Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Staatsanwalt will Exempel statuieren

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Unter einem grossen Polizeiaufgebot begann gestern in Tafers der Prozess gegen einen international tätigen Drogenhändlerring. Den sechs Angeklagten wird vorgeworfen, zwischen März 2017 und Mai 2018 mindestens 30  Kilogramm Heroin im Raum Bern/Freiburg in Verkehr gebracht zu haben. Fünf der Beschuldigten befinden sich im vorzeitigen Strafvollzug. Zuständig ist das Strafgericht des Sensebezirks unter dem Vorsitz von Peter Rentsch.

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft liest sich wie ein Krimi: Es ist von Decknamen, versteckten Drogen­depots, beschlagnahmten Wegwerfhandys und verdeckten Überwachungsmassnahmen die Rede. «Es handelt sich um einen aussergewöhnlichen Fall. Die Beschuldigten widmeten sich dauerhaft und konsequent dem Drogenhandel», stellte Staatsanwalt Markus Julmy an der Gerichtsverhandlung fest. Er forderte für die Angeklagten Freiheitsstrafen von drei bis neun Jahren, um an ihnen ein Exempel zu statuieren. Die Verteidiger der Beschuldigten zeigten sich empört ob der hohen Strafanträge und verlangten deutlich mildere Strafen im Bereich von maximal drei Jahren.

Chefs entgehen Verfolgung

Der in Tafers verhandelte Fall zeigt exemplarisch auf, wie international tätige Drogenringe vorgehen. Dank Arbeitsteilung entgehen die Köpfe der Banden häufig einer Strafverfolgung. Im Fall von Tafers ist der Bandenchef den Behörden nur unter dem Namen «Aldi» bekannt. Er befindet sich mutmasslich in Albanien. «Aldi» nahm die Bestellungen von Kunden entgegen und beauftragte Bandenmitglieder in der Schweiz – sogenannte Läufer – mit der Auslieferung des Heroins. Die Läufer befinden sich in der Hierarchie des Drogenrings auf der untersten Stufe und tragen das grösste Risiko, da sie mit den Drogen in Kontakt kommen. Sie reisen meist illegal ein und bleiben nur kurze Zeit, bevor sie wieder ausreisen oder verhaftet werden. Vier solche Läufer sassen gestern in Tafers auf der Anklagebank. Sie stammen alle aus dem Balkan, sind in der Schweiz nicht verankert und sprechen weder Deutsch noch Französisch. Neben Drogenhandel wirft ihnen die Staatsanwaltschaft auch Verstösse gegen das Ausländergesetz wegen illegalen Aufenthalts in der Schweiz vor.

Zwischen Bandenchef und Läufern stehen Schmuggler, Zwischenhändler sowie Mittelsmänner, die die Läufer unterstützen. Im Fall von Tafers ist nicht bekannt, wie und wo das Heroin in die Schweiz gelangt ist. Wer die ortsunkundigen Läufer unterstützte, ist indes erwiesen. Die zwei beschuldigten Bandenmitglieder stammen ebenfalls aus dem Balkan, verfügen jedoch über ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz. Ein 55-jähriger Familienvater, der seit über zwei Jahrzehnten in der Schweiz lebt, vermittelte den illegal Eingereisten Wohnungen und diente als Übersetzer.

Darüber, welche Rolle der zweite Mittelsmann im Drogenhandel innehatte, herrschte vor Gericht Uneinigkeit. Beim 22-Jährigen war die Differenz zwischen den Strafanträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung besonders frappant: Während Markus Julmy 9 Jahre forderte, plädierte Rechtsanwältin Maria Riedo für eine Freiheitsstrafe von maximal 22 Monaten.

«Einfache Handlanger»

«Die Staatsanwaltschaft fordert massive Strafen für einfache Handlanger, bloss weil der Chef der Bande nicht belangt werden kann», so Riedo. Ihr Mandant habe lediglich als Fahrer für die Bande gedient. Riedo kritisierte ausserdem die von den Behörden verwendeten Methoden zur Berechnung der Gesamtmenge des gehandelten Heroins. Die Polizei hatte auf der Basis ihrer Ermittlungen Hochrechnungen angestellt. Den Darstellungen der Rechtsanwältin widersprach Staatsanwalt Julmy. Gemäss seinen Ausführungen war der Beschuldigte am gesamten Drogenhandel beteiligt und einer der führenden Köpfe. Dass er neue Bandenmitglieder anwarb, beweise dies.

Die Verhandlung wird morgen Donnerstag fortgesetzt. In seinem Urteil wird das Strafgericht insbesondere darüber befinden müssen, ob bei den zwei Mittelsmännern ein sogenannter Härtefall vorliegt, weil die den Beschuldigten vorgeworfenen Delikte grundsätzlich einen Landesverweis zur Folge haben. Ausnahmsweise kann von einem Verweis abgesehen werden.

Kommentar (0)

Schreiben Sie einen Kommentar. Stornieren.

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die Pflichtfelder sind mit * markiert.

Mehr zum Thema