Gottéron-Blog 20.12.2018

Tony Arnold (29), ursprünglich aus Unterschächen UR, seit acht Jahren wohnhaft in Schwändi GL 

Zu erklären, warum ich Gottéron-Fan wurde, ist nicht ganz einfach. Es ist selbst mir nach wie vor etwas schleierhaft, wie es dazu gekommen ist. Auf jeden Fall war ich früher La Chaux-de-Fonds-Fan. Wie es dazu kam, ist mir noch viel schleierhafter, wahrscheinlich wegen dem - vor allem für einen Deutschschweizer - lustigen Ortsnamen. Mir war damals noch in keiner Weise bewusst, welche Ortschaften und Mannschaften in der Nähe sind und welche eher nicht. Für ein Urner Kind ist jeder andere Kanton weit weg. Ein Eishockeystadion gibt es bis heute keines im ganzen Kanton. Eishockey kannten wir aus dem "Sport Aktuell" und dem "Blick", selber spielten wir Inline-Hockey. Zu dieser Zeit haben meine Cousine und ich aus Styroporverpackungen eine Art Podest gebastelt. Dann haben wir für jedes Team eine Flagge gezeichnet und an einen Zahnstocher geklebt. Mit diesen Fähnchen haben wir nach jeder Runde die Tabelle der NLA auf dem Podest dargestellt. 

Wenn uns langweilig wurde, haben wir virtuelle Wunschtabellen gesteckt. Bei meiner Tabelle folgten nach La Chaux-de-Fonds meist Zug (mein Bruder und meine Schwester waren Zug-Fan) und dann Freiburg. Nach dem Abstieg 1998 rutschten dann diese Mannschaften im meiner Beliebtheitsskala nach oben. Weil ich nicht für dasselbe Team Fan sein wollte wie meine Geschwister, wurde ich Gottéron-Sympathisant. Fan war ich aber nach wie vor von La Chaux-de-Fonds. Mein erstes Eishockeyspiel sah ich in der Valascia, Ambri gegen Davos. Ich weiss nicht mehr, wie das Spiel ausging, ich erinnere mich aber noch, dass die Schiedsrichter immer gegen den HCD gepfiffen haben. Zumindest kam es mir als 10-Jähriger damals so vor. In der Saison 2000/01 ging es nochmals in die Valascia, diesmal spielten Ambri gegen La Chaux-de-Fonds, nachdem diese wieder aufgestiegen waren. Ich glaube es gab ein 2:2, Verlängerungen gab es damals wohl noch nicht. Danach stieg La Chaux-de-Fonds wieder in die NLB ab und nie wieder auf. Ich wurde endgültig zum Gottéron Fan. 

Mein Vater interessierte sich nur für Skifahren und Schwingen. Meine Mutter konnte mit Sport gar nichts anfangen. Dass sie mit mir nach Freiburg an einen Eishockeymatch kommen würde, durfte ich also nicht erwarten. Auch mein Bruder und meine Schwester wandten sich vom Eishockey ab. Nachdem der EVZ Meister wurde, war ihr Hunger wohl gestillt. Es gab jedoch eine Person im Dorf, die Gottéron-Fan war. Er durfte bereits Autofahren, war der beste Fussballer, den ich kannte und war bereits in jedem Eishockeystadion der NLA gewesen. Er war cool. Vielleicht liegt es an ihm, dass ich immer Sympathien für Gottéron hatte. Auf jeden Fall fragte ich ihn, ob ich einmal mit ihm an einen Match nach Freiburg kommen dürfe. Ich durfte.  

Es war in der Saison 2003/04 gegen Lugano. Wir standen im heutigen Sektor F. Soweit ich mich erinnere, verlor Gottéron 1:0. Mein Nachbar nahm mich danach noch einige Male ins St. Leonhard mit. Irgendwann lernte ich andere Urner Gottéron-Fans kennen. Irgendwann die Fans aus Zürich, die mich freundlicherweise in ihren exklusiven Kreis aufnahmen und mit denen ich heute regelmässig mitfahren darf. 

Seit der Saison 2015/16 besitze ich nun ein Stehplatzabo. Ich gehe pro Saison zwar nur an rund 10 bis 15 Heimspiele der Freiburger und an etwa gleich viele Auswärtspartien. Das Abo sehe ich aber auch ein bisschen als persönlichen Sponsoring-Beitrag. Die 2,5 Stunden Hinfahrt aus dem Glarnerland nehme ich gerne in Kauf, wenn man solche Spiele wie das Stängeli vom Samstag gegen Langnau sehen kann. Da war es dann auch egal, dass es nur zu 3,5 Stunden Schlaf reichte, ehe ich wieder zur Arbeit musste.