Daniel Waeber 15.07.2015

Kommen, dienen und gehen

Nach vier Jahren im Gottéron-Verwaltungsrat nahm Daniel Waeber am 1. Juli seinen Hut.Bild Charles Ellena
Vier Jahre war Daniel Waeber im Verwaltungsrat von Gottéron, ehe er am 1. Juli sein Mandat nicht erneuerte. Er tat dies mit der Genugtuung, den Juniorenbereich umgebaut zu haben, aber auch mit Bedauern über das Verhalten der Hauptaktionäre.

Dass Daniel Waeber einmal in Gottérons Verwaltungsrat Einsitz nehmen würde, hätte der 55-Jährige selber kaum für möglich gehalten. «Als Präsident der Düdinger Nachwuchsbewegung habe ich acht Jahre lang gegen den Klub gekämpft. Ich hielt die Leute von Gottéron für ziemlich abgehoben.» Mittlerweile hat Waeber sein Urteil revidiert. Viel mehr noch: Er habe tolle Kollegen im Verwaltungsrat der Freiburger gefunden.

Die Geschichte nahm 2010 ihren Beginn: Waeber stellte dem damaligen Gottéron-Präsidenten Daniel Baudin und dessen Vize Laurent Haymoz ein Konzept zur Zusammenarbeit zwischen dem EHC SenSee-Future und Gottéron vor. «Baudin war ganz erstaunt. Ich war der Erste, der kein Geld wollte, sondern ein Konzept vorlegte. Aber wir benötigten keine finanzielle Unterstützung, sondern eine technische.» Umgehend wurde beschlossen, eine Arbeitsgruppe mit Haymoz, Gottéron-Generaldirektor Raphaël Berger und Waeber einzusetzen. «Die kam allerdings dann nie zustande. Aber als ich 2010 als Präsident der Nachwuchsbewegung demissionierte, fragte mich Haymoz an, ob ich zum Verwaltungsrat von Gottéron stossen wolle.» Mit dem 2013 unerwartet verstorbenen Haymoz, der drei Jahre zuvor das Amt des Gottéron-Präsidenten übernommen hatte, habe er zwar harte Diskussionen geführt, aber zielorientiert gearbeitet, hält Waeber fest. «Ich habe gesagt, dass ich kein Geld mitbringe, mich aber um den Nachwuchsbereich kümmern würde.» Es sei dann alles anders gekommen. Die vier Jahre im Vorstand als Verantwortlicher für den Nachwuchs hätten ihn als Sponsor, und weil er für die Arbeit nie entschädigt wurde, Ausgaben von beinahe 100 000 Franken gekostet, «aber das war für mich selbstverständlich. Ich war mit Leib und Seele dabei.»

Vier-Punkte-Plan

Heute blickt Waeber zufrieden auf seine Arbeit bei Gottéron zurück. Der Vier-Punkte-Plan für den Nachwuchs, den er sich zum Ziel gesetzt hatte umzusetzen, konnte realisiert werden. «In einer ersten Phase wollten wir neue Trainer für die Junioren engagieren, wenn möglich Einheimische, die die Gegebenheiten in Freiburg mit dem Röschtigraben kennen.» Mit Olivier Roschi, Pascal Schaller, Jan Cadieux oder Nicolas Gauch sei dies gelungen. «Es sind Freiburger, die motiviert sind, etwas für den Verein zu leisten und nicht wegen des Geldes hier sind.» In einem zweiten Schritt sei es darum gegangen, alle Nachwuchs-Klubs des Kantons zurück an einen Tisch zu bringen. «Alle waren verkracht. Mir ging es ja in Düdingen nicht anders. Heute darf ich sagen, dass die Zusammenarbeit so gut ist wie noch nie.» Regelmässig würden Sitzungen stattfinden oder Trainingslager organisiert.

«Die dritte Phase und die Suche nach einem Ausbildungschef für Gottéron war die schwierigste», sagt Waeber in der Retrospektive. «Mit Dany Gelinas haben wir einen kompetenten Ausbildner gefunden.» Der Kanadier habe eine Linie reingebracht und liess sich nicht mehr von aussen, namentlich den Eltern, beeinflussen. «Heute zählt nur noch die Leistung.» Um Gelinas verpflichten zu können, habe es einer Budgeterhöhung bedurft. «Als ich anfing, lag das Budget für den Nachwuchs bei 1,3 Millionen Franken. Heute sind es fast zwei Millionen.»

Der letzte Punkt seines Planes seien schliesslich Partnerverträge gewesen, damit die Junioren auf höheren Stufen Spielpraxis sammeln können. «Mit Martigny konnten wir einen guten Deal abschliessen.» Früher scheiterten mögliche Partnerschaften immer wieder am Geld. «Martigny suchte jedoch eine technische Lösung, weil es finanziell gut aufgestellt ist.» Seine letzte Unterschrift als Gottéron-Verwaltungsrat leistete Waeber Anfang Juni, als die Zusammenarbeit mit 1.-Ligist Düdingen besiegelt wurde.

«Ich bin verärgert»

«Die Strukturen im Nachwuchs sind nun breit aufgestellt. Klar gibt es noch Dinge, die optimiert werden können, aber alles wurde professionalisiert.» Mit dem zurzeit verletzten Goalie Ludovic Waeber und Stürmer Nathan Marchon stünden zwei Talente an der Schwelle zur NLA. Ziel sei es, ab 2017 jedes Jahr einen Spieler herauszubringen.

Die Realisierung des Vier-Punkte-Plans und die Tatsache, dass die zuvor jahrelang arg gebeutelten Elite-Junioren 2015 in den Playoffs standen, hätten ihn dazu bewogen, dass er am 1. Juli an der Generalversammlung–trotz den Überredungsversuchen von Präsident Michel Volet–nicht mehr zur Wiederwahl angetreten sei. «Kommen, dienen und gehen, das war immer mein Ziel», sagt Waeber. Aber es gibt noch einen zweiten Auslöser für den Rücktritt. «Ich bin verärgert über die Hauptaktionäre.» Vieles hinter den Kulissen sei entgegen den üblichen Gepflogenheiten abgelaufen, sagt er, ohne dass er konkret werden möchte. Trotzdem, Waeber wird Gottéron treu bleiben. Einerseits als Sponsor, andererseits aber auch als Fan, von der Loge zurück auf die Zuschauertribüne. So wie früher schon, als er in der Augustinerhalle mitgefiebert hatte.

Gottéron: Umfragen, Spesenreglemente und Revolten

N icht alles gefiel Daniel Waeber, was in seiner Zeit als Gottéron-Verwaltungsrat lief. Nachtreten ist seine Sache aber nicht. Einen kleinen Einblick hinter die Kulissen gewährt er dennoch. Waeber über …

… das Deutschfreiburger Element bei Gottéron: «Baudin, Haymoz, Volet – das Sponsoring ist klar in Richtung Westschweiz ausgelegt. Zu Zeiten des letzten Deutschfreiburger Präsidenten, Richard Waeber, war das ganz anders gewesen. Ich als einziger Deutschfreiburger im Verwaltungsrat habe vergeblich gegen Windmühlen gekämpft. Wenn man Deutschfreiburg angemessen gewichten möchte, bräuchte es sicher zwei Verwaltungsräte aus der Region. Die zu finden ist aber schwierig. Ich habe Volet versprochen, weiterhin zu helfen, Dinge aufzugleisen. Ich bin nicht ganz weg.»

… über die Rolle der Hauptaktionäre: «Ja, sie nehmen Einfluss. Mehr will ich dazu aber nicht sagen.»

… den ehemaligen Präsidenten Charles Phillot: «Nach dem Tod von Haymoz haben sich die verbleibenden Verwaltungsräte reingekniet. Es war klar, dass Volet unser Präsident ist. Er gab aber zu bedenken, dass er politisch zu wenig verknüpft sei, um das Dossier der neuen Eishalle voranzubringen. Die Hauptaktionäre schlugen dann Phillot vor. Ich lernte ihn als Mensch schätzen. Er verstand aber nicht, dass wir ehrenamtlich arbeiteten. Phillot wollte eine VR-Entschädigung und ein Spesenreglement. Nachdem er nur ungerne und auf Druck der Hauptaktionäre zurücktrat, haben wir das gleich wieder gekippt. Alle arbeiten unentgeltlich.»

… die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Ex-Trainer Hans Kossmann: «Im Verwaltungsrat wurde mit 5:2 Stimmen einer Verlängerung entsprochen. Auch ich sprach mich für ihn aus. Es lief aber falsch. Schon bevor Kossmann gehen musste, hätten wir Spieler austauschen müssen. Kossmann hat von den Spielern immer 100 Prozent erwartet, ob er private Sorgen hatte oder nicht. Ihm fehlte die Empathie. Nach dem letzten Spiel in den Playoff-Halbfinals 2014 gegen Kloten verteilten wir an zehn Spieler einen Fragebogen, den sie anonym beantworten sollten. Keiner schrieb, dass es mit Kossmann nicht weitergehen könne. Also dachten wir, es sei vielleicht wichtig, ein Zeichen gegenüber dem Team zu setzen und verlängerten den Vertrag.»

… die Entlassung Kossmanns:

«Nach der Niederlage in Lausanne wurde uns mitgeteilt, dass acht Spieler nicht mehr ins Training kommen würden, falls Kossmann bleibe. Die Entlassung kam von den Spielern aus.»

… die Wahl von Christian Dubé als Sportdirektor: «Es ist finanziell eine gute Lösung – für beide Seiten. Dubé ist gut vernetzt und eine Persönlichkeit. Ich war zunächst skeptisch und staune jetzt, was er in Kürze bereits bewegt hat.»

… über die sportliche Zielsetzung der nächsten Jahre: «Berücksichtigt man das Budget, ist Platz sechs realistisch, möglich ist aber auch Rang acht oder neun. Die jungen Spieler sorgen für eine neue Dynamik und sind hungrig. Sie müssen sich aber noch bewähren.»

… die neue Eishalle: «Um Geld zu generieren und sportlich einen Schritt nach vorne zu machen, brauchen wir die neue Halle. Ich habe die Pläne gesehen. Momentan ist sie aber ein Politikum.» fs

Zur Person

Engagement für den Hockey-Nachwuchs

Der Stadtfreiburger Daniel Waeber (Jg. 1960) ist seit 1995 Geschäftsinhaber von Fella-Schweiz in Plaffeien, die Landwirtschaftsmaschinen vertreibt. Neun Jahre war er im Vorstand des Rollhockey-Klubs Givisiez, später acht Jahre im Vorstand des heutigen EHC Sense-Future, davon fünf Jahre als Präsident. Zuletzt war Waeber vier Jahre im Gottéron- Verwaltungsrat.fs