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Steht Afrika immer mehr abseits?

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Abderrahmane Sissako über seinen Film und seinen Kontinent

«Life on Earth» heisst der Film, der 1999 so überraschend wie verdient die höchste Freiburger Filmauszeichnung erhalten hatte: «Das Leben auf Erden». Der 1961 in Mauretanien geborene Abderrahmane Sissako zeigt darin als Regisseur und Schauspieler, wie in seines Vaters Heimatstadt Sokolo das globale Jahrtausendereignis, der Wechsel ins neue Millennium, gefeiert wird. Nämlich überhaupt nicht. Sokolo abseits des Weltgeschehens.

Sissakos ruhige, sich nahe am Dokumentarischen bewegenden 61-Minuten-Film haben vor Jahresfrist das Preisgericht mit ihrer Botschaft überzeugt: Die Globalisierung ist keine globale Sache. Im vielprophezeiten (telekommunikativen) Weltdorf von morgen sind noch lange nicht alle Quartiere erschlossen. Das hat freilich, soweit im «Global village» die euroamerikanischen Stadtplaner mit der wirtschaftlichen und kulturellen Dampfwalze umherkurven, auch seine positiven Seiten.
Abderrahmane Sissako setzt, danach gefragt, ob denn nun der Silvester in Sokolo genauso ablief, wie ihn sein Film prophezeit hat, ein kurzes Lächeln auf. «Exakt», sagt er, «der Jahreswechsel war ein einziges Nicht-Ereignis. Wie man übrigens ja vielerorts auf der Welt erkannt hat, dass das Millenniums-Fieber eine erfundene Sache war.»
Das bedeute aber nicht, dass man den Zeitenwechsel in Sokolo nicht mitverfolgt hat. Interesse am Geschick der Welt sei – wie im Film ersichtlich – sehr wohl vorhanden, nur die Realität vor Ort habe damit kaum etwas gemein. «Das ist ja gerade der Punkt: Dass sich die Welt umgekehrt nicht für ihre interessiert.»

Öffnen Trophäen Türen?

Freiburgs Juroren zumindest haben sich im letzten Jahr dafür interessiert. Hat ihm denn der gewonnene «Regard d’Or» überhaupt etwas gebracht? «Nein», konstatiert Sissako, «nicht, dass ich das direkt spüren konnte. Es ist möglich, dass der Hinweis auf die Auszeichnung in der Schweiz ein paar Zuschauer mehr angelockt hat.» Neue Türen geöffnet habe ihm der Preis jedoch bislang nicht. Aber was nicht ist, meint er auf mögliche helvetische Koproduktionen anspielend, könne ja noch werden. Immerhin wird er jetzt, da er in Freiburg ist, hier und dort lobend auf seinen Film angesprochen.

Sein Publikum gefunden hat Sissakos vierte Produktion so oder so – in Amerika und einigen Ländern Europas; meist im Rahmen von speziellen Filmzyklen. Und natürlich auch in Sokolo. Dort hat er die Vorführung von «Life on Earth» gleich wieder in einem 30-minütigen Film festgehalten.
Auszeichnung hin oder her – als cineastischer Hoffnungsträger Afrikas will der heute vornehmlich in Paris Lebende nicht gelten. «Es wäre geradezu tragisch, wenn die Hoffnung eines ganzen Kontinents auf einer einzelnen Person lasten würde.» Sissako spricht lieber vom Potential einer jungen Generation von Filmern – zu welcher man ihn zählen könne -, die neue Perspektiven aufzuzeigen vermöchten.

Lied mit vielen Strophen

Aber auch der jungen Generation stehen die altbekannten Hürden im Weg. – Die wären? – «Natürlich die lähmende Abhängigkeit vom Geld und Goodwill europäischer Länder.» Das klingt nach dem Lied, das überall im Südfilm-Milieu gesungen wird. Aber Sissako weiss noch ein paar Strophen mehr: «Daneben mangelt es den afrikanischen Staaten schlicht an einer richtigen Kultur- beziehungsweise Filmpolitik. Das Fehlen einer eigenen autonomen Filmindustrie, vor allem eigener Filmakademien ist das Gravierendste überhaupt.» Vom Nutzen solcher Einrichtungen ist er als Absolvent des Moskauer Filminstituts felsenfest überzeugt. «Wo sie fehlen», sagt er, und denkt dabei auch an die Schweiz oder andere europäische Länder, «sieht man ja, wie viel internationale Beachtung der eigenen Filmproduktion beschieden ist.»

Diese Beachtung scheint dem afrikanischen Film – wenn man ins Programmheft schaut – auch am diesjährigen Filmfestival versagt worden zu sein (gerade mal zwei Filme von über sechzig stammen aus einem schwarzafrikanischen Land). Steht Afrika nun auch hier abseits? Die Auswahl der Freiburger Filmkommission mag Abderrahmane Sissako nicht in Frage stellen. Zumindest, was die Selektion des Concours angeht. «Freiburg sollte aber schon Acht geben, wo es sich doch als Festival für den Film des Südens versteht, dass nicht einfach ein ganzer Kontinent vom Wagen fällt.» Bestünde in einem Jahr Mangel an qualitativ überzeugenden Neuproduktionen, liessen sich ja «immer auch noch Retrospektiven ins Programm integrieren». Bis spätestens morgen muss sich Abderrahmane Sissako von der qualitativen Überzeugungskraft der zehn nichtafrikanischen Filme im diesjährigen Wettbewerb ein Urteil gebildet haben. Als Mitglied der internationalen Jury hat der vorjährige Preisträger seinen Nachfolger mitzubestimmen. Sissako: «Dabei möchte ich betonen, dass nicht Preise und Prämien das Wichtigste sind, sondern der Anlass als solcher – als Ort des Austausches.»

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