Eishockey 28.11.2012

Gottéron tanzt den Meister aus

Der Freiburger Greg Mauldin (vorne) im Duell mit dem Zürcher Ryan Shannon.Bild Charles Ellena
Beim 7:4-Heimsieg gegen die ZSC Lions spielte Gottéron mit dem Gegner teilweise Katz und Maus. Das beinahe körperlose Spiel der Zürcher nutzen die Freiburger zu teils herrlich herausgespielten Toren.

«Wenn man davon ausgehen würde, dass der Kampfgeist auf der Sonne angesiedelt ist, dann bewegten wir uns heute auf dem Planeten Jupiter. Nein Uranus. Nein Pluto», hatte sich Lions-Trainer Marc Crawford nach der 1:6-Heimschlappe vom Samstag gegen Davos enerviert und damit astronomische Kenntnisse bewiesen. Spinnt man diesen Faden weiter, so haben die Zürcher gestern unser Sonnensystem verlassen.

Als Tabellenzweiter reiste der Meister nach Freiburg. Dieses Bild war jedoch trügerisch. Nach Verlustpunkten bewegen sich die zuletzt strauchelnden Lions im Mittelfeld. Die gestrige Leistung widerspiegelte insofern nicht mehr als die momentane Verfassung der Gäste, welche zwar ohne die verletzten Internationalen Roman Wick und Severin Blindenbacher auskommen müssen, aber trotzdem mit überdurchschnittlich viel Talent gesegnet sind. Dies allein reicht in der ausgeglichenen NLA indes in der Regel nicht mehr.

Rytz ersetzt Conz

Den klaren Freiburger Sieg allein dem inferioren Zürich zuzuschreiben, wäre jedoch ungerecht. Das nunmehr wieder selbstsicher agierende Gottéron knüpfte nahtlos an die «perfekte» Woche mit den drei Siegen gegen Lugano und zweimal Genf an, obwohl der Start in die Partie noch etwas holprig gewesen war. Simon Gamache hatte seine Farben zwar bereits nach 53 Sekunden mit seinem ersten Torerfolg seit dem 27. Oktober in Führung geschossen, nur zehn Sekunden später glich Patrick Bärtschi – der seinerseits seit 1118 (!) Minuten nicht mehr jubeln konnte – aus. Unterstützt wurde er dabei grosszügig von Gottérons Ersatzgoalie Simon Rytz, der den erkrankten Benjamin Conz vertrat. Rytz, der nach vier Spielen im Exil mit Zug zu seinem ersten Saisoneinsatz mit Freiburg kam, vertändelte bei einem Ausflug hinter seinen Kasten den Puck. Es war nicht die einzige Unsicherheit des Freiburger Schlussmanns, der beim EVZ eine beachtliche Abwehrquote von 92,47 Prozent aufgewiesen hatte. Gestern waren es bescheidene 84 Prozent.

Frühe Entscheidung

Das Nervenflattern von Rytz strahlte in der Folge kurzzeitig auf seine Vorderleute aus, welche etwelche Probleme in der Angriffsauslösung bekundeten. Das herrlich herausgespielte 2:1 durch Joel Kwiatkowski – mit neun Treffern mittlerweile Gottérons bester Torschütze – beendete die kurze Baisse umgehend. Ein Eigentor von ZSC-Back Marco Maurer sowie das erste Tor im Gottéron-Dress von David Desharnais vier Sekunden vor der ersten Pausensirene sorgten schliesslich dafür, dass die Rechnung für die Lions, nach Freiburg immerhin das zweitbeste Auswärtsteam der Liga, etwas gar gesalzen war. Der Mannschaft von Hans Kossmann konnte es nur recht sein. Die technisch versierten und schnellen Freiburger profitierten nach den physisch höchst intensiven Partien gegen Servette maximal vom im Vergleich dazu geradezu körperlosen Spiel der Zürcher–Lockout-Verstärkung Dustin Brown, einer der härtesten Checker der NHL, hin oder her.

Spätestens nach dem zweiten Treffer von Gamache und dem 5:1 (25.) hätte Crawford seine Mannschaft wohl am Liebsten auf den Mond geschossen (um in dessen Jargon zu bleiben). Zumal deren Reaktion höchst mässig ausfiel. Zwar netzten die Zürcher in der Folge noch dreimal ein. Einfluss auf den Ausgang dieser Partie hatte dies jedoch keinen, weil Gottéron seine Freiheiten konsequent genutzt hatte. So reihten sich Rückkehrer Sandy Jeannin und Julien Sprunger im Schlussabschnitt mit herrlichen Toren ebenfalls noch in die Liste der Skorer ein und sorgten – bis auf die zu vielen Gegentreffer – für einen rundum gelungenen Abend.

Mit dem vierten Sieg in Serie hat sich das wiedererstarkte Freiburg im Verfolgerpulk von Leader Genf etabliert, was das Team mit einem Tänzchen vor dem eigenen Anhang zelebrierte. Feste sollen gefeiert werden, wie sie fallen. Schon am Freitag in Biel dürfte es aber wieder ein heisserer Tanz werden. Schliesslich stehen die Seeländer dem Gegner erfahrungsgemäss ganz anders auf die Füsse als die gestern harmlosen Lions.

Telegramm

Gottéron - ZSC Lions 7:4 (4:1, 1:1, 2:2)

St. Leonhard.–6064 Zuschauer (Saisonminusrekord).–SR Massy, Abegglen/Rohrer.Tore:1. (0:53) Gamache (Dubé, Brügger) 1:0. 2. (1:03) Patrik Bärtschi (Stoffel) 1:1. 5. Kwiatkowski (Bykow, Vauclair) 2:1. 10. Knoepfli 3:1 (Eigentor Seger). 20. (19:56) Desharnais (Brügger) 4:1. 25. Gamache (Dubé, Brügger) 5:1. 37. Kenins 5:2. 42. Jeannin (Dubé) 6:2. 44. Sprunger 7:2. 47. Ambühl 7:3. 56. Monnet 7:4.Strafen:2 Minuten gegen Gottéron, 2-mal 2 Minuten gegen ZSC.

Gottéron:Rytz; Ngoy, Birbaum; Loeffel, Schilt; Kwiatkowski, Abplanalp; Wildhaber; Mauldin, Desharnais,

 

Knoepfli; Brügger, Dubé, Gamache; Sprunger, Bykow, Plüss; Cadieux, Jeannin, Vauclair; Merola.

ZSC Lions:Flüeler; Daniel Schnyder, Lashoff; Seger, Geering; Stoffel, Maurer; Hächler; Brown, Shannon, Tambellini; Cunti, Bärtschi, Ambühl; Zangger, Trachsler, Monnet; Baltisberger, Schäppi, Kenins; Bühler.

Bemerkungen:Gottéron ohne Benjamin Conz (krank), Gerber, Botter, Hasani (alle verletzt), Rosa und Heins (beide überzählige Ausländer), ZSC Lions ohne Blindenbacher, Wick und Bastl (alle verletzt).

Die FN-Besten:Dubé und Kenins.