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Steiniger Weg zu einem echten Velonetz

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Im Gespräch mit den FN preist CVP-Grossrat und TCS-Präsident Eric Collomb die Vorzüge des Bundesbeschlusses über die Velowege. Chris­tophe Giller, Präsident der Stadtfreiburger SVP, sagt, warum seine Partei ­da­gegen ist.

Sind Sie selber Velofahrer?

Eric Collomb: Ja, ich bin Velofahrer, aber nun fahre ich vor allem Mountainbike, weil es nicht mehr viele Strassen gibt, wo man sich auf dem Velo sicher fühlt. Die Autos fahren so nahe vorbei. Diese mangelnde Sicherheit brachte mich dazu, mehr im Gelände zu fahren.

Christophe Giller: Ich fahre nicht Velo. Da ich im Stadtzentrum wohne, bin ich immer zu Fuss unterwegs. Ich besitze kein Velo mehr.

Machen Sie aber ähnliche Beobachtungen?

Giller: In unserem Kanton haben wir bezüglich Velo ganz klar einen Rückstand auf andere Regionen.

Collomb: Genau deshalb müssen wir nun neue Radwege schaffen. Wir sind sehr gut abgedeckt mit Wanderwegen: 65 000 Kilometer in der Schweiz. Aber für die Velos gibt es nur 12 000 Kilometer signalisierte Wege. Wir haben sie in der Vergangenheit mehr oder weniger vergessen. Heute ist es schwierig, dies aufzuholen.

Sie sind einverstanden, dass man etwas machen muss?

Giller: Ja. Der Vergleich zu den Wanderwegen hinkt aber. Diese dienen dem Wandern in der Freizeit. Hingegen will man mit dem Velo meist von einem Punkt zum anderen gelangen. Man müsste Velowege eher mit Trottoirs vergleichen, die entlang der Kantonsstras­sen ebenso fehlen. Auch Fussgänger fühlen sich nicht sicher.

Collomb: Ja, aber einen Arbeitsweg von vier bis fünf Kilometern macht man nicht zu Fuss. Trottoirs machen da keinen Sinn. Hat man aber für diese Distanz einen Veloweg zur Verfügung, so wird er auch benützt. Velowege führen auch zu einem besseren Verkehrsfluss: Jede Velofahrt bedeutet eine Autofahrt weniger. Ich setze mich für Mobilität ganz allgemein ein. Jeder Bürger soll die Wahl zwischen den Transportarten haben, und jede Transportart muss genügend entwickelt sein.

Warum soll ausgerechnet der vorgelegte Bundesbeschluss etwas daran ändern?

Collomb: Mit diesem kann man der Sache eine gewisse Wichtigkeit geben. Es wird sicher nicht alles durch einen Verfassungsartikel geregelt. Aber man sieht das anhand der Wanderwege, die vor 40 Jahren in die Verfassung aufgenommen wurden: Es wurden viele neue Wanderwege geschaffen. Wenn man die Velowege in die Verfassung aufnimmt, wird man die Kantone dafür sensibilisieren, die Entwicklung zu fördern.

Giller: Stellt man die Velos in der Verfassung mit den Wanderwegen gleich, so wird das höchstens Velowege für die Freizeit in den Bergen fördern. Nicht aber die Strassen in den Siedlungsgebieten. Da wurden schon die Fussgänger vernachlässigt, und das wird für die Velos genau gleich sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es etwas bringt, jemanden in Bern anzustellen, um auf Anfrage Velowege zu koordinieren. Der vom Bund dafür vorgesehene Betrag von 1,8 Millionen Franken ist vernachlässigbar.

Die SVP hat Befürchtungen geäussert, dass die Kosten viel höher werden …

Giller: Mit der Änderung der Verfassung muss der Bund die Kantone und die Gemeinden in ihren Vorhaben unterstützen. Dafür sollten die anderthalb zusätzlichen Stellen eigentlich reichen.

Collomb: Zu den eigentlichen Projekten trägt auch der nationale Fonds für die Stras­seninfrastrukturen bei. Da gibt es Beträge, die für Agglomerationsprogramme vorgesehen sind. In den 300 Millionen Franken im Jahr ist auch ein Teil zur Finanzierung von Radwegen vorgesehen. Natürlich reicht das nicht: Die Kantone müssen weiterhin selber entscheiden, wie viel sie investieren wollen.

Bleibt es bei der Koordina­tion, oder erwarten Sie Druck durch den Bund?

Giller: Es ist eine Befürchtung eines Teils der SVP, dass es zu einem Autonomieverlust bei den Kantonen und Gemeinden kommt. Aber dazu müssten diese ja den Kontakt mit dem Bund aufnehmen, und ich glaube nicht, dass dies häufig vorkommen wird. Bei der Agglo Freiburg spricht man gar nicht von Velowegen, sondern von sanfter Mobilität. Fussgänger und Velos teilen sich also dieselben Verkehrswege.

Collomb: Man sollte sich nicht zu stark auf die Städte fokussieren. Es gibt auch die Randgebiete. Natürlich werden wir nicht Velowege entlang der 700 Kilometer Kantonsstras­sen bauen.

Gibt es genügend Platz, um zusätzliche Velowege zu schaffen?

Collomb: Man muss überall da separate Wege schaffen, wo es möglich ist. Es gibt Zonen, wo die Strassen genügend breit sind, um zumindest einen Streifen zu schaffen, der dem Velofahrer genügend Sicherheitsabstand gibt.

Giller: Aber das kann der Kanton selber realisieren, dazu muss er nicht den Bund kontaktieren. Es braucht keine Koordination auf höherer Ebene.

Collomb: Aber wenn eine höhere Instanz beteiligt ist, gibt das einen stärkeren Impuls, als wenn der Kanton ganz alleine agieren muss.

Wenn der Bund koordiniert, könnten dann nicht auch die Gemeinden von diesem Fachwissen profitieren?

Giller: Kaum. Was können anderthalb Stellen beim Bund schon bewirken? Für Velowege gibt es sowieso genügend Normen und Standards, um ein Projekt korrekt umzusetzen. Wenn die Gemeinden ein Velowegprojekt ausarbeiten, kümmern sich Ingenieure mit den entsprechenden Kompetenzen darum.

Collomb: Ein Koordinator ist wichtig, damit ein Velonetz nicht einfach an einer Kantonsgrenze aufhört. Er hat den Gesamtüberblick.

Gibt es eine solche Koordination auch zwischen den Gemeinden?

Giller: Wenn eine Gemeinde einen Veloweg bis an ihre Grenze plant, dann spricht sie sich hoffentlich auch mit der Nachbargemeinde ab. Im Falle der Stadt Freiburg gibt es dafür die Agglomeration. Diese plant zum Beispiel die Transagglo von Avry bis Düdingen. Auch Bulle hat einen Agglomera­tionsplan. In anderen Gemeinden spricht man sich halt ab.

Collomb: Ein Strassenprojekt muss öffentlich aufgelegt werden, dann beschäftigen sich auch die kantonalen Stellen damit und nehmen so eine Koordinationsaufgabe wahr. Da sehe ich kein Problem.

Giller: Auch die Kantone können sich ja bilateral absprechen, so wie das in der Broye-­ebene passiert.

Collomb: Der Bund muss eher schauen, dass das schweizerische Radnetz kohärent ist.

Man stimmt über einen Verfassungsartikel ab, aber die Details müssen dann auf Gesetzesstufe geregelt werden. Nimmt der Bund da nicht doch mehr Einfluss?

Collomb: Der Bund will das nicht. Er hat das ja durch sein eigenes Gegenprojekt ausgeschlossen. Die ursprüngliche Initiative hatte vorgesehen, dass der Bund den Lead hat und den Kantonen Auflagen macht. Das vorliegende Gegenprojekt klammert dies aus.

Giller: Wenn da noch viele Reglemente dazu kommen, so bringt das nicht.

Collomb: Die Reglemente für Bauvorhaben existieren ja bereits.

Ist der Bundesbeschluss Velo ein Mittel gegen das schlechte Gewissen?

Collomb: Ich glaube nicht. Wenn es um das Gewissen ginge, würde man alles Mögliche in die Verfassung stopfen.

Giller: Ich glaube doch, dass es eine Vorlage gegen das schlechte Gewissen ist. Man versucht ein Problem, das hauptsächlich Agglomerationen betrifft, schweizweit mit einem Verfassungsartikel zu ändern. Das ist doch nur Kosmetik.

«Man müsste Velowege eher mit Trottoirs als mit Wanderwegen vergleichen.»

Christophe Giller

Präsident SVP Stadt Freiburg

«Hat es Velowege für Distanzen bis zu fünf Kilometern, so werden sie auch benützt.»

Eric Collomb

CVP-Grossrat, TCS-Präsident

Zur Vorlage

Bund soll Projekte in den Regionen unterstützen

Velowege sollen rechtlich gleichbehandelt werden wie Fuss- und Wanderwege und zu diesem Zweck in die Verfassung aufgenommen werden. Diese Forderung steht hinter dem Bundesbeschluss über die Velowege, zu dem sich das Schweizer Stimmvolk am 23.  September an der Urne äussern wird. Der Bund soll demzufolge Grundsätze über Velowegnetze festlegen und Velowegprojekte von Kantonen und Gemeinden unterstützen und koordinieren. So kann er landesweit Standards für Velowege festlegen und auch entsprechende Geodaten für Karten und Apps zur Verfügung stellen. Es ist geplant, dafür beim Bund anderthalb Stellen zu schaffen. Jährlich ist ein Betrag von 1,8 Millionen Franken aus dem Budget des Bundesamts für Strassen vorgesehen. Der Bundesbeschluss ist ein Gegenentwurf zur zurückgezogenen Volksinitiative «Zur Förderung des Velos», die dem Bund deutlich mehr Kompetenzen eingeräumt hätte. Die Befürworter erwarten vom Bundesbeschluss mehr Platz und mehr Sicherheit auf den Strassen. Die Gegner, insbesondere die SVP, befürchten einen Autonomieverlust für Kantone und Gemeinden.

uh

Velonetz

Freiburg ist Schlusslicht der Schweizer Städte

In Eric Collombs Stimme schwingt eine gewisse Verzweiflung mit, als er von der Eishalle St. Leonhard auf die Murtenstrasse Richtung Granges-Paccot blickt: «Schade. Man hat die Strasse neu gemacht. Man hätte das nützen sollen, um sie sicherer zu machen. Jetzt hat man zwei enge Fahrspuren für Autos, und auf einer von ihnen ist noch ein Radstreifen aufgemalt.» Für ihn ist der Abschnitt Agy eines der schlimmsten Beispiele für eine verfehlte Veloplanung in der Agglomeration Freiburg. Der Präsident der Stadtfreiburger SVP, Christophe Giller, fügt hinzu: «Für die Fussgänger ist der Abschnitt auch schlecht: Gerade die Passage über die Autobahnbrücke ist zu Fuss sehr gefährlich.»

Dass Freiburg mit seinem Velonetz gesamtschweizerisch schlecht dasteht, hat diesen Frühling eine Umfrage der nationalen Organisation Pro Velo zutage gebracht. Online beantworteten 17 000 Velofahrende über 34 Fragen zu Verkehrsklima, Sicherheit, Komfort, Routennetz und Abstellmöglichkeiten. Unter 33 Städten belegt Freiburg mit einer Note von 3,1 den letzten Rang. Nur Lausanne erhielt die gleich schlechte Note. Spitzenreiter ist Burgdorf mit 4,7. In Freiburg gibt es weniger als einen Kilometer Radweg, der vom restlichen Verkehr getrennt ist. 12,5 Kilometer teilen sich die Velofahrer auf einem Radstreifen mit dem restlichen Verkehr, 4,1 Kilometer mit dem Bus und 1,8 Kilometer mit Fussgängern.

«In der Stadt Freiburg tendiert man dazu, den Veloverkehr mit allem Möglichen zu vermischen», bedauert Christophe Giller. «Man müsste die Wege viel besser trennen. Wenn Velofahrer auf dem Busstreifen sind, bremsen sie auch den öffentlichen Verkehr ab. Und mit den bis zu 30 Kilometer schnellen E-Bikes ist zudem die Vermischung mit Fussgängern gefährlich.»

Eric Collomb stellt fest, dass besonders die Zufahrtsachsen zur Stadt Freiburg wenig auf die Velofahrer ausgerichtet sind. Nebst der Murtenstrasse erwähnt Collomb auch den Bereich Moncor und die Jurastras­se. Für Giller sind überdies die Avenue du Midi und die Cardinal-Passage für Velofahrer ungeeignet.

uh

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