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«Spielraum für bis zu 130 Poststellen»

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Welche Dienstleistungen der Post nützen Sie persönlich als Kunde?

Urs Schwaller: Ich habe zwei Postfächer, eines in Tafers und eines bei der Hauptpost in Freiburg. Ich schreibe relativ viele Briefe, etwa 50 bis 60 pro Monat. Dann nutze ich natürlich die Paketpost und Postfinance. Auch erhalte ich pro Woche zwei grosse blaue Kisten mit Dossiers. Das heisst, ich bin wahrscheinlich ein sehr guter Postkunde. Zudem bin ich ein Fan von Briefmarken. Heute hätte man ja die Möglichkeit, anders zu frankieren.

Hat sich Ihr Verhalten als Postkunde in den letzten Jahren wesentlich geändert?

Sehr stark, ja. Begonnen bei den Postfächern: Da nehme ich längere Öffnungszeiten in Anspruch, in Tafers gar 24 auf 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Für die Zustellung habe ich eine Lösung gefunden, bei der man mir alles deponiert. Für die Pakete benutze ich eine zusätzliche Ablage. Eine grosse Änderung sind natürlich E-Mails: Ich schreibe Hunderte pro Monat. Das waren früher alles Briefe. Für die Einzahlungen ging ich früher immer an den Schalter; heute mache ich das elektronisch von Konto zu Konto. Das hat sich in den letzten zehn Jahren grundsätzlich verändert, vor allem seit es das iPhone gibt.

Deckt das Angebot der Post heute das ab, was Sie als Kunde erwarten?

Ja, bei weitem. Wenn ich will, kann ich alles physisch erledigen. Die Post hat eine hohe Pünktlichkeit: Ich hatte bei A- und B-Briefen bis heute noch nie ein Problem. Das Angebot entspricht dem, was ich heute beruflich und privat nutze.

Die letzten Wochen und Monate hat die Post informiert, wie das Poststellennetz künftig in jedem Kanton aussehen soll. Es gab jeweils viele Reaktionen darauf. Wie erlebten Sie diese Zeit?

Wir reden ja nicht von etwas Neuem. Die älteste Agentur der Schweiz in Oberbalm bei Niederscherli ist seit zwölf Jahren in Betrieb. Wir haben heute bereits über 900 Agenturen, davon 300 in Volg-Läden. Wir sind mit diesem Thema aber viele Jahre unter dem Radar geflogen; das heisst, wir wandelten Poststellen um, ohne viel darüber zu sprechen. Das hat sich geändert: Vor einem Jahr fällten wir im Verwaltungsrat bewusst den Entscheid, dass wir klar sagen, was wir in den vier Jahren bis 2020 mit den Poststellen machen. Am Schluss dieses Prozesses wollen wir 800 bis 900 Poststellen und bis zu 1300 Postagenturen haben. Es wird keine ersatzlose Schliessung irgendeiner Poststelle geben. Wir bieten überall eine Ersatzlösung an; niemand in diesem Land bleibt ohne Post. Und für die 1200 Mitarbeitenden, die durch diese Änderungen betroffen sind, suchen wir Lösungen.

Kantone und Gemeinde reagierten darauf zum Teil vehement.

Ebenso klar wie über das Poststellennetz haben wir kommuniziert, dass wir in zwei Runden mit den Kantonen, und in einer dritten Runde, nach Abschluss der Kantonsgespräche, mit den Gemeinden diskutieren. Daraufhin kam ziemlich viel Hektik auf. Zum Teil wurde das auch durch Karten verursacht, die nicht abgesprochen waren und zum Teil auch nicht stimmen. Diese Karten enthielten viele Informationen, die nicht unrichtig waren.

«Wir haben jährlich einen Rückgang von bis zu fünf Prozent bei Briefen, Paketen und Einzahlungen.»

Urs Schwaller

Post-Verwaltungsratspräsident

Von wem kamen diese Karten?

Von einer Gewerkschaft. Das war für den ganzen Dialog sicher nicht förderlich. Wir suchten den Kontakt mit den Kantonen und Gemeinden, und wir organisierten für die Bevölkerung Informationsveranstaltungen. Das ist erstmalig.

Die Umwandlung des Poststellennetzes ist also angelaufen und für die nächsten vier Jahre definiert. Geht dieser Prozess danach so weiter?

Es ist absolut nicht geplant, dass wir 2021 wieder neu darüber diskutieren. Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass danach die Poststellen und Agenturen dann ein Netz von 2200 physischen Zugangspunkten bilden werden. Erst ein paar Jahre später dürften wir die Situation wieder neu analysieren. Wir wollen kein Modell wie in Deutschland oder Holland einführen, wo es nur noch Agenturen gibt. Wir planen die Zukunft mit einer Mischung zwischen Poststellen im traditionellen Sinn und Agenturen.

Es wird also eine länger­fristige Lösung sein?

Die Entwicklung geht weiter. Wir haben am Schalter pro Jahr momentan einen Rückgang von mindestens fünf Prozent bei den Briefen, Einzahlungen und Paketen. In zehn Jahren ist das rund die Hälfte. Das führt dazu, dass wir uns anpassen müssen, wenn die Nachfrage nicht mehr da ist.

Sind die Emotionen, die aufgekommen sind, ­nachvollziehbar?

Ja, ich verstehe, dass es Reaktionen gab. Unser Vorgehen war in den letzten Jahren nicht immer optimal. Tatsächlich habe ich sehr viele Reaktionen erhalten, aber nur wenige Personen sagten mir, wir gingen den falschen Weg. Meistens hörte ich, es gehe zu schnell, es brauche mehr Zeit. Aber das Agenturmodell bewährt sich. Wir haben Agenturen in Dorf­läden, Gemeindebüros und sogar in Hotels mit längeren Öffnungszeiten. Das ist natürlich praktisch.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Post bei den Agenturen die Kontrolle über ihre ­Kernaufgabe abgibt?

Ich stelle immer wieder fest, dass viele Leute nicht wissen, was eine Postagentur alles anbietet. Die Kernaufgaben bleiben gewährleistet. Auf der Agentur kann ich einen Brief oder ein Paket abgeben, Marken kaufen, den Brief einschreiben und als A- und B-Post aufgeben. Man kann sich bis 500 Franken auszahlen lassen. Einzahlungen sind mit dem gelben Büchlein und allen gängigen Debitkarten möglich. Was da nicht geht, sind zum Beispiel die Aufgabe von Express-Briefen und -Paketen ins Ausland oder das Abholen von Betreibungsurkunden. Und wir können auch keine Bareinzahlungen anbieten, wegen des Geldwäschereigesetzes. Würde die Politik uns die Bareinzahlung befehlen, wäre das der Tod der Agentur.

Kann die Post bei Agenturen die Qualität garantieren?

Ja, absolut. Wir führen das Personal der Agenturen entsprechend ein. Das Briefgeheimnis und das Postgeheimnis gelten auch in der Agentur. Den Personen, die dort arbeiten, kann man vertrauen. Sie machen ja in ihrem Geschäft von der Bestellung bis über die Kasse auch alles selber.

Wie entscheidend sind die Finanzen?

Das Poststellennetz ist hoch defizitär: Es bringt ein jährliches Defizit von rund 180 Millionen Franken. Es ist weder meine Absicht noch die des Verwaltungsrats, dieses Defizit auf null zurückzubringen. Wir können ein Defizit im Sinne der Grundversorgung sicher übernehmen. Aber dieses Defizit darf nicht Jahr für Jahr anwachsen.

Wie hoch wird das Defizit sein, wenn der Umbau des Poststellennetzes erfolgt ist?

Ich gehe davon aus, dass wir mindestens das Defizit auf dem jetzigen Niveau stabilisieren können. Es geht nicht darum, eine schwarze Null zu schreiben.

Sie wurden kürzlich zitiert, dass Brieftarife zu billig seien und 2019 erhöht werden sollen.

Das ist gar keine Neuigkeit. Schon zu Anfang Jahr haben wir kommuniziert, die Preise für die A- und B-Post seien ein Diskussionsthema: Sie wurden seit 2004 nicht mehr erhöht. Der Privatbrief ist stark defizitär. Wir müssen uns aber mit dem Preisüberwacher absprechen, und die Zuständigkeit für den Entscheid liegt beim Bundesrat.

«Noch nie hat eine Gemeinde mit einer Agentur verlangt, zum alten Modell zurückzukehren.»

Urs Schwaller

Post-Verwaltungsratspräsident

Nach welchen Kriterien legt die Post ihr ­Poststellennetz fest?

Wir haben die Zahl von 800 bis 900 Poststellen definiert. Dazu gehören Kantonshaupt­orte, Bezirkshauptorte, Siedlungsschwerpunkte, Entwicklungsschwerpunkte, Orte mit grossen Pendlerströmen. Dazu haben wir mit jedem Kanton zweimal gesprochen, ihnen unsere Karte gezeigt und gefragt, ob wir die Lage in den einzelnen Regionen richtig einschätzen und ob sie dazu eigene Vorschläge haben. Wir haben heute 765 Poststellen, über die wir nicht mehr diskutieren: Sie bleiben. Um auf bis zu 900 Poststellen zu kommen, bleibt also ein Spielraum von 130 bis 140 Poststellen. Jetzt reden wir mit den Gemeinden. Diese Phase dauert bis Ende 2020. Pro Jahr gibt es gegen 120 Gespräche, und da haben wir diesen Handlungsspielraum. Dazu sind die Gemeinden jetzt gefordert mit Argumenten zu rechtfertigen, warum ihre Poststellen erhalten bleiben sollen.

Von verschiedener Seite kam die Idee auf, Gemeinden könnten sich finanziell beteiligen, um ihre Poststelle zu behalten. Kann die Post auf solche Angebote eingehen?

Wir haben das nie eingehend diskutiert. Aber ich habe dazu eine klare Haltung. Die Post investiert im Jahr 400 Millionen Franken in die Grundversorgung. Alle Poststellen müssen bestimmten Kriterien entsprechen und mit den Bedürfnissen der Kunden übereinstimmen. Poststellen aufrechtzuerhalten, wo die Gemeinde mitbezahlt, überzeugt mich nicht. Das ist nicht korrekt gegenüber kleineren und finanziell schwächeren Gemeinden. Das kann es nicht sein.

Oft dient eine Poststelle als Treffpunkt für die ­Dorfbevölkerung.

Gerade im Kanton Freiburg gab es in den letzten Jahren viele Fusionen. Man hat dort auch nicht in jeder früheren Gemeinde ein Gemeindebüro weiterbetrieben. Vielerorts bleibt die Post in einem Dorf noch als Letztes. Ich glaube, die heutige Lösung mit Agenturen erlaubt es, in den Dörfern überhaupt noch einen Ort zu bewahren, wo man zusammenkommt.

Findet die Post genügend Partner für ihre Agenturen?

Es gibt sicher Fälle, wo man niemanden findet. Aber im Grossen und Ganzen finden wir eine Lösung. Die Anfragen übersteigen die Zahl der zu vergebenden Agenturen. Die Agenturen sind offensichtlich attraktiv: Noch nie hat eine Gemeinde mit einer Agentur verlangt, zum alten Modell zurückzukehren.

90 Prozent der Bevölkerung muss zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr in 20 Minuten einen Brief aufgeben und in 30 Minuten eine Zahlung ausführen können. Wie geht die Post mit dieser Vorgabe um?

Die Erreichbarkeitskriterien sind bekannt und gesamtschweizerisch ausgelegt. Wir müssen eher aufpassen, dass wir am Ende nicht zum Schluss kommen, dass für unser Angebot keine genügende Nachfrage besteht. Die Post hat einen flächendeckenden Auftrag und leistet gar eine Überversorgung. Im europäischen Vergleich haben wir das dichteste Netz mit über 4000 Zugangspunkten, 15 000 gelben Briefkästen und einen Hausservice für 300 000 Häuser.

Das Parlament will trotzdem mitreden…

Das Parlament bestimmt; die Post gehört zu 100 Prozent dem Bund. Wir suchen Lösungen, die finanziell tragbar sind. Das heutige Defizit im Poststellennetz müssen wir jedes Jahr irgendwie auffangen. Und wenn das Parlament etwas anderes will, muss es auch sagen, wie das zu finanzieren ist. Anstatt Diskussionen Ortschaft für Ortschaft hätte ich lieber, dass das Parlament definiert, welche Art von Grundversorgung es für die Schweiz will. Verheerend ist meiner Meinung nach, dass von einem Moratorium gesprochen wird. Ein Solches schafft keine Lösungen, sondern bedeutet, dass über ein paar Jahr überhaupt nichts mehr geschieht. Da wird ausgeblendet, dass wir uns zu 90 Prozent im freien Markt bewegen. Die Grundversorgung aber bezahlt die Post ganz alleine. Stillstand würde uns mittelfristig Tausende von Arbeitsplätzen kosten, weil in der Zwischenzeit die Konkurrenz dieses Geschäft betreibt. Der Schweizer Markt ist finanziell ein interessanter Markt.

Poststellennetz

Weniger Postämter, mehr Agenturen und Hausservice

Seit Anfang Jahr teilte die Post etappenweise pro Kanton mit, wie es weitergeht. Nun ist die erste Überprüfung abgeschlossen. Laut Post sind 765 Poststellen in der ganzen Schweiz zumindest bis ins Jahr 2020 gesichert. Weitere 459 Filialen will die Post weiter überprüfen und danach über deren Zukunft entscheiden. Zusätzlich will sie 360 neue Zugangsmöglichkeiten schaffen. Damit gebe es mehr Zugangspunkte als je zuvor, jedoch nicht mehr alle im herkömmlichen Sinne. Am meisten vom Umbau betroffen sind Bergkantone wie Graubünden.

Vor drei Wochen teilte der Gelbe Riese auch mit, wie das Netz im Kanton Freiburg künftig aussehen soll: Die Post will bis 2020 insgesamt 24 der 56 Freiburger Postämter schliessen. Betroffen sind unter anderem die Poststellen in Gurmels, Courtepin, Giffers und St. Antoni sowie im Freiburger Burgquartier und in Villars-sur-Glâne Les Dailles.

Agenturen bauen Angebot aus

Die Post setzt bei ihrem Umbau hauptsächlich auf das Agenturmodell. Bis 2200 sollen 1300 davon in Betrieb sein. 97 Prozent der postalischen Dienstleistungen könne die Kundschaft bei einer Agentur erledigen, teilte die Post im Juni mit. Beispielsweise habe die Post Massensendungen und Abholungen für KMU wieder in die Dienstleistungen der Agenturen aufgenommen.

In Orten, wo es nur Agenturen gibt, werde die Post ab September 2017 die Bareinzahlung an der Haustüre anbieten, so Urs Schwaller gegenüber den FN. Mit dem Hausservice, My-Post-24-Automaten und Aufgabe- und Abholstellen werde die Post ihr Netz sogar auf 4200 Zugangsmöglichkeiten ausbauen.

Die Forderungen vonseiten der Politik gehen aber weiter. Das Parlament verlangt in einer Motion, dass die Post in allen ganzjährig bewohnten Siedlungen zugestellt wird. Heute kann sie nämlich auf eine Zustellung verzichten, wenn eine Siedlung aus weniger als fünf Häusern auf einer Hektare besteht oder wenn der Weg zu einem Haus länger als zwei Minuten dauert.

Jobbörse für Mitarbeiter

In den Randregionen arbeiten insgesamt 18 000 Mitarbeitende bei der Post. Vom Wandel betroffen seien rund 1200 Mitarbeitende. Die Post hat den Vorteil, dass sie ein grosses Unternehmen ist. Über Pensionierungen werden viele Stellen frei. Mit den Betroffenen können diese Stellen neu besetzt werden, insofern sie den Wechsel mitmachen.

Die Post hat auch eine interne Jobbörse errichtet. Über sie können die betroffenen Angestellten beispielsweise auch Schnuppertage in anderen Gebieten absolvieren. Die Post wolle ihre soziale Verantwortung wahrnehmen, kommunizierte das Unternehmen Ende Juni.

uh/sda

 

 

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