Gottéron 23.01.2015

«Für zwei Termine und drei Anrufe»

Bei Gottéron hat jeder Spieler einen Agenten. Weil diese besser verhandeln und am Ende ohnehin vom Klub bezahlt werden. Generaldirektor Raphaël Berger findet die Gebühren oft (zu) happig.

Spieler, die auf Agenten verzichten und in ihrer Karriere alles selbst regeln, sind die absolute Ausnahme. Einer davon ist etwa Klotens Victor Stancescu, der Jurist ist. Bei Gottéron hat jeder Spieler einen Agenten. «Der Letzte, der keinen hatte, war Shawn Heins. Aber auch er nicht bis zum Ende seiner Karriere», sagt Generaldirektor Raphaël Berger. Selbst bei den Elite-A-Junioren und den Novizen hätten fast alle Spieler bereits einen Berater.

Zenhäusern: «Ich hätte mehr verdient»

Warum sind die Agenten für so gut wie alle Schweizer Eishockey-Profis nicht mehr wegzudenken? «Für Vertragsverhandlungen ist es für einen Spieler positiv, wenn eine Zwischenperson die Arbeit übernimmt», sagt Gottérons Trainer Gerd Zenhäusern. «Wenn du mit 20, 22 mit Sportchefs und Klubpräsidenten am Tisch sitzt, ist das keine leichte Situation. Da besteht die Gefahr, dass die Ehrfurcht zu gross ist.» Zenhäusern selbst nahm während seiner Karriere als Spieler nur einmal die Hilfe eines Agenten in Anspruch–als er 1998 von Zürich zu Gottéron wechselte. «Aber ich muss auch ehrlich sagen: Hätte ich während der gesamten Karriere mit einem Agenten zusammengearbeitet, hätte ich wohl mehr verdient.»

 Christian Dubé pflichtet dem bei. «Viele Spieler verhandeln erstens nicht gerne und können zweitens ihren Marktwert nicht richtig einschätzen», sagt der Gottéron-Center, der jahrelang einer der bestverdienenden, wenn nicht der bestverdienende Spieler auf Schweizer Eis war. Er hat sich mit der Materie intensiv auseinandergesetzt. Der 37-Jährige will nach seinem Karriere-Ende selbst Spieleragent werden. Bereits sammle er erste Erfahrungen auf dem Terrain, ohne jedoch wirklich Spieler zu vertreten, so der Kanadier. Laut «NZZ» hat er sogar bereits Aktien der «Third Eye Services SA» seines Agenten Gérald Métroz erworben. «Das kommentiere ich nicht», sagt er genervt. «Auf jeden Fall sehe ich keine Interessenkonflikte. Ich bin zu 100 Prozent bei Gottéron angestellt.»

Lieber spricht Dubé wieder über die Rolle seines künftigen Berufsstands. «Der Agent hat alle Kontakte, kennt die Saläre vieler Spieler und hat auch keine Skrupel, davon zu profitieren, wenn sein Spieler eine gute Saison hat. Es ist sein Ziel, den Lohn genau in solchen Situationen nach oben zu drücken.» Zudem nehme der Agent einem Arbeit ab, ergänzt Killian Mottet, der in den letzten Wochen in Vertragsverhandlungen verwickelt war. «Er erhält die Telefonanrufe und Nachrichten, ist immer über alles auf dem Laufenden», so der 24-Jährige, der diese Woche seinen Vertrag bei Gottéron verlängert hat. Sein Entscheid oder der Rat des Agenten? «Am Ende war es natürlich schon mein Entscheid», sagt Mottet. Oft könne sich ein Spieler aber verschiedene Klubs als Arbeitgeber vorstellen, so Dubé. «Eine Möglichkeit ist, als Spieler dem Agenten eine Liste mit Klubs zu geben, bei denen man sich vorstellen kann zu spielen.»

Sieben Prozent von 600 000

Dass Agenten hilfreich sind und die Saläre gut kennen, ist aber nicht der einzige Grund, warum kaum ein Spieler sein eigener Manager ist. «Es kostet die Spieler ja nichts», sagt Zenhäusern. Tatsächlich ist es in der Schweiz Usus, dass der Klub das Salär des Agenten bezahlt. Vier bis sieben Prozent des Spielerlohnes kassieren die Berater jedes Jahr. Das kann viel Geld sein. Zwar gibt es einige wenige Spieler in der Schweizer Liga, die kaum mehr als 50 000 Franken verdienen. Aber ein Vertragsabschluss eines Julien Sprunger beispielsweise, der als bestverdienender Gottéron-Spieler über 600 000 Franken pro Jahr verdient, ist für einen Agenten mit einem bemerkenswerten Zahltag verbunden. Sieben Prozent von 600 000 ergeben zum Beispiel 42 000 Franken. Kein schlechter Jahreslohn, wenn man bedenkt, dass die Agenten ja jeweils sehr viele Spieler unter Vertrag haben.

Spieler sollen bezahlen

Generaldirektor Berger hat mitunter Mühe mit diesen Entschädigungen. Auf die Frage, ob er sie in dieser Höhe für gerechtfertigt halte, antwortet er klar: «Nein. Es kann sein, dass ein Agent dieses ganze Geld für zwei Termine und drei Anrufe kassiert.» Das gelte zwar nur in Bezug auf die Topspieler. Aber genau diese verdienen ja auch am meisten. «Wenn es dem Spieler und dem Klub gut läuft, kostet ein Agent viel Geld für nichts, weil sich eigentlich alle einig sind. Wenn ich sehe, was wir machen müssen, dass wir als Klub ein bisschen Geld verdienen, dann tut das manchmal schon weh.»

Berger hofft, dass sich das System in den nächsten Jahren ändert. «Wir sind daran, das mit Betroffenen zu besprechen.» Er könne verstehen, dass bei jungen Spielern, die nicht viel verdienen, der Klub diese sogenannte Agent Fee übernehme. «Aber ein älterer Spieler, der viel verdient, sollte diese Kosten oder zumindest einen Teil davon, selbst übernehmen. Dann würde er beim Agenten auch öfter nachfragen, was er genau macht. Wenn aber etwas gratis ist, spielt das ja keine Rolle.»

 Speziell im Schweizer Eishockey ist, dass Agenten–im Gegensatz beispielsweise zur NHL–sowohl Spieler, als auch Trainer unter Vertrag nehmen können.

Interessenkonflikte?

 Bei Gottéron zum Beispiel ist Daniel Giger Agent von Spieler John Fritsche und Trainer Gerd Zenhäusern–der momentan auch noch gleich Sportchef ist. Interessenkonflikte sehe er aber keine, sagt Zenhäusern. «Ich schaue mir immer zuerst den Spieler an und erst dann, welchen Agenten er hat. Und die Agenten sind klug genug, nie irgendwelchen Druck aufzusetzen, weil sie ja an einer längerfristigen Zusammenarbeit interessiert sind.» Auch Berger sieht darin kein Problem. «So eine Konstellation kann schlecht sein, kann aber auch gut sein. Vielleicht ruft der Agent den Trainer, der bei ihm unter Vertrag steht, als Erstes an, wenn er einen interessanten Spieler anzubieten hat. Schliesslich ist es sein Ziel, dass Agent und Spieler Erfolg haben.»

Genauso wenig sieht Berger ein Problem darin, dass gleich zehn Gottéron-Spieler–darunter die Schlüsselspieler Sprunger, Dubé und Andrei Bykow–bei Gérald Métroz unter Vertrag sind. «Wir suchen die Spieler nicht nach dem Agenten aus. Wir haben viele welsche Spieler im Team und Métroz ist mit seiner Firma in der welschen Eishockeywelt gut positioniert.» Aber auch hier gelte: Gute Beziehungen zu Agenten zu pflegen, könne durchaus ein Vorteil sein. «Die Agenten haben viel Einfluss. Es gibt Spieler, die einen Klub gewählt haben, weil ihr Agent gesagt hat, es sei die beste Wahl. Ein junger Spieler kann nicht immer alles über die verschiedenen Klubs wissen.»