Gottéron-Blog 20.12.2018

Matthias Marti (33), Uster ZH

Wie so viele andere hat es mich während der Ära Bykow/Chomutow gepackt. Die Tatsache, dass es einem Schweizer Klub tatsächlich gelungen war, zwei Spieler von diesem Kaliber in die Schweiz zu locken, war schon einzigartig und hat mich einfach geflasht. Dass es dann trotzdem bis heute nie zum Titelgewinn gereicht hat, ist natürlich schade und schmerzt wohl nach wie vor jede Gottéron-Seele.

Aber Gottéron war nicht immer meine grosse Liebe, tatsächlich war Kloten (damals noch der gute alte EHC) meine erste. Dies war der Tatsache geschuldet, dass ich in der Unterstufe mit Sandro Bruderer, dem Sohn des damaligen Assistenzcoachs, in derselben Klasse war. Klublogo und Namen ausgewählter damaliger Teamstars (Hollenstein, Wäger, Klöti, Eldebrink usw.) zierten daher auch meinen, im Handarbeitsunterricht, selbstgebauten Dominokasten. Mit dem Zuzug des legendären Russen-Duos wurde ich meiner ersten Liebe dann aber untreu und verschenkte mein Herz an Gottéron. Mit ein Grund war da auch der Fakt, dass die Mutter unserer langjährigen Nachbarsfamilie Freiburgerin ist und die Tochter leidenschaftliche Gottéron-Anhängerin war (also vermutlich auch heute noch). Auch mein älterer Bruder war damals Gottéron-Sympathisant, mein noch älterer Bruder hingegen war und ist bis heute ZSC-Fan. Meine vorhergehende „Beziehung“ mit Kloten und auch dieser unsägliche Radioreporter Walter Scheibli waren damals die Gründe, weshalb ich nicht ins „Zett“-Fanlager wechselte. Heute sind es noch andere Gründe (Mäzen-Verein, arrogante Zürcher, Hallenstadion ist kein richtiges Stadion), die mich zumindest in diesem Leben definitiv nicht mehr zum ZSC-Fan werden lassen :-).

Ich glaube, mein erstes Eishockeyspiel, das ich live gesehen habe, war ein Testspiel zwischen Thurgau und Kloten. Das muss 1992 oder 1993 gewesen sein. Bis ich zum ersten Mal im St. Leonhard war, dauerte es allerdings noch eine geraume Weile. Es war irgendwann um 2000/01 herum gegen Kloten, und ausgerechnet gegen meinen alten Verein ist Gottéron da in den Playoffs ausgeschieden. Vom Spiel selbst weiss ich nicht mehr viel, ausser dass zwei Kollegen beim Anstehen spasseshalber eine Keilerei anzettelten. Sofort war ein Security da, der die Welt nicht mehr verstand, als die beiden abrupt aufhörten und ihm weismachten, dass sie Kollegen sind. Die Erinnerung an die Carfahrt zum Match ist deutlich lebhafter: juveniler Unsinn mit viel zu viel Alkohol. Hätte ich aber noch eine ultimativ letzte Bestätigung gebraucht, warum es Gottéron ist, das mich nie wieder loslassen wird, dann war wohl dieser Tag der Auslöser. Die lautstarke Unterstützung der Fans, das enge Aneinanderstehen - das hatte mich schon schwer beeindruckt.

Ich gehe so oft ich kann an die Spiele von Gottéron. Alle Spiele im St. Leonhard und die nahe gelegenen Auswärtsspiele (Zug, ZSC, Rappi, bis letzte Saison auch Kloten) sind eigentlich immer gebucht. Ich haben seit 2008 ein Saisonabonnement, vorher lag es zeitlich und einfach auch finanziell nicht drin. Ich wollte nicht immer verzweifelt auf Ticketsuche gehen zu müssen, speziell in den Playoffs, und habe mir deshalb die Saisonkarte zugelegt. Die Stehplatzsektoren waren damals zwar noch massiv grösser, doch die Nachfrage war stets gross und die Sicherheit, im Stadion sein zu können, war mir einfach wichtig.

Man - oder vor allem der selbsternannte Eismeister Klaus Zaugg - sagt Gottéron ja gerne nach, dass der Verein nur zwei Extreme kennt: Wenn es gut läuft, seien grenzenlose Freude und Euphorie an der Tagesordnung, und wenn nicht, sei alles ganz übel und schlecht. Etwas zwischendrin gäbe es nicht. Ganz ähnlich ist das bei mir persönlich, wenn auch nicht ganz so dramatisch. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das auch auf den Verein nicht mehr wirklich zutrifft und Zaugg einfach gerne daran festhält. Spätestens seit Dubés Engagement als Sportchef sehe ich da eine Professionalität heranwachsen, die dem Klub leider lange gefehlt hat. Auch wenn sich Dubé immer noch gerne kryptisch ausdrückt, wie ich finde.

Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass das „Zeitfenster” noch lange genug offensteht, damit Julien Sprunger eines Tages den Meisterpokal in die Höhe stemmen darf. Als erster notabene, weil er wohl bis an sein Karriereende Teamcaptain bleiben wird.