Eishockey: Sebastian Schilt 27.11.2012

«Keine Konzentrationslücken mehr»

185 Zentimeter gross, 89 Kilogramm schwer und immer nah am Gegenspieler: Sebastian Schilt (l.)Bild Key
Zuletzt hat die Defensive Gottérons hervorragend funktioniert. Im Interview spricht Verteidiger Sebastian Schilt über die Gründe dafür, die gegnerischen Lockout-Stürmer und die verpasste Massregelung für Samuel Friedli.

Sebastian Schilt, letzte Woche hat Gottéron in drei Spielen insgesamt lediglich zwei Gegentore erhalten. Was macht die Freiburger Defensive momentan so stark?

Wir arbeiten hart und wissen, was zu tun ist. Ausserdem hatten wir zuletzt auch keine Konzentrationslücken und waren 60 Minuten lang bereit. Nach der Niederlage gegen Biel wussten wir, dass es nicht mehr so weitergehen kann. Schliesslich hatten wir bereits vor der Nati-Pause vier der letzten fünf Spiele verloren. Da sind wir zusammengehockt und über die Bücher gegangen. Seither spielen wir von Grund auf einfach. Zudem ist Benjamin Conz momentan in einer super Verfassung.

 

 Trainer Hans Kossmann hatte bereits am Tag vor dem Spiel gegen Biel die mangelnde Trainingsintensität moniert. Hat sich das verbessert?

Ja, wir trainieren besser. Das hat man auch heute Montag wieder gesehen. Es ist nie leicht, nach einem Wochenende zu trainieren. Doch die Intensität war hoch.

 

 Die drei defensiv grundsoliden Spiele letzte Woche sind ausgerechnet zustande gekommen, nachdem Kossmann nur noch mit einem statt mit zwei ausländischen Verteidigern spielen liess. Shawn Heins sass jeweils auf der Tribüne. Wie ist das zu erklären?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Wie gesagt, nach dem Biel-Match gingen wir über die Bücher und wussten, dass wir uns steigern müssen. Wenn wir nur mit einem Ausländer in der Verteidigung spielen, müssen halt wir anderen Spieler noch ein bisschen mehr geben.

 

 Sie persönlich erhalten in Freiburg viel Eiszeit und Verantwortung, mehr als letzte Saison in Langnau. Mit plus 4 haben Sie zudem die beste Plus-Minus-Bilanz aller Freiburger Verteidiger. Sind Sie selbst ein bisschen überrascht von Ihren Auftritten?

Überrascht nicht, ich kann meine Stärken hier gut einbringen, spiele hart und versuche defensiv aufzuräumen. Letztlich erhält man so viel Eiszeit, wie man es sich verdient. Es läuft gut, aber das ist kein Grund aufzuhören, weiter an sich zu arbeiten. Aber ja, ich bin sehr zufrieden. Offensiv läuft es mir zwar noch nicht so gut wie in Langnau (in den beiden letzten Saisons kam Schilt in Langnau auf insgesamt 29 Punkte, in dieser Saison steht er mit null Toren und zwei Assists zu Buche, Red.), aber es ist positiv, dass ich dem Team helfen kann.

 

 Sie haben am Wochenende gezeigt, dass Sie physisch bei jedem Gegner dagegenhalten können. Als Servette immer mehr versuchte, Freiburg mit hartem Körperspiel einzuschüchtern, haben Sie ebenfalls einige harte Checks ausgepackt. Ist dieses physische Spiel etwas, das Ihnen Spass macht, oder sehen Sie das bloss als eine der Aufgaben, die Ihre Rolle im Team mit sich bringt?

Wenn ich das nicht gerne machen würde, dann würde ich es nicht tun. Gleichzeitig kenne ich auch meine Rolle und weiss, dass ich physisch spielen muss, da ich keine spielerischen Wunderdinge zelebrieren werde.

 

 Am Samstag checkte Genfs Samuel Friedli Lukas Gerber unfair gegen den Kopf, Gerber blieb regungslos liegen. Normalerweise setzt es in so einer Situation für den Foulenden von den Gegnern eine Tracht Prügel ab. Für Friedli gab es aber nicht mehr als ein Paar Schubser. Ist Gottéron manchmal zu nett?

Es stimmt schon, normalerweise hätte Friedli nach dieser Aktion eine Bestrafung durch den Gegner verdient. Man hat das beispielsweise gesehen, als Zugs Yannick Blaser im Oktober Zürichs Andres Ambühl gegen den Kopf gecheckt hatte, damals stürzten sich unverzüglich vier Zürcher auf den Täter. Am Samstag war ich zu diesem Zeitpunkt nicht auf dem Eis, ich konnte also nicht eingreifen …

 

 … auf dem Eis stand der Block um Julien Sprunger und Andrei Bykow …

Die sind natürlich nicht gerade als Haudegen bekannt. Aber ich würde nicht sagen, dass wir zu nett sind, wir haben einfach viele technisch versierte Spieler. Aber in der Defensive haben wir durchaus einige Verteidiger, die auch hart spielen können.

 

 Bereits heute steht das nächste Spiel an. Gottéron trifft zu Hause auf die ZSC Lions. Was erwarten Sie für ein Spiel?

Auf jeden Fall ein enges. Zürich verfügt über viele technisch versierte Spieler und Verteidiger, die auch in der Offensive gut mitarbeiten. Wir dürfen uns deshalb weiterhin keine Konzentrationslücken leisten.

 

 Mit Dustin Brown, dem Captain des aktuellen Stanley Cup Siegers Los Angeles Kings, verfügen die Zürcher, wie fast alle Teams, über einen Lockout-Star im Sturm. Was ändert sich für Sie als Verteidiger dadurch in dieser Saison?

Der Respekt ist natürlich schon vorhanden, aber er darf nicht zu gross sein, denn sonst macht man einen Schritt nach hinten, und das nützen diese Spieler sofort aus. Sie sind so gut, dass sie von jedem Zentimeter Eis profitieren. Man nehme nur einen Tyler Seguin, der für Biel in 20 Spielen 20 Tore erzielt hat. Das sind Kaliber, wie man sie sonst auf Schweizer Eis nicht sieht. Für mich persönlich ist es ein spezielles Gefühl und eine Freude, gegen solche Stars zu spielen, und es motiviert mich, mich weiter zu verbessern.

«Normalerweise hätte Friedli nach dieser Aktion eine Bestrafung durch den Gegner verdient.»

Sebastian Schilt

Gottéron-Verteidiger

 

Der heutige Gegner

Fakten zum ZSC

• Lockout-Stürmer Dustin Brown hat in sechs Spielen ein Tor erzielt und zwei Assists gegeben. Mit minus 5 verfügt er über eine miserable Plus-Minus-Statistik.

• Die Zürcher reisen mit einem Negativ-Erlebnis nach Freiburg. Am Samstag kamen sie gegen Davos gleich mit 1:6 unter die Räder.

• Topskorer des Teams ist mit neun Toren und 13 Assists Thibaut Monnet.

•Gottéron liegt den Zürchern nicht. Freiburg gewann zuletzt fünfmal in Folge. Auch die letzten fünf Spiele im St. Leonhard hat Zürichverloren.fm

Vorschau: Sandy Jeannin steht gegen die ZSC Lions vor der Rückkehr ins Team

Heute Abend (19.45 Uhr) trifft Gottéron im St. Leonhard auf die ZSC Lions. «Wir müssen uns sofort wieder auf diesen Match einstellen. Das ist nach drei Siegen nicht ganz einfach, alle sind zufrieden», sagt Freiburgs Trainer Hans Kossmann. Mit einem kurzen, intensiven Training wollte er gestern gegen Selbstzufriedenheit ankämpfen.

Ohne Botter und Gerber

Mit dabei sein dürfte heute Abend Sandy Jeannin. Nach überstandener Nackenverletzung trainierte der Center gestern wieder voll mit.

Fehlen werden indes Lukas Gerber und Cédric Botter. «Lukas geht es ziemlich gut. Wie schwer die Folgen seiner Hirnerschütterung sind, bleibt noch abzuwarten, aber wir sind zuversichtlich, dass er schnell wieder auf den Beinen sein wird», so Kossmann.

Einzelrichter Reto Steinmann hat gestern übrigens erwartungsgemäss ein Verfahren gegen Samuel Friedli, der Gerber am Samstag gecheckt hatte, eröffnet. Auch gegen Alexandre Picard (Check an Botter) sowie einen Offiziellen Gottérons ist ein Verfahren eröffnet worden. Botter hat sich letztlich keine Hirnerschütterung zugezogen. Trotz Nackenschmerzen konnte er gestern bereits wieder ein bisschen auf dem Hometrainer arbeiten. Fehlen wird weiterhin auch Adam Hasani, der seine Hirnerschütterung noch nicht ganz auskuriert hat.

Trotz des Ausfalls von Verteidiger Lukas Gerber will Kossmann an der Variante mit nur einem ausländischen Verteidiger festhalten. Bedingung dafür sei, dass die sechs Schweizer Verteidiger topfit sind. Auf der Tribüne Platz nehmen werden somit aller Voraussicht nach wiederum Pavel Rosa und Shawn Heins. fm

Trainingsgast: Thomas Zwahlen auf dem Eis

Gestern stand Thomas Zwahlen, Trainer der Düdingen Bulls, im St. Leonhard auf dem Eis und half dem Trainer-Duo Hans Kossmann/René Matte bei der Trainingsleitung. «Es war eine Idee im Zuge der verstärkten Zusammenarbeit. Ich wollte mir einige Inputs holen», sagte Zwahlen nach dem Training. Er könne viel von Kossmann, der sich kürzlich das Spiel zwischen Düdingen und St-Imier angeschaut hatte, und dessen Erfahrung profitieren. «Ich hoffe, dass es auch in Zukunft zu solchen Austauschen kommen wird.» fm

Ausraster: Bruno Knutti entschuldigt sich

Im Spiel gegen Servette waren Gottérons Konditionstrainer Bruno Knutti am Samstag die Sicherungen durchgebrannt. Nach Samuel Friedlis Check gegen Lukas Gerber hatte sich Knutti von den Sitzplätzen neben der Spielerbank, von wo er sich die Spiele jeweils anschaut, einen Stock geschnappt und damit wütend gegen das Plexiglas geschlagen, bis er von den Schiedsrichtern des Stadions verwiesen wurde. Er bedauere seinen Ausraster, sagte er gestern. «Ich habe mich bei Hans Kossmann und allen Beteiligten entschuldigt.» fm