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Spitalfinanzen laufen aus dem Ruder

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«Bis vor zwei Jahren konnte das Freiburger Spital positive Rechnungsabschlüsse vorweisen. Wir wussten, dass es zu einer Verschlechterung kommen würde. Nun wurden wir aber überrascht, wie schnell diese Verschlechterung eingetreten ist.»

Verwaltungsratspräsident Philippe Menoud sagte deshalb gestern an einer Medienkonferenz des Freiburger Spitals (HFR), er sei enttäuscht über den schlechten Rechnungsabschluss 2017. Statt eines budgetierten Verlusts von 7,9 Mil­lio­nen Franken resultierte nun ein solcher von 14,5 Millionen Franken.

Wenn das kumulierte Defizit drei Prozent des Gesamtaufwandes des Spitalbetriebs übersteigt, ist das HFR per Gesetz verpflichtet, Sanierungsmassnahmen zu ergreifen. Mit einem Aufwand von rund 460 Millionen Franken liegt die Drei-Prozent-Grenze bei 14 Millionen. Zusammen mit dem letztjährigen Defizit von 7,1 Millionen Franken liegt das HFR nun um mehr als die Hälfte über diesem Grenzwert.

Marc Devaud, Generaldirektor ad interim (links) und Verwaltungsratspräsident Philippe Menoud.
 

Als Folge davon hat das HFR gestern verschiedene Sanierungsmassnahmen angekündigt, so die Einstellung der Operationstätigkeit am Standort Riaz nachts von 19.30 Uhr bis 7.30 Uhr, die Konzentration der Sterilisierung in Freiburg und die Senkung der durchschnittlichen Aufenthalts­dauer (siehe Kasten unten).

«Tarife helfen uns nicht»

Das Betriebsergebnis 2017 ist noch in einer weiteren Hinsicht problematisch. Zehn Prozent müssten jährlich beiseitegelegt werden, um künftige Investitionen wie den Neubau am Standort Bertigny zu finanzieren. 2017 konnten aber bloss 0,38  Prozent zurückgelegt werden.

Marc Devaud, Generaldirektor ad interim, betonte, dass das HFR die Ausgabenseite weitgehend im Griff habe. Als Beispiel dafür nannte er den Personalbestand, der 2017 um 91 Vollzeitäquivalente zunahm, der Personalaufwand aber um rund 2 Millionen Franken unter dem Budget lag.

Die Furcht vor Fakten ist eine schlechte Ratgeberin – Kommentar von Urs Haenni.

«Uns fehlen die Einnahmen», sagte Devaud. «Wir nehmen Einsparungen vor, aber die Tarife helfen uns nicht.» Dabei nannte er in erster Linie den stationären Bereich, der zwar mehr Patienten, aber auch ein höheres Defizit brachte. Devaud zeigte auf, dass der Basispreis pro Fall von 10 070 Franken im Jahr 2012 auf 9825 Franken im letzten Jahr zurückgegangen ist. Die ambulanten Fälle entwickelten sich für das HFR erfreulich, doch auch da zeige die Tendenz bei den Tarifen nach unten, so Devaud.

Wie schwierig die Budgetierung ist, illustrierte Philippe Menoud anhand des Case Mix Index. Dieser ist eine Berechnungsbasis für die Schwere der behandelten Fälle, wobei ein Wert von 1 den Durchschnitt darstellt. «Jede Abweichung von 0,01 bedeutet fast zwei Millionen Franken weniger Einnahmen», so Philippe Menoud. «Letztes Jahr lag dieser Wert am HFR bei 1,04.»

Hilfe bei Investitionen?

Menoud äusserte sich an der gestrigen Medienkonferenz nicht zu einem vorgestern publik gewordenen vertraulichen Bericht und über die Forderung des Verwaltungsrats nach einer Loslösung der HFR-Mitarbeiter aus dem Staatspersonalgesetz. «Wir warten nicht auf eine Intervention des Staatsrats», so Menoud. «Wir müssen unsere Probleme selber regeln.» Er vertraue auf den Effekt der Sparanstrengungen und erwarte weitere Impulse aus der Arbeit einer 2017 gegründeten Taskforce für Massnahmen zur Effizienzsteigerung sowie aus einer Expertise des Finanz­inspektorats (die FN berichteten).

Das schreibt unser Blogger Felix Schneuwly zu diesem Thema.

Der Staat könnte sich zumindest teilweise an den künftigen Investitionen des HFR beteiligen, fügte Menoud aber hinzu. «Wir haben beim Staatsrat eine gewisse Bereitschaft bezüglich der Investitionen festgestellt.

Der Präsident betonte, dass das HFR seit 2012 rund 110 Millionen Franken investiert und sowohl für den Neubau wie auch für das Gebäude des Master-Studiums das Terrain geebnet habe.

Zahlen und Fakten

Mehr ambulante Behandlungen

Bei einem Aufwand von 461 Millionen Franken schliesst die Jahresrechnung des HFR mit einem Defizit von 14,5 Millionen Franken. Der Ertrag nahm um 2,6 Millionen Franken zu, der Aufwand um 11,2 Millionen. Im ambulanten Bereich verzeichnete das Spital 485 000 Behandlungen (plus 3,3 Prozent), die stationären Aufenthalte stiegen um ein Prozent auf 19 438. Der Personalbestand wuchs um 112 Personen (91 Vollzeitäquivalente) auf 3473 Mitarbeiter an. 31 Stellen entstanden am HFR Tafers.

uh

Sparmassnahmen

Nur eine Operation jede dritte Nacht in Riaz

Bereits vor einigen Monaten zeichnete sich ab, dass das Defizit des Freiburger Spitals 2017 höher ausfallen würde als budgetiert. Damals war die Rede von einem Fehlbetrag von zehn bis zwölf Mil­lionen Franken. Eine Taskforce mit Vertretern aus der Ärzteschaft und aus dem Direktionsrat nahm schon Ende 2017 ihre Arbeit auf, um Massnahmen zur Sanierung der Finanzen aufzuzeigen.

Als erste Schritte schlug die Taskforce folgende Punkte vor: die Verbesserung der Fakturation durch bessere Leistungserfassung sowie Fortschritte in der Digitalisierung, die restriktive Handhabung von neuen Stellen, eine Attraktivitätssteigerung sowie verbesserte Abläufe.

Nun stehen weitergehende Sparmassnahmen an. Das HFR hat den Entscheid gefasst, den Operationstrakts am HFR Riaz ab Herbst nachts von 19.30  Uhr bis 7.30 Uhr zu schliessen. Der Notfall bleibt aber rund um die Uhr geöffnet. Notfallmässige Operationen werden in Zukunft nachts nach Freiburg verlegt, weniger dringende Fälle anderntags in Riaz operiert. Ein Teil des Personals werde in Freiburg eingeteilt, zudem stünden natürliche Abgänge an, so dass die Massnahme keine Entlassungen zur Folge habe, hiess es an der gestrigen Medienkonferenz. Der interimistische Generaldirektor Marc Devaud sagte, dass 2017 nachts in Riaz bloss 120 Operationen stattgefunden haben, also jede dritte Nacht eine Operation. Die Nachtschicht machte aber in Riaz einen Drittel der Personalkosten für die Chirurgie aus, nämlich rund eine Million Franken.

Die Chirurgie in Riaz ist aber nicht gefährdet. Im Gegenteil: Der Operationsblock wird rundum erneuert.

Bereits länger ist bekannt, dass die Sterilisierungsarbeiten am Standort Kantonsspital Freiburg zusammengefasst werden. Eine neue Infrastruktur wurde dort Ende 2017 in Betrieb genommen, dafür werden die Sterilisationen in Tafers und in Riaz aufgehoben. In Tafers kann sich das Personal vermehrt auf seine Kernaufgaben bei Operationen konzentrieren, das Personal von Riaz wird in Freiburg weiterbeschäftigt.

Sparpotenzial hat das HFR auch bei der Aufenthalts­dauer stationärer Patienten geortet. In Freiburg betrug diese im Schnitt 7,37 Tage, die Zielsetzung der Schweizer Spitäler beträgt aber 5,6 Tage. Der Ärztliche Direktor ad interim, Johan­nes Wildhaber, sagte, der Patientenfluss solle verbessert werden. So werden seit Ende 2017 Patienten um 10 Uhr, statt erst um 12 Uhr oder noch später entlassen. Die Betten würden somit früher frei, was auch Staus bei der Notaufnahme löse. Die Massnahme zeigt bereits Erfolg: Seit der Änderung ist die Aufenthaltsdauer auf 6,79 Tage zurückgegangen.

Weiter möchte das HFR die Zahl der Pflegetage jener Pa­tien­ten verringern, die im Spital auf einen Heim- oder Rehabilitationsplatz warten.

uh

 

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