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Sprachendebatte rund um die Jugendarbeit

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Es ist ein Unikum in der Freiburger Gesetzgebung. Das Jugendgesetz sieht die Funktion des Jugendbeauftragten vor und präzisiert: «Die Stelle wird mit je einer Vertreterin oder einem Vertreter der beiden Sprachgemeinschaften besetzt.»

Doch der Grosse Rat ist gewillt, diese Ausnahmeregelung zu opfern. Mit 45 gegen 34 Stimmen erklärte er gestern eine Motion der Grossrätinnen Anne Meyer Loetscher (CVP, Estavayer-le-Lac) und Susanne Aebischer (CVP, Kerzers) für erheblich, gemäss der die Stelle auch mit einer einzigen Person besetzt werden kann. Einzige Bedingung: «Beherrschen der Partnersprache.»

Grund für die Motion war, dass die deutschsprachige Jugendbeauftragte gekündigt hatte und es bisher es nicht gelang, sie zu ersetzen. Derzeit läuft die Prüfung der Bewerbungen einer zweiten Ausschreibung.

«Die Motion will eine Vereinfachung», sagte Anne Meyer Loet­scher. «Es ist kein Schritt gegen das Jobsharing und auch nicht gegen die Zweisprachigkeit.» Es gehe einzig darum, diesen Passus aus dem Gesetz zu nehmen.

Doch in der anschliessenden Debatte drehte sich dann fast alles um die Zweisprachigkeit. Es meldeten sich mehr Grossrätinnen und Grossräte zu Wort als zuvor beim 25-Millionen-Kredit für das Smart Living Building. Und während fast alle Deutschsprachigen die Gesetzesänderung verhindern wollten, empfahlen die französischsprachigen Parlamentarier die Annahme der Motion.

«Wenn nur noch eine Person im Kanton mit der Jugendarbeit beauftragt ist, besteht die Gefahr, dass eine Sprachregion vergessen geht», befürchtete André Schneuwly (Freie Wähler, Düdingen). «Ich denke, die Sensibilität für die Zweisprachigkeit ist im Kanton vorhanden. Es ist aber dennoch wichtig, dass beide Sprachregionen vertreten sind.» Er zweifelte auch die Beweggründe für die Motion an. Er wisse von deutschsprachigen Personen, die sich für die Stelle beworben hätten. Bei der einen Person habe das Verfahren zu lange gedauert, und der zweiten habe man beschieden, zuerst solle die Debatte im Rat stattfinden.

«Zwei Herangehensweisen»

Bernadette Mäder-Brülhart (CSP, Schmitten) sagte: «Die Vorteile des heutigen Systems überwiegen. Das eingeführte Jobsharing erwies sich als weitsichtig für die Zweisprachigkeit des Kantons.»

Auch Olivier Flechtner (SP, Schmitten) zeigte sich als Verfechter der bisher geltenden Regelung. Er machte darauf aufmerksam, dass «Jugendarbeiter» und «animateur socioculturel» mehr beinhalte als die Übersetzung eines Begriffs: «Die Ausdrücke stehen für zwei verschiedene Herangehensweisen in den beiden Sprachregionen. Wenn wir diese Stärke aufgeben, riskieren wir, viel mehr zu verlieren als nur Sprachkompetenz.»

Für Christine Jakob (FDP, Murten) stellt die Annahme der Motion «eine Ohrfeige für Deutschfreiburg» dar, und Ruedi Vonlanthen (FDP, Giffers) ergänzte: «Da können wir die Stelle einer Jugendbeauftragten gleich ganz streichen.»

«Es ist kein Sprachenkrieg. Es geht hier um Effizienz», widersprach ihnen Giovanna Gar­ghentini Python (SP, Freiburg). «Es gab eine lange Abwesenheit von deutschsprachigen Jugendbeauftragten, und Deutschfreiburg wurde dennoch nicht vernachlässigt.»

Gesundheits- und Sozialdirektorin Anne-Claude Demierre (SP) versprach schliesslich: «Die Direktion sucht die bestmögliche Lösung, um die Zweisprachigkeit zu garantieren.»

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