur für die arbeitsmarktlichen Massnahmen, nicht aber für die medizinische Therapie verantwortlich sieht. Das Volkswirtschaftsdepartement des Kantons Freiburg unterstützt das Programm nicht, da es sich an Jugendliche aus der ganzen Schweiz richtet, und das Gesundheitsdepartement unterstützt lediglich einzelne Freiburger Jugendliche.

Beat Fasnacht: «Ich plane eine Demo in Bern»

I m FN-Interview spricht Beat Fasnacht über die Schwierigkeit, für stark übergewichtige Jugendliche Unterstützung in Gesellschaft und Politik zu finden.

Herr Fasnacht, ist es möglich, mit Ihrem Adipositas-Programm Gewinn zu erzielen?

Nein, das ist nicht möglich. Aber ich generiere mit meinen anderen Firmen Gewinn, der teilweise in das Programm fliesst. Aber das ist schon rein rechtlich nur begrenzt möglich. Wenn ich diese Gewinne jedoch nicht investiert hätte, hätte ich das Adipositas-Programm gar nicht starten können. Das Geld floss beispielsweise in die Infrastruktur.

Und jetzt stossen Sie an Ihre Grenzen?

Ja, und das in zweierlei Hinsicht. Ich habe persönlich viel Geld in die Guglera investiert, das ist aufgebraucht. Und wenn nur noch zehn Jugendliche am Adipositas-Programm mitmachen, aber ich Personal für die Betreuung von zwanzig Jugendlichen habe, dann geht das nicht mehr auf.

Rudolf Merkle von der HSW rät Ihnen, sich besser zu vermarkten, damit auch private Unternehmen Geld in das Programm investieren.

Ich habe diesbezüglich in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen. Ich war in Kontakt mit Fundraising-Experten, wir haben unsere Homepage neu gestaltet und unser Erscheinungsbild aufgebessert. Aber die Frage ist doch: Wie werden Jugendliche mit starkem Übergewicht wahrgenommen?

Wie werden sie denn wahrgenommen?

Sie werden nicht angesehen als Jugendliche mit Schwierigkeiten. Die Leute denken vielmehr, dass die jungen Leute selbst schuld sind an ihrem Übergewicht. Aber das stimmt nicht. Die Jungen bei uns haben meist einen langen Leidensweg hinter sich und sind sozial und beruflich ausgegrenzt. Sobald sie abnehmen, wird deutlich, welche Talente in ihnen stecken. Es sind Jugendliche, die eine Chance verdient haben.

Das Gesundheitsdepartement hat letzte Woche gesagt, es könne die Guglera nicht unterstützen, da sie eine AG und keine Stiftung ist. Könnten Sie denn nicht die Rechtsform ändern?

Das ist ein Witz. Ich habe noch nie um Geld für das Programm gebeten. Aber der Kanton weist Jugendliche, die zu uns kommen möchten, ab, mit der Begründung, dass diese zu Hause nicht abnehmen konnten. Das ist das Problem. Adipöse Jugendliche schaffen es nicht, alleine abzunehmen, sie brauchen eine stationäre Therapie.

Was wäre denn Ihre Forderung an den Kanton?

Ich biete eine Dienstleistung an; wenn der Kanton diese beansprucht, bezahlt er dafür. Aber niemand will Verantwortung übernehmen. IV, Sozialamt und so weiter schieben sie sich gegenseitig zu. Wenn ein Jugendlicher jedoch statt bei uns in einer Psychiatrie landet oder etwa ein Magenband einsetzen lassen muss, dann kostet das viel mehr. Aber so funktioniert nun mal unser System.

Resignieren Sie?

Nein, auf keinen Fall. Ich plane eine Demo mit übergewichtigen Menschen vor dem Bundeshaus; die Politiker müssen die Problematik ernst nehmen. mir

Programm: Wirkung ist erwiesen

D as Programm für schwer übergewichtige Jugendliche der Guglera brauche breitere Unterstützung, sagt Rudolf Merkle, Dozent für Kommunikation an der Hochschule für Wirtschaft. Nicht nur durch die öffentliche Hand, sondern auch durch private Unternehmen. Dazu solle das Institut sein Programm besser vermarkten, damit Unternehmen dessen Unterstützung als Image-Steigerung ansehen.

Das Adipositas-Programm der Guglera kann im internationalen Vergleich bestehen. Das zeigt eine Auswertung der Universität Ulm in Deutschland. Sie stellt ein Dokumentationsprogramm zur Verfügung, in das rund hundert Institutionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die auf die Behandlung von Jugendlichen mit starkem Übergewicht spezialisiert sind, Daten ihrer Patienten eintragen. So zum Beispiel das Gewicht, Blutzucker- und Blutdruckwerte und andere medizinische Angaben. «Die Jugendlichen haben oftmals eine gan- ze Reihe an Begleiterkrankungen. Die gilt es zu erfassen, zu überwachen und zu behandeln», sagt Hans-Peter Roost, Experte in medizinischer Forschung und bei der Guglera zuständig für die medizinische Evaluation.

Zweimal jährlich wertet die Uni Ulm die anonymisierten Daten aus, so dass sich die Institutionen miteinander vergleichen können. Das Programm der Guglera schneidet jeweils erfolgreich ab: Bei der medizinischen Beratung liegt es im Durchschnitt, bei der psychologischen Beratung an 13. Stelle und bei der Bewegungstherapie sogar an drittbester Stelle. Bei der gesamten Betreuung der Patienten liegt das Sensler Adipositasangebot an viertbester Stelle.

«Das Guglera-Programm ist auch im internationalen Vergleich einzigartig», sagt Roost. Denn das Programm verbinde die medizinische, gesundheitliche Therapie mit psychologischer und sozialer Betreuung sowie der beruflichen Förderung, so dass nach dem Aufenthalt in der Guglera den Jugendlichen oft der Einstieg in die Berufswelt gelinge. «Sie brauchen eine Perspektive, damit sie auch längerfristig ihr Gewicht halten können», sagt Roost. «Es ist erstaunlich, welche positive Entwicklung sie in der Guglera durchmachen.» mir

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