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«Strom auf den Alpen ist kein Luxus»

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Die Alpgenossenschaft Wünnewil besitzt zwei Alpen im Gebiet Schwarzsee: den Unteren und den Oberen Euschels. «Die Idee, diese Alpen mit Strom zu versorgen, besteht schon sehr lange», sagt Genossenschaftspräsident Andreas Freiburghaus. Derzeit müssen die beiden Hirten mit einem Minimum an Strom auskommen, den sie einerseits über Solarpanels, andererseits über Generatoren beziehen. «Um heute Alpen zeitgerecht bewirtschaften zu können, braucht es aber genügend Elektrizität», hält er fest. Die Genossenschaft wolle ihren Hirten bessere Arbeitsbedingungen für ihre an sich schon nicht leichte Aufgabe bieten und damit auch die künftige Bewirtschaftung sicherstellen. «Strom ist kein Luxus, sondern gehört zur Grundinfrastruktur», sagt auch Erwin Perler, Bergmeister in der Alpgenossenschaft. Es mache keinen Sinn, nostalgisch alten Zeiten nachzutrauern.

Seit Jahrzehnten ein Thema

Verläuft alles nach Plan, könnte das Stromprojekt zumindest teilweise noch dieses Jahr realisiert werden. Erwin Perler und Andreas Freiburghaus sind aber vorsichtig realistisch, denn die Elektrifizierung der Alpen ist in der Alpgenossenschaft Wünnewil schon seit vielen Jahren ein Thema. Erste Abklärungen wurden bereits vor Jahrzehnten gemacht – in einer Festung der Schweizer Armee bestand ganz in der Nähe nämlich lange Zeit eine Stromversorgung. Allerdings wurde diese mit der Armeereform «Armee 95» ausser Betrieb gesetzt und später zurückgebaut.

Einen weiteren Anlauf nahm die Genossenschaft Anfang des neuen Jahrtausends, als überall Pläne für Windparks geschmiedet wurden. Auch das Gebiet Euschels figurierte damals im provisorischen Richtplan für Windenergie. «Wir haben sogar einen Vorvertrag mit dem Windenergieunternehmen Swisswinds abgeschlossen», erinnert sich Erwin Perler. Umgesetzt wurde der Windpark aber nie: Die Genossenschaft wurde immer wieder vertröstet, bis die Laufzeit des Vorvertrags abgelaufen war.

Neuen Schub erhielt das Projekt 2009. Der Vorgänger von Andreas Freiburghaus im Präsidentenamt, Markus Perler, schenkte der Genossenschaft zum Abschied eine Machbarkeitsstudie durch einen Ingenieur. «Das war für uns die Grundlage, das Thema wieder aufzugreifen», erklärt Andreas Freiburghaus. «Aber erst mussten wir abklären, ob es für uns finanziell tragbar ist.» Zugute kam der Genossenschaft, dass sich 2014 bei den Direktzahlungen eine Änderung ergab und der Bund Sömmerungsgebiete stärker unterstützte als bisher. «So wurde für uns immer konkreter, dass wir das Projekt realisieren können.»

Ein Pionierprojekt

Die Machbarkeitsstudie sah vor, dass die Alpen via Elektrizitätswerk Jaun versorgt werden. 2015 fanden erste Gespräche statt. «Gleichzeitig wurde uns klar, wie kompliziert der Weg bis zur Verwirklichung ist. Allein das Bewilligungsprozedere ist sehr aufwendig, da mehrere kantonale Ämter und verschiedene Bundesstellen involviert sind», erklärt Erwin Perler. Hilfe bekam die Genossenschaft vom kantonalen Amt für Landwirtschaft: Dieses war interessiert, weil das Projekt Pioniercharakter besitzt. Zwar hatte man Jahre zuvor bereits die Alpen im Muscherenschlund mit Strom versorgt, doch haben sich die gesetzlichen Vorgaben seither geändert. «Neu ist der Bund bereit, im Rahmen von Meliorationsbeiträgen auch Stromerschliessungen zu unterstützen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind: Zum Beispiel, wenn eine gewisse Anzahl Tiere gesömmert werden oder Milchkühe auf der Alp sind», sagt Andreas Freiburghaus. Vorher konzentrierten sich Subventionen vor allem auf Arbeiten im Weg-und Gewässerbau.

Bei einer Ortsbegehung hat ein Experte des Bundes grünes Licht gegeben: «Er bestätigte uns, dass das Projekt grundsätzlich unterstützungswürdig sei, weil es massgeblich zur Strukturverbesserung der Alpen beiträgt.» Bei einer zweiten Begehung im Herbst 2015 – also kurz nach dem trockenen Sommer mit Wasserproblemen auf den Alpen – kam eine neue Komponente hinzu: die Wasserversorgung (siehe Kasten).

Die Genossenschaft hat die weitere Planung und Verantwortung für die Ausführung des Elektrifizierungsprojekts der Mehrzweckgenossenschaft Schwarzsee übertragen. Die Projektverantwortung liegt beim Ingenieurbüro pb Plan in Plaffeien. In der Baukommission, die von Erwin Perler präsidiert wird, sitzen neben Andreas Freiburg­haus und Marcel Thalmann vom Amt für Landwirtschaft auch Alfons Piller als Präsident der Mehrzweckgenossenschaft Schwarzsee. Er begrüsst die Initiative der Alpgenossenschaft Wünnewil: «Solche innovativen Projekte sind lebenswichtig für den Erhalt und die Weiterbewirtschaftung unserer Alpen.» Es sei sehr wichtig, dass auch andere Genossenschaften oder private Grundbesitzer Weitsicht und Mut zu Investitionen zeigen. «Nur so kann der Hirt die Alpen neben dem Talbetrieb richtig und effizient bewirtschaften und erhält gute Voraussetzungen für seinen Nebenerwerb.»

Vor einigen Wochen ist eine weitere Etappe des langen Bewilligungswegs abgeschlossen worden: Beim sogenannten Mitberichtsverfahren haben sämtliche betroffenen Ämter im Kanton das Projekt konsultativ beurteilt – alle positiv, wie Andreas Freiburghaus erklärt. Und auch das eidgenössische Starkstrominspektorat hat die Linienführung und den Strombezug beim Elektrizitätswerk Jaun abgesegnet. Jetzt liegt das Dossier beim kantonalen Amt für Landwirtschaft. Von dort geht es an die Bundesstellen, wo es um die Zusicherung der Subventionen geht.

Überraschungen im Boden

Liegt von dieser Seite die Bewilligung erst einmal vor, folgt die Umsetzung. Andreas Freiburghaus und Erwin Perler sind sich bewusst, dass auch diese nicht leicht wird. Die kürzeste Verbindung wäre eine Leitung von der Alp Ritzli über den Pass zum Oberen Euschels und von dort zum Unteren Euschels. Die Mittelspannungsstromleitung muss gemäss gesetzlichen Vorschriften 80 Zentimeter tief im Boden sein. «Wir wissen nicht, was uns beim Graben erwartet», sagt Erwin Perler. Grosse Umwege, etwa wegen felsigem Boden, würden das Projekt verteuern. Ausserdem darf die Linienführung nicht zu viele Kurven haben, weil dies den Einzug der Leitungen behindert.

Ende dieses Sommers soll mit den Arbeiten begonnen werden. Bis dahin laufen bereits die Vorbereitungsarbeiten an den Alphütten: Die Hausinstallationen werden auf den Strom vorbereitet. «Es gibt noch viel zu tun», sagt Andreas Freiburghaus. «Entweder realisieren wir das Projekt jetzt, oder nie».

«Entweder realisieren wir das Projekt jetzt, oder nie.»

Andreas Freiburghaus

Präsident Alpgenossenschaft Wünnewil

Neue Komponente

Nicht nur Strom, sondern auch Wasser

Bei einer Ortsbegehung für das Elektrifizierungsprojekt der Euschelsalpen im Herbst 2015 hat das Bundesamt für Landwirtschaft angeregt, auch die Wasserversorgung einzubeziehen. Die Alpen im Euschels werden durch eine Quelle versorgt. Deren Wasser wird via Druckstosspumpe, einem sogenannten Widder, zum Oberen Euschels gepumpt. Was dort nicht verwendet wird, fliesst zum Unteren Euschels. «Früher oder später müssen wir die bestehenden Leitungen ersetzen», sagt Andreas Freiburghaus. Bisher habe dieses Wasser für die Versorgung gereicht, der Sommer vor zwei Jahren habe aber gezeigt, dass sich dies ändern könne.

Unter der Verantwortung der Mehrzweckgenossenschaft Schwarzsee läuft bereits im Breccaschlund ein grosses Wasserversorgungsprojekt. Dieses hat zum Ziel, einen besseren und dauerhaften Zugang zu sauberem Wasser für Mensch und Tier auf 15 Alpen mit rund 1100 Tieren zu erzielen. Miteinbezogen sind vier Alpgenossenschaften und sieben private Grundeigentümer. So leicht ist es im Brecca­schlund jedoch nicht, Wasser zu fassen. Es gibt kein ganzjähriges Oberflächengewässer, und der Untergrund ist stark verkarstet, so dass Regenwasser rasch versickert.

Das Projekt sieht auch dort eine Kombination vor. «Einerseits soll die zentrale Wasserversorgung sichergestellt und ausgebaut werden, andererseits soll auch die Elektrifizierung geprüft werden. So können beim Graben im Gelände Synergien genutzt werden», sagt Alfons Piller. Ein geologisches Gutachten habe gezeigt, dass zwei Quellen – eine bei der Steinigen Rippa und eine in der Nähe des Stierenbergs – genügend Wasser für die Versorgung des ganzen Breccaschlundes hätten. Mit einem Reservoir beim Cerniets soll das Wasser so weit wie möglich durch das natürliche Fliessgefälle transportiert und muss nur zu den drei obersten Alpen gepumpt werden. «Momentan läuft die Planungsphase», sagt Gemeinderat Alfons Piller. Auch Plaffeien habe Interesse am Projekt: «Plaffeien möchte allenfalls das Restwasser übernehmen und in das Netz der Wasserversorgung Schwarzsee einspeisen.»

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Zahlen und Fakten

Zwei Alpen im Schwarzseetal

Der Untere Euschels liegt auf 1442 Metern über Meer, der Obere auf 1550 Metern über Meer. Die Alpen sind zwischen vier und fünf Monaten besetzt. Die beiden Hirten betreuen rund 32 Milchkühe, 24 Mutterkühe und 120 Rinder, dazu noch Geissen und andere Tiere. Die Alpen kommen so auf 140 Normalstösse. Zum Melken der Tiere haben die Hirten Strom zur Verfügung, der teils von einem Sonnenpanel stammt, das eine Batterie speist, und teils von einem benzinbetriebenen Generator.

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