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Sprache, Identität und Indoktrinierung

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Carole Schneuwly

Zumindest akustisch beginnt die aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle Fri-Art schon, bevor man die Ausstellungsräume im Erdgeschoss betritt. Menschliche Stimmen, die seltsame Laute von sich geben, empfangen die Besucherinnen und Besucher. Leute, die eine exotische Sprache sprechen? Beschwörende Klänge, die zu einem fremdartigen Ritus gehören?

Nein, es handelt sich um Sprechübungen, und die Töne gehören zu einer Videoarbeit der serbischen Künstlerin Katarina Zdjelar. «The Perfect Sound» dokumentiert die Arbeit eines Sprachtherapeuten, der mit seinen Übungen den ausländischen Akzent aus dem Englischen seines Klienten ausmerzen will. Ziel ist ein internationales Englisch ohne jegliche Besonderheiten, wie es in der Geschäftswelt geschätzt wird. Das Video macht deutlich, dass Sprache viel mit Identität zu tun hat, dass ein Neutralisieren der Sprache auch ein Neutralisieren der Persönlichkeit ist und dass einen das Sprechen einer Fremdsprache in eine Position der Schwäche bringt.

Mehr als blosse Worte

Rund um diese Themen kreisen auch die fünf anderen Videoarbeiten, welche die 31-jährige Künstlerin im Fri-Art präsentiert. Ihre Überlegungen reichen von der Diskrepanz zwischen Inhalt und Darbietung von Liedern bis zu den wenigen Russischbrocken, die Menschen aus Tirana aus ihrer Schulzeit in Erinnerung geblieben sind und die weit mehr sind als blosse Worte.

In «Don’t do it wrong» zeigt Zdjelar das befremdende Morgenritual an einer Primarschule in Istanbul: Die uniformierten Schülerinnen und Schüler müssen, aufgestellt in Reih und Glied, die Nationalhymne singen und einen Treueschwur an Atatürk aufsagen – die Spannung zwischen kindlichem Wesen und Disziplinierung und Indoktrinierung ist mit Händen greifbar. Die jüngste Arbeit, «We need to have civil consciousness and basta» aus dem Jahr 2010, zeigt die Versammlung einer Bürgergruppe in Neapel, die entscheiden will, ob sie eine politische Partei gründen will oder nicht – und Gesichter von Versammlungsteilnehmern, die während des schier endlosen Monologs eines unsichtbaren Sprechers selber Bände sprechen.

Holz und bunte M&M’s

Der erste Stock der Kunsthalle ist derweil fest in den Händen des in Berlin lebenden New Yorker Künstlers David Adamo. In einer eigens für das Fri-Art geschaffenen Installation verbindet er, wie schon in früheren Arbeiten, Holzskulpturen mit Bronzeabgüssen und anderen Objekten. Grob behauene Tannenstämme aus dem Greyerzerland und noch am Boden liegende Holzspäne zeugen von der Energie und der Kraft, die der 31-Jährige bei der Arbeit mit dem Holz aufgewendet hat. Objekte wie eine in die Wand gehauene Axt verstärken den Eindruck brachialer Gewalt.

Ein Gegengewicht bilden fast verspielt anmutende Elemente wie eine auf einem Balken zurückgelassene Birne, eine im Marionettenmuseum ausgeliehene Teufelsfigur, die wie zufällig am Boden liegt – oder aus Bronze gegossene, sehr real anmutende M&M’s, kleine, feine Farbtupfer in den vielen groben Holzspänen.

Kunsthalle Fri-Art, Kleinrahmengasse 22, Freiburg. Bis zum 16. Januar. Mi. und Fr. 12 bis 18 Uhr, Do. 12 bis 20 Uhr, Sa. und So. 14 bis 17 Uhr.

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