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Stucki mit 32 Jahren noch der Beste

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Nachdem er schon während der Saison mit fünf Kranzfestsiegen der klar Stärkste im Land gewesen war, dominierte der Berner Seeländer Christian Stucki auch das Unspunnenfest, den wie der Kilchberger Schwinget nur alle sechs Jahre stattfindenden Grossanlass in Interlaken, über weite Strecken nach Belieben.

Die ersten vier Gänge – im 4. Gang bereits einmal gegen Curdin Orlik – gewann er mit lauter Maximalnoten, ehe er sich vom defensiv starken Innerschweizer Sven Schurtenberger den einzigen Gestellten abringen liess. Der Schlussgang war dann allerdings eine sehr zähe Angelegenheit. Orlik wehrte sich gut, und Stucki wirkte mit zunehmender Gangdauer müde. In der 16. und letzten Minute, etwa 40 Sekunden vor dem Ende, gelang es ihm mit seinen Bärenkräften doch noch, den acht Jahre jüngeren Orlik zu bodigen. Christian Stucki: «Ich bin ziemlich am Ende meiner Kräfte, es war ein happiger Schlussgang. Curdin Orlik hat mir nichts geschenkt. Es ist überwältigend, aber sehr anstrengend. Ich glaube schon, dass es der Schlüssel war, von Beginn weg Gas zu geben. Ich habe bereits die ganze Saison probiert, angriffiger zu schwingen. Nach der Mittagspause hat es zwar etwas geharzt. Aber ich hatte das glücklichere Ende auf meiner Seite. Mit der Rolle als Favorit hatte ich keine Mühe, ich habe in den letzten zwei Wochen keine Zeitung gelesen. Meine Frau hat mir sogar den ‹Schlussgang› (Red.: Schwingerzeitung) versteckt.»

Ältester Sieger seit 1996

Während zahlreiche über 30-jährige Schwinger allmählich ihre Mühe haben, hat Stucki auf eindrucksvolle Weise vorgemacht, dass selbst ein älterer Schwinger den vielen aufstrebenden Youngsters den Meister zeigen kann – ähnlich wie es am letztjährigen Eidgenössischen in Estavayer Matthias Glarner getan hatte. Mit 32 Jahren und 7 Monaten ist Stucki der älteste Sieger eines Festes von eidgenössischer Prägung seit 21 Jahren. Damals, 1996, gewann der populäre Berner Niklaus «Chlöisu» Gasser als 35-Jähriger den komplett verregneten Kilchberger Schwinget im Schlussgang gegen den Muttenzer Rolf Klarer.

Für wohl die meisten unter den 15 400 Zuschauern kam die Schlussgangteilnahme von Curdin Orlik überraschend. Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Armon Orlik war zu Recht als einer der ersten Favoriten gehandelt worden, aber der «andere» Orlik, der seit dieser Saison nach einem Wohnortswechsel für den Berner (Oberländer) Verband schwingt, nutzte die Gunst der Stunde und die Tatsache, dass viele Böse vorzeitig aus der Entscheidung fielen. Vor allem im 4. Gang erlebten etliche Spitzenschwinger ihr Waterloo, so die beiden Berner Schwingerkönige Matthias Sempach – er war nach einer langen Verletzungspause weit von seiner Bestform weg – und Kilian Wenger sowie der St. Galler Daniel Bösch, der Gewinner des letzten Unspunnen-Schwinget 2011.

Für Curdin Orlik war der Ausgang des als Halbfinal gedachten Spitzenduells zwischen den jungen Bösen Armon Orlik und Joel Wicki günstig. Der Entlebucher Wicki besiegte Armon Orlik, bekam für die Arbeit am Boden jedoch nur 9,75 Punkte gutgeschrieben. Mit der Maximalnote wäre Wicki punktgleich mit Curdin Orlik gewesen und hätte vom Kampfgericht aufgrund des eindeutig besseren Notenblatts zu Stuckis Schlussganggegner ernannt werden müssen.

Wicki, der zweite Sieger

Ist «Chrigu» Stucki, der seit vielen Jahren nicht weniger populär ist als ein Schwingerkönig, der richtige und vollauf verdiente Sieger des überraschungsreichen Fests, darf man den für die Zukunft sehr viel versprechenden Joel Wicki getrost als den zweiten oder den heimlichen Sieger bezeichnen, und zwar nicht nur, weil er in der Schlussrangliste tatsächlich den 2. Platz belegt. Der nicht allzu gross gewachsene Sörenberger – er misst 182 Zentimeter – zeigte von allen aufstrebenden Jungen und künftigen Anwärtern auf die Königstitel die beste Leistung. Wäre der Schlussgang gestellt ausgegangen, hätte Wicki den Unspunnensieg geerbt – wie zuletzt Jörg Abderhalden 1999. Dabei wäre er vermutlich nicht einmal auf die Erbschaft angewiesen gewesen. Im ersten Gang stellte er gegen Kilian Wenger. Wie TV-Bilder zeigten, hätte der Kampfrichter in einer strittigen Szene auch Wicki den Sieg geben können. Die weiteren fünf Gänge gewann Wicki allesamt.sda

Unspunnen

Stucki besiegt Orlik mit Kreuzgriff

Interlaken. Unspunnen-Schwinget (120 Teilnehmer/15 800 Zuschauer). Schlussgang: Christian Stucki (Lyss) bezwingt Curdin Orlik (Kandersteg) in der 16. Minute mit Kreuzgriff. Rangliste: 1. Stucki 58,75. 2. Joel Wicki (Sörenberg) 58,25. 3. Curdin Orlik und Ruedi Roschi (Oey), je 57,25. 4. Domenic Schneider (Friltschen), Samir Leuppi, Marco Fankhauser (Hasle LU), Matthias Aeschbacher (Rüegsauschachen), Daniel Bösch (Zuzwil SG), je 57,00. 5. Nick Alpiger (Staufen), Reto Nötzli (Pfäffikon SZ), Simon Mathys (Walliswil b. Wangen), Marcel Bieri (Edlibach), Patrick Räbmatter (Uerkheim), Fabian Kindlimann (Fischenthal) und Benji von Ah (Giswil), je 56,75. 6. Remo Käser (Alchenstorf) und Matthias Sempach (Alchenstorf), je 56,50. 7. Michael Bless (Gais), 56,25. 8. Thomas Sempach (Heimenschwand), Bernhard Kämpf (Sigriswil) und Willy Graber (Bolligen), je 56,00. – Ferner: 10. u.a. Simon Anderegg (Unterbach), Kilian Wenger (Horboden) und Johann Borcard (Villars-sous-Mont),je 55,50. – Ferner: 13. u.a. Steven Moser (Brünisried) 54.75. 16. u.a. Lario Kramer (Galmiz) 54.00. 25. u.a. Michel Dousse (Oberschrot) 35.50.

Die Notenblätter der Freiburger

10. Johann Borcard (55.50)

– Roman Sommer 8.75

+ Domenic Schneider 9.75

– Lukas Döbeli 9.00

+ Philipp Reusser 9.75

+ Kilian von Weissenfluh 9.75

o Matthias Aeschbacher 8.50

13. Steven Moser (54.75)

– Niklaus Wüthrich 8.75

+ Philipp Schuler 10.00

o Remo Käser 8.50

– Simon Röthlisberger 8.75

– Bruno Linggi 8.75

+ Jonas Brun 10.00

16. Lario Kramer (54.00)

+ Beda Coray 10.00

o Willy Graber 8.50

+ Bruno Linggi 9.75

o Erich Fankhauser 8.75

o Marco Fankhauser 8.50

o Dominik Roth 8.50

25. Michel Dousse (35.50)

o Kilian von Weissenfluh 8.50

+ Daniel Elmer 10.00

o Marcel Kuster 8.50

o Gustav Steffen 8.50

«Meine Frau hat mir sogar die Schwingerzeitung versteckt.»

Christian Stucki

Sieger Unspunnen-Schwinget

Freiburger Teilnehmer

Zwischen Freude und Enttäuschung

Die Schwinger des Südwestschweizer Verbandes mussten sich beim Unspunnen-Schwinget mit der Rolle der Aussenseiter begnügen. Angesichts der momentanen Kräfteverhältnisse und der Tatsache, dass in Interlaken nur die 120 besten Schwinger an den Start gingen, war die Wahrscheinlichkeit, dass ein Südwestschweizer siegen würde, ungefähr gleich gross wie ein Triumph Liechtensteins an der Fussball-WM.

Für die Freiburger Stephen Moser (Brünisried), Lario Kramer (Galmiz), Michel Dousse (Oberschrot) und Johann Borcard (Villars-sous-Mont) würde unter solchen Voraussetzungen im Normalfall ein Kranzgewinn ein Erfolg darstellen. Da am Unspunnen-Schwinget aber kein Eichenlaub verteilt wird, lautete die Zielsetzung für das Quartett das Erreichen des sechsten Ganges. Und das ist dreien der vier Kämpfer mehr oder weniger problemlos gelungen.

Mosers Verletzung

Steven Moser liess sich dabei selbst von einer Adduktorenverletzung, die er sich im ersten Gang gegen Niklaus Wüth­rich zugezogen hatte, nicht von seinem Weg abbringen. «Es war natürlich etwas unglücklich, dass ich mich verletzt habe. Denn eigentlich fühlte ich mich am Morgen gut und bereit, um anzugreifen. Die Verletzung hat mich danach schon etwas behindert», bedauerte der Sensler, der momentan in Payerne die Rekrutenschule absolviert. «Ich versuchte die Schmerzen so gut wie möglich auszublenden, ganz gelungen ist es mir aber nicht. Einerseits bin ich sehr zufrieden, dass ich die sechs Gänge bestreiten konnte. Andererseits bin ich auch etwas enttäuscht, weil ich weiss, dass ich normalerweise zu mehr fähig bin. Aber so ist eben der Sport.» Mit 54.75 Punkten war er schliesslich hinter Johann Borcard (55.00), Steve Duplan (Ollon/55.00) und Pascal Piemontesi (Eclépens/54.75) viertbester Südwestschweizer.

Gemischte Gefühle bei Kramer

Mit etwas gemischten Gefühlen blickte auch Lario Kramer auf seinen Auftritt am Unspunnenfest zurück. «Bis zum Mittag lief es tipptopp, am Nachmittag ging plötzlich nichts mehr. Im ersten Kampf nach der Pause kam ich gegen Erich Fankhauser fast zur Wertung, dann lief ich allerdings in einen Konter und verlor. Auch in den letzten beiden Gängen zog ich den Kürzeren, obwohl ein Sieg durchaus möglich gewesen wäre.» Nach der langen Saison habe er gespürt, dass bei ihm die Luft etwas draussen sei, sagte der Galmizer. «Ich bin glücklich, dass ich die sechs Gänge erreicht habe. Von meiner Leistung in den einzelnen Gängen bin ich jedoch etwas enttäuscht, weil iich Fehler gemacht habe. Zumindest weiss ich jetzt, woran ich im Hinblick auf die nächste Saison arbeiten muss.» Diese beginnt für Lario Kramer Mitte Oktober, dann wird er das Training wieder aufnehmen. «Vorerst sind jedoch zwei Wochen Ferien angesagt.»

Borcard bester Südwestschweizer

Bester Südwestschweizer war gestern Sonntag der Greyerzer Johann Borcard. Mit 55.50 Zählern hatte der 23-Jährige am Ende nicht nur gleich viele Punkte auf seinem Notenblatt stehen wie die Eidgenossen Kilian Wenger, Simon Anderegg, Andreas Ulrich, Marcel Mathis und Patrick Schenk, sondern er hatte auch die beiden eidgenössischen Kranzgewinner Domenic Schneider und Philip Reusser bezwungen. Der Landwirt aus Broc hat in seiner Karriere bereits elf Kränze sammeln können, vier davon allein in dieser Saison.

«Das lässt hoffen für die Zukunft»

Christian Schmutz, technischer Leiter des Südwestschweizer Schwingerverbands, zog am Ende des ereignisreichen Tages ebenfalls ein positives Fazit. «Im Grossen und Ganzen haben wir uns gut geschlagen, auch wenn einige ihr Potenzial nicht ganz abrufen konnten.» Der Sprung unter die ersten 18 Prozent, die normalerweise einen Kranz erhalten, sei zwar nicht ganz gelungen. «Es konnten sich aber einige Schwinger im ersten Viertel klassieren. Und was mich besonders freut, ist die Tatsache, dass alle unsere Teilnehmer noch sehr jung sind. Vom Alter her können sie in sechs Jahren am nächsten Unspunnen wieder dabei sein. Das lässt hoffen für die Zukunft.»ms

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