Archiv 10.05.2011

Staatsrat schlägt Bund acht Freiburger Traditionen für Unesco-Liste vor

Die Kantonsregierung schlägt dem Bundesamt für Kultur acht lebendige Freiburger Traditionen für das immaterielle Kulturerbe der Unesco vor.

Autor: URS HAENNI

FreiburgDer Bund will zusammen mit den Kantonen ein Inventar der lebendigen Traditionen in der Schweiz erstellen. Diese sollen anschliessend ins immaterielle Kulturerbe der Unesco aufgenommen werden. Der Staatsrat hat die Vorschläge für den Kanton Freiburg genehmigt, die gestützt auf die Arbeiten einer Freiburger Expertengruppe zusammengestellt worden sind. Er schlägt dem Bund folgende acht Traditionen vor:

• Das Wissen der Käser um die Herstellung des Greyerzer Alpkäses (und des Freiburger Vacherins), einschliesslich Alpabzug, Alpenlieder und das Tragen der Sennentracht;

• der Kuhreihen (Ranz des vaches) im Greyerzer Patois und in Französisch (einschliesslich dessen Darbietung durch die Freiburger am Winzerfest in Vevey);

• die Poya-Malerei / Darstellungen des Alpaufzugs;

• das Fondue als Mahlzeit (eventuell zusammen mit dem Kanton Neuenburg);

• das Handwerk der Schindelmacher (eventuell zusammen mit dem Kanton Neuenburg);

• das Nikolausfest in der Stadt Freiburg;

• die Kilbi (Bénichon), im gesamten Kanton begangenes Erntedankfest;

• die Tradition des Geistheilens und die anerkannte Tätigkeit der Heilerinnen und Heiler (eventuell zusammen mit dem Kanton Jura).

Diese Inventarisierung erfolgt im Rahmen der Umsetzung des Unesco-Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes, wie der Staatsrat in einer Mitteilung schreibt. Als solches wird lebendiges Kulturgut bezeichnet, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird und das den Gemeinschaften und Gruppen ein Gefühl von Identität und Kontinuität vermittelt.

Das Amt für Kultur der Direktion für Erziehung, Kultur und Sport hatte das Greyerzer Museum damit betraut, ein Inventar der lebendigen Traditionen des Freiburgerlands zu erstellen. Das Museum bildete für diese Aufgabe eine Expertengruppe.

Zehn weitere Vorschläge

Der Kanton Freiburg konnte gemäss dem nationalen Projektleiter nur acht Traditionen einreichen. Die Expertengruppe hatte dem Staatsrat folgende weitere Traditionen vorgeschlagen: das Maisingen; das Fronleichnamsfest mit der Beteiligung der «Confrérie du Saint-Sacrement» in Freiburg und Düdingen; das Totengedenken mit den damit verbundenen Friedhofsbräuchen an Allerseelen; die Bräuche der Karwoche; die Gedenkfeierlichkeiten zur Schlacht von Murten; der Chorgesang an den Cäcilienfeiern; das Theater im frankoprovenzalischen Dialekt und in Senslerdeutsch; das Dreikönigsfest; ein oder mehrere Heiligenfeste; die Mariengrotten.

Kantonales Inventar geplant

Der Staatsrat wird später noch Gelegenheit haben, zu den Schlussfolgerungen und Vorschlägen, die das Bundesamt für Kultur dem Bundesrat unterbreiten will, Stellung zu nehmen. Schliesslich wird der Unesco nur eine kleine Auswahl von Vorschlägen – etwa zwanzig – für die gesamte Schweiz vorgelegt, wovon lediglich fünf oder sechs ins immaterielle Kulturerbe aufgenommen werden.

Der Freiburger Staatsrat plant jedoch, ein kantonales Inventar der lebendigen Freiburger Traditionen zu erstellen und dieses über eine Datenbank online bereitzustellen.