Gottéron-Blog 20.12.2018

Martin Wipf (33), Winterthur

Den ersten Gottéron-Match, den ich bewusst mitgekriegt habe, war Spiel 2 des Playoff-Finals 1992 gegen de SCB. Ich schaute das Spiel mit meinen Grosseltern im TV. Als im Herbst dann die neue Saison losging, war ich von Beginn weg für Gottéron, glaube ich. Es ist aber auch möglich, dass ich mich auch erst im Februar dafür zu interessieren begann, da ich bei meinen Grosseltern in den Ferien war. Oder war es im Herbst 93, als wir nach Winterthur zogen? Ich weiss es nicht mehr genau.

Ich werde oft gefragt, warum ich Fan von Gottéron bin und nicht von irgendeinem Verein in meiner Nähe. In den Neunzigern war das nicht so exotisch, es hatte in der Region Zürich ziemlich viele Gottéron-Anhänger. Mit meinem Grossvater habe ich immer Sport geschaut und irgendwie hat Gottéron einen nachhaltigen Eindruck gemacht. Vielleicht wegen den coolen Trikots mit dem Blitz, vielleicht auch wegen Gelb-Schwarz, was ich als BVB-Fan natürlich cool fand. Kloten, das in der Nähe liegt, hatte ich gar nie in Betracht gezogen. Und der ZSC war damals ein erfolgloser Liftclub. Ich war lange ein reiner "Sport Aktuell"- und "Radio DRS 1"-Fan. Das erstes Spiel, das ich live gesehen habe, war Spiel 4 im Final 1994 gegen Kloten. Wir lagen vorne, bis Dino Stecher diesen unsäglichen Holperschuss von irgendwo reingelassen hat. Kloten wurde an jenem Abend Meister – unschön. In Freiburg war ich erstmals im August 2001 und kam da dank eines «Forumtreffens» in den Genuss mein zweites Live-Spiels überhaupt. Ich hatte davor eigentlich keine anderen Gottéron-Fans aus Winterthur gekannt, mit dem Internet taten sich aber neue Perspektiven auf. Dank dem Online-Forum konnte ich endlich Kontakte zu anderen Fans in der Region knüpfen. Aus diesen Kontakten aus den Anfängen 2001 sind viele gute Bekanntschaften und vor allem einige langanhaltende Freundschaften entstanden. 

An die Heimspiele gehe ich heute so oft wie möglich. Mein Saisonrekord dürfte so bei 20 liegen, in den letzten Jahren waren es aber eher so 15 während der Qualifikation. Die häufigsten Verhinderungsgründe waren ausser absoluten Familienpflichtterminen, wenn ich selber Match (Eishockey, Unihockey, früher Faustball) hatte. Da ich kein Auto habe, ist es unter der Woche und vor allem in den Playoffs mühsam, nach Freiburg zu kommen. Ich muss werktags spätestens um 22.34 Uhr auf den Zug, damit ich bis nach Winterthur komme. Ich habe ein Gottéron-Abonnement seit der Saison 2007/08, und Gottéron bestimmt meinen Lebensrhythmus. Früher konnte ich nach Niederlagen tagelang niedergeschlagen sein (z.B. nach dem 0:9 in Kloten am 6. Januar 2002). 

Wenn ich ehemalige Schulkollegen oder Sportlerkollegen treffe, die ich lange nicht mehr gesehen habe, fragen sie mich immer: "Bist du immer noch Gottéron-Fan?"oder "Gehst du immer noch so oft an die Spiele?" Ich war in jungen Jahren wohl ein etwas zu fanatischer Fan, dass ich bei den anderen so in Erinnerung geblieben bin. Auch jene, die sich null für Eishockey interessieren, erkundigen sich nämlich jeweils nach meiner aktuellen Gottéron-Verbundenheit.

Mit Gottéron wird mich ewig verbinden, dass nach einem Spiel in Freiburg auf der Heimfahrt im Zug meine zukünftige Frau kennengelernt habe. Ihre ganze Familie ist Gottéron-Fan, ich musste mich nie für meine Leidenschaft rechtfertigen oder mir von ihnen blöde Sprüche anhören. Fun fact: Meine Verlobte und ich haben beide – unabhängig voneinander - seit jeher beim Unihockey beziehungsweise bei Eishockey die Rückennummer 90 getragen. Natürlich wegen Slava Bykov. 

Ich bin bei Weitem nicht der einzige aus der Region Zürich, der an die Spiele von Gottéron geht, und ich bin definitiv nicht derjenige, der am Häufigsten geht. Es gibt zwei, drei Leute aus der Region, die wirklich IMMER im Stadion sind – egal, ob in Freiburg oder unter der Woche in Lugano und Davos. In den Playoffs sowieso. Gegenwärtig ist es ein knappes Dutzend, das fast immer kommt. In den Neunzigern und den frühen 2000er war der Zürcher Gottéron-Fanclub «Les Choeurs de Gottéron» ziemlich gross – über 50 Leute gehörten zu Spitzenzeiten dazu.

Es ist auch immer wieder cool zu beobachten, wie die Leidenschaft weitergereicht wird. Immer wieder sehe ich an den Auswärtsspielen in Zürich, Rapperswil, Kloten und Zug Kids und Jugendliche mit uralten Gottéron-Trikots und -Schals. Und ich treffe immer wieder Leute, die ich anderweitig kenne. Ihre Reaktion ist dann ungefähr so: «Was machst denn du da?» Die «Dunkelziffer» an Gottéron-Fans und -sympathisanten ist im Kanton Zürich sehr gross und da kann der Club stolz darauf sein.