Gottéron 26.11.2012

Drei hart erkämpfte Punkte

Der Schock-Moment des Spiels: Lukas Gerber bleibt nach einem Check regungslos liegen und wird mit der Bahre abtransportiert. Bild Key
24 Stunden nach dem 3:0-Sieg in Genf besiegte Gottéron am Samstag Tabellenführer Servette in Freiburg erneut mit 2:1 Toren. Überschattet wurde die Partie vom verletzungsbedingten Ausscheiden von Verteidiger Lukas Gerber.

Im Samstagsspiel in Freiburg wurde das Team von Coach Chris McSorley seinem Ruf als «Rüpeltruppe» gerecht. Der bösartige Check von Samuel Friedli nach gut einer halben Stunde Spielzeit auf offenem Eis gegen den Kopf von Lukas Gerber war der Tiefpunkt eines Auftritts der Genfer, der in Sachen Körperspiel mehr als einmal die Grenze des Überharten überschritt.

Der erst am Vorabend nach einer Handverletzung zurückgekehrte Gerber musste mit einer tiefen Schnittwunde an der Wange und einer Hirnerschütterung ins Kantonsspital eingeliefert werden. Der solide Defensivspieler hatte Glück im Unglück. Nach genauen Untersuchungen konnte er schon in der Nacht auf Sonntag nach Hause, und gestern ging es ihm den Umständen entsprechend wieder besser. In den Augen von Chris McSorley war diesem unschönen Zwischenfall nicht einmal ein Foul vorausgegangen … Mit Cédric Botter schied noch ein zweiter Freiburger Spieler gegen Ende des Spiels nach einem unkorrekten Check mit einer Hirnerschütterung aus.

Conz erneut überragend

Dank des 2:1-Siegs hat Gottéron eine perfekte Woche mit neun Punkten aus drei Spielen realisiert. Den Abstand auf den Playoff-Strich konnten die Freiburger so mehr als verdoppeln. Auf der anderen Seite blicken die Genfer immer noch mit einem schönen Vorsprung auf die Verfolger hinab; dass die Grenats in der Liga kein übermächtiger Gegner sind, hat das Team von Hans Kossmann jedoch mit taktisch starken Leistungen nun zweimal gezeigt. Basis für den Sieg vom Samstag war, wie immer im Mannschaftssport, eine defensiv überdurchschnittliche Leistung. Diese fusste vorab auf Torhüter Benjamin Conz, der zuletzt unglaubliche Fangwerte aufwies und in den letzten drei Spielen nur gerade zwei Gegentore kassiert hat. Eigentlich komisch, denn zuletzt spielte der HCF nur noch mit einem ausländischen Verteidiger, Shawn Heins sass auch diesmal nur auf der Tribüne. Diese Tatsache scheint aber vorweg Leute wie Torschütze Joel Kwiatkowski – er wurde nach dem Match von den Fans minutenlang gefeiert und vergass dabei sicher endgültig seine umstrittene Vergangenheit in Bern – und auch Alain Birbaum, der mit Michael Ngoy ein starkes erstes Backpaar bildete, zu besseren Leistungen anzustacheln. Weil aber auch beim Gast Tobias Stephan einen grandiosen Abend erwischte, bekamen die 6700 Fans nur gerade drei Tore zu sehen.

Trotz Fehlstart Kopf nicht verloren

Offensichtlich hatte Coach McSorley seinen Boys nach der farblosen Partie am Vorabend zünftig die Leviten gelesen, denn anders war der heisse Auftritt der Grenzstädter im ausverkauften St. Leonhard in der Startphase nicht zu erklären. Die Matchuhr hatte noch keine Zeigerumdrehung gemacht, lagen die Genfer schon in Führung. «Gerade so etwas wollten wir unbedingt vermeiden», trauerte Coach Hans Kossmann dem Fehlstart seiner Mannschaft nach dem Spiel nach.

Die körperlich klar überlegenen Genfer pushten mächtig. Das 1:1 nach 20 Minuten schmeichelte dem Heimklub jedenfalls gewaltig: Goldhelm Christian Dubé hatte in Überzahl nach einem gewonnenen Bully mit einem Backhandschuss ausgeglichen (19.). Der spielerisch beste Abschnitt war dann der zweite, mit ständig wechselnden Torszenen vor beiden Gehäusen. Der frühe Siegtreffer fiel dann erneut im Powerplay im Duell des besten Boxplays der Liga (Servette) gegen das beste Powerplay-Team (Gottéron). In seiner unnachahmlichen Art hämmerte Joel Kwiatkowski die Scheibe mit einem Schlagschuss unhaltbar an Stephan vorbei ins Tor. Niemand in der Halle dachte wohl zu diesem Zeitpunkt, dass dies schon der letzte Treffer des Abends sein sollte.

Kevin Romy: «Strafen kosteten uns viel Kraft»

Im fünfminütigen Überzahlspiel nach dem Restausschluss gegen den Berner Friedli brachte dann der spätere Sieger nicht allzu viel Konstruktives zusammen, irgendwie schienen die zwei Teams bis am Schluss geschockt zu sein; der vorherige Kampf um jeden Meter wurde nach dem Out Gerbers nun viel «menschlicher» geführt.

Genfs Center Kevin Romy sah den Grund für das überraschend ausbleibende Aufbäumen seiner Mannschaft gegen die Niederlage in der fehlenden Kraft: «Die vielen Strafen kosteten uns zwar keine Gegentore, aber viel Kraft, die uns in der Schlussphase fehlte.» Aufseiten der Freiburger liess die Präzision im Passspiel laut Kossmann immer mehr nach, zudem wollte man dem konterstarken Gegner nicht wie im ersten Heimspiel ins offene Messer laufen. Ohne grosse Probleme brachte dann der Heimklub den knappen, aber nicht unverdienten Vorsprung über die Runden.

Wie schon in beiden Auswärtsspielen in Lugano und Genf liess Kossmann am Ende nur noch mit drei Blöcken spielen, Neuzuzug David Desharnais konnte mit einigen gewonnenen Bullys und guter Stocktechnik seine Leistungskurve leicht nach oben biegen. Weil beim Tabellenführer die Angriffsmaschinerie zum zweiten Mal in Folge klar unter den Erwartungen der vielen mitgereisten Genferfans lag, blieb es am Ende bei diesem Fussballergebnis.

 

Telegramm

Gottéron - Servette 2:1 (1:1, 1:0, 0:0)

St. Leonhard. –6700 Zuschauer (ausverkauft). –SR Prugger/Reiber, Mauron/Tscherrig.

Tore: 1. (0:48) Picard 0:1. 19. Dubé (Mauldin, Gamache/Ausschluss Vukovic) 1:1. 35. Kwiatkowski (Ausschluss Picard) 2:1.

Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Freiburg, 10-mal 2 plus 5 (Samuel Friedli) plus 3-mal 10 Minuten (Picard, Rivera, Almond) plus Matchstrafe (Samuel Friedli) gegen Servette.

Freiburg: Benjamin Conz; Ngoy, Birbaum; Kwiatkowski, Marc Abplanalp; Loeffel, Schilt; Lukas Gerber; Mauldin, Desharnais, Knoepfli; Brügger, Dubé, Gamache; Sprunger, Bykow, Benjamin Plüss; Cadieux, Botter, Tristan Vauclair.

Genf-Servette: Tobias Stephan; Vukovic, Bezina; Yannick Weber, Gautschi; Mercier, Gian-Andrea Randegger; Antonietti; Simek, Walker, Fata; Rivera, Savary, Picard; Ryan Keller, Romy, Couture; John Fritsche, Almond, Samuel Friedli; Mora.

Bemerkungen: Freiburg ohne Rosa, Heins (beide überzählige Ausländer), Sutter (überzählig), Hasani und Jeannin, Servette ohne Dan Fritsche, Walsky, Roland Gerber und Leonelli (alle verletzt). Lukas Gerber verletzt ausgeschieden (35.).–Lattenschuss Loeffel (13.).–Timeout Genf-Servette (59.). Schussstatistik: 33:29.

Die FN-Besten: Kwiatkowski, Stephan.