Yannick Rathgeb 26.06.2015

Bereit für das Männerhockey

«Wenn du im Sommer nicht gut trainierst, bist du im Winter nicht bereit», sagt Gottérons Verteidiger Yannick Rathgeb.
Er hat noch kein Spiel in der NLA bestritten und ist dennoch ein Hoffnungsträger: Gottérons neuer Verteidiger Yannick Rathgeb. Der 19-jährige Langenthaler spricht in den FN über das Sommertraining, seine Entwicklung in Übersee und die Rolle, welche er bei Freiburg einnehmen will.

Anders als im letzten Sommer, als Melvin Nyffeler der einzige neue Spieler gewesen war, der mit Gottéron das Sommertraining bestritten hatte, machen diesmal diverse Neulinge die Saisonvorbereitung der Freiburger mit. So stemmte am vergangenen Dienstagmorgen neben Zuzügen wie Benjamin Neukom, Luca Camperchioli oder Flavio Schmutz auch Yannick Rathgeb die Eisen im TC Center in Freiburg.

Rückkehr kein Rückschritt

Der 19-jährige Langenthaler spielte in den zwei letzten Jahren in der Ontario Hockey League–einer der drei nordamerikanischen Junioren-Ligen–für die Plymouth Whalers. Ende März erzielte Rathgeb, der die Schweizer U20-Nationalmannschaft bei der letzten WM als Captain angeführt hatte, das letzte Tor für die Franchise der Whalers, die nach Flint verkauft wurden und aus denen die Firebirds wurden. Gleichzeitig war es für den Verteidiger (vorerst) sein letzter Treffer in Übersee. 2013 von den Elite-Junioren der SCL Tigers mit der Hoffnung auf eine NHL-Karriere ausgezogen, kehrt Rathgeb nun mit einem Zweijahresvertrag bei Gottéron in die Schweiz zurück. Als einen Rückschritt will er dies jedoch nicht verstanden haben. «Letztes Jahr nicht im NHL-Draft gezogen worden zu sein, war schon eine kleine Enttäuschung–wie die ganze Saison, in der mit Verletzungen, dem Verkauf des Teams und einem Trainerwechsel ein Durcheinander geherrscht hatte. Trotzdem ist der Wechsel zu Gottéron überhaupt kein Rückschritt. Eher einer nach vorne.» Rathgeb ist von seinem Entschluss derart überzeugt, dass er einer zwar nach wie vor möglichen, aber unwahrscheinlichen Wahl im NHL-Draft 2015, der heute und morgen über die Bühne geht, kritisch gegenübersteht. «Es ist natürlich schön, wenn man gezogen wird, aber momentan wünsche ich es mir nicht. Viele gehen dann rüber, kommen in der AHL nicht zum Zug und gehen so kaputt. Ich bin froh, kann ich mich jetzt in der Schweiz auf höchster Stufe weiterentwickeln. Die nächsten zwei Jahre fokussiere ich mich voll auf Gottéron.»

Faible für die Offensive

Trainer Gerd Zenhäusern sei ein entscheidender Faktor gewesen, dass er nach Freiburg gewechselt habe. «Ich kenne ihn aus der U20-Nati. Ich habe mir verschiedene Angebote angeschaut und erkannt, dass Gottéron die beste Variante für mich ist.» Was ihn zudem fasziniert habe, seien die Fans. «Obwohl der Klub letzte Saison die Playoffs verpasst hat, war die Eishalle immer sehr gut besetzt. Dieser Support ist sehr wichtig.» Dass sich der neue Arbeitgeber nur unweit seiner Heimat befindet, war ein weiterer Pluspunkt in der Entscheidungsfindung des talentierten Spielers. Seit Ende April wohnt Rathgeb in Freiburg. «Es gefällt mir extrem gut hier. Unglaublich, wie schnell die Zeit bisher verging.» Dies, obwohl das Sommertraining bei ihm wie bei so manchem Eishockeyspieler in der Gunst nicht zuoberst steht. «Aber es muss sein. Wenn du im Sommer nicht gut trainierst, bist du im Winter nicht bereit. Gut ist, dass wir einmal die Woche in Burgdorf aufs Eis gehen. Insgesamt fühlt man sich Ende Sommer viel besser, wenn du weisst, dass du etwas gemacht hast.»

Eine seriöse Vorbereitung ist für Rathgeb unerlässlich, will er doch eine tragende Rolle bei Gottéron einnehmen. «Es wäre schön, könnte ich gleich voll einschlagen. Aber ich nehme Schritt für Schritt. Schliesslich ist das hier ein anderes Hockey, Männerhockey. In Nordamerika und in der U20 wird zwar auf einem guten Niveau gespielt, aber es ist eben kein Männerhockey. Dennoch will ich eine wichtige Rolle einnehmen.» Rathgeb sieht sich selbst als einen eher offensiven Verteidiger, der sich in Übersee aber defensiv weiterentwickelt habe. «Ich spiele sehr gerne auf den Körper, das möchte ich so beibehalten. Dank meinem guten Schuss bin ich auch einer für das Powerplay.» Aus der Ferne bekam der ambitionierte Zuzug mit, dass die Defensive mitunter eine der grössten Baustellen der Freiburger in der letzten Saison gewesen war. Rathgeb ist sich sicher, dass sich dies nicht zuletzt dank dem neuen Assistenztrainer Kari Martikainen ändern wird. «Er war während des Sommertrainings lange da. Wenn jemand diesbezüglich etwas erreichen kann, dann Martikainen. Er ist wirklich ein ehrgeiziger Typ, der immer gewinnen und das Letzte aus dir rausholen will.»

Leadership und Ehrgeiz

Siegeswillen und Ehrgeiz sind zwei Attribute, die Rathgeb in seiner Zeit in Übersee schärfen konnte. «Ich konnte mich als Mensch und Spieler weiterentwickeln. In Plymouth ging ein Training schon mal nur 30 Minuten, aber man musste immer hundert Prozent geben. Amerika hat mich extrem weitergebracht, beispielsweise was Leadership und Respekt anbelangt.» Sich in der Fremde etablieren, seinen Platz im Team finden, all diese Erfahrungen kann er nun bei Gottéron einfliessen lassen. Den Einstieg erleichtert haben dem Youngster die Leader in der Mannschaft. «In den ersten Wochen gingen wir öfters mit Bykow und Sprunger essen. Und dann gibt es die älteren Spieler wie Abplanalp und Plüss, die zu dir schauen.» Noch ist Rathgeb einer, der aus der kanadischen Junioren-Liga kommt und dem zuweilen der Weg noch gewiesen werden muss. Er bringt aber die Voraussetzungen und die Reife mit, um sich im Männerhockey rasch einen Namen zu machen. Nicht weniger wird von ihm in Freiburg erwartet.

 

Andrei Bykow (l.), Benjamin Plüss (oben) und Mathieu Maret schinden sich im Sommertraining. Bilder Aldo Ellena

«Ich bin froh, kann ich mich jetzt in der Schweiz auf höchster Stufe weiterentwickeln. Die nächsten zwei Jahre fokussiere ich mich voll auf Gottéron.»

Yannick Rathgeb

Neuer Gottéron-Verteidiger

Sommertraining: Individuelle Trainingspläne

S eit Jahren ist der Düdinger Bruno Knutti zuständig für das Sommertraining von Gottéron. Die zahlreichen Mutationen im Kader würden sich erfreulich auf die Vorbereitung auswirken. «Die Energie ist förmlich greifbar. Die Spieler müssen sich positionieren.» Insgesamt sei es eine junge und hungrige Mannschaft. «Alle sind sich bewusst, dass im Sommer die Basis geschaffen wird», hält Knutti fest. Vor Jahresfrist sei die Ausgangslage eine andere gewesen. «Viele hatten lange Verträge, und es gab wenig interne Konkurrenz. Einige waren dadurch zu sehr in einer Art Komfortzone.»

Aber nicht nur die Spieler, auch er selbst habe damals nicht alles richtig gemacht, sagt Knutti. «Im August haben wir es mit dem Training übertrieben. Das war ein Fehler. Man kann die Biologie nicht betrügen.» Er sei nicht selbstherrlich und habe kein Problem damit, seine Fehler nach einer profunden Selbstreflexion einzugestehen.

Für diese Saison habe ihm Sportdirektor Christian Dubé den Auftrag gegeben, nur noch ein gemeinsames Training pro Tag durchzuführen. «Das Training am Nachmittag liegt in der Selbstverantwortung der Spieler, auf deren Programm dann Tätigkeiten wie Yoga, Badminton oder Tennis stehen. Ich habe ein positives, gutes Gefühl. Die Spieler konsumieren das Training nicht nur.» Ganz allgemein herrsche eine neue Mentalität, so etwas wie eine Aufbruchstimmung, stellt Knutti fest. Zur guten Stimmung trage bei, dass die Mannschaft auf eigene Initiative den ganzen Sommer bereits einmal pro Woche in Burgdorf aufs Eis gehen würde.

Der Konditionstrainer hat viel Zeit in eine optimale Vorbereitung investiert. «Jeder Spieler hat einen individuellen Trainingsplan. Drei Wochen lang habe ich daran gearbeitet.» Er könne mit einem unglaublich guten Team zusammenarbeiten. Er erwähnt Goalietrainer David Aebischer und den neuen Assistenztrainer Kari Martikainen, der den Leistungssport lebe.

Am 3. Juli endet der erste Teil der gemeinsamen Saisonvorbereitung, ehe ab dem 20. Juli nochmals zwei Wochen zusammen die physische Basis geschaffen wird. Das erste Eistraining ist für den 3. August angesetzt. fs